Forchheim
Musik

Spielmannszug nimmt wehmütig und furios Abschied von "seiner" Jahnhalle

Ein Gemeinschaftskonzert vor vollem Haus begeisterte das Publikum in der Forchheimer Jahnhalle. Die Kulturhalle ist bald Geschichte: Sie wird abgerissen.
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Foto: Spielmannszug Jahn Forchheim
Foto: Spielmannszug Jahn Forchheim
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Mit einem grandiosen Gemeinschaftskonzert hat der Spielmannszug Jahn Forchheim Abschied von "seiner" Jahnhalle genommen. Seit seiner Gründung 1952 bot die ehemalige Turnhalle die Freiräume, die für ein attraktives Vereinsleben nötig sind. Hier unter dem Dach probten die Orchester, hier auf der Bühne zeigten sie ihr Können. Wie an diesem Abend, an dem der Spielmannszug, das Jugendorchester der Jugend- und Trachtenkapelle Neunkirchen am Brand und etwa 400 Zuhörer ganz melancholisch wurden.

Es ist ein elfjähriger Junge, der all den Blasmusikern um ihn herum die Show stiehlt. Dabei spielt Benjamin Heermann weder Posaune noch Flügelhorn. Ihn und seine beiden Schlegel hat der Wirbel-Wahn erfasst. In "Xylomania" erreicht der Schüler auf seinem Xylofon immer neue Geschwindigkeitsrekorde, bis die Holzstäbe vor ihm leise um Gnade winseln. Das hört man aber nur in der ersten Reihe. Weiter hinten geht das Geräusch im lautstarken Jubel und den Bravo-Rufen unter.

Erinnerungen an die Halle

Mit der Jahnhalle verbindet fast jeder der anwesenden Musiker eigene Erinnerungen. Nicht zuletzt die fünf internationalen Folklore-Festivals haben die Räume mit Leben gefüllt. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet der Nachwuchs aus Neunkirchen zum Auszug aus dem alten, dem Abriss geweihten Gebäuden vorbeikommt. Beide Klangkörper stehen unter der taktischen Aufsicht Josef Maderers. In beiden gibt Luisa Zametzer aus Kersbach den Ton an. Zum einen am Saxofon, wo sie mit Eric Clapton den Blues hat. Zum anderen am Mikrofon, wo sie Meat Loafs "Modern Girl" singt. Später werden in einem Queen-Klassiker auch noch die Saxofonistin Katharina Hölzl sowie die Flötistinnen Birgit Frank und Celina Schuberth im Rampenlicht stehen

Die "Küsten-Rocker"

Dann segelt die Jugend- und Trachtenkapelle durch ein "Best of" der "Küsten-Rocker" von Santiano. Die alten Seemannslieder, der Folk und der Schlager sind genau das Richtige, damit sich die Ex- Kapitäne der "Jahn", Heinrich Eiermann, Norbert Kramperth, Raimund Schuh, Eduard Schuberth und Wolfgang Dötzer, noch einmal an Bord fühlen können. Insgesamt sechs Zugaben sind nötig, um die Landratten in der Jahnhalle zu besänftigen. Mit Peter Leitners emotionalem Stück "My Dream" kommt Alexander Müllers große Stunde am Flügelhorn. Nicht erst da überkommt viele im Publikum die Wehmut, dass nun wirklich die Tage dieses traditionellen Kulturzentrums gezählt sind.

Knallbuntes Finale

Das knallbunte Finale gestaltet der Spielmannszug, der eigentlich den altgedienten Radetzky- Marsch spielen soll. Doch dann findet sich Dirigent Ralf Schuberth erst am Nil wieder, wo man Aida mit Schläuchen und Trichtern den berühmten Triumph-Marsch bläst. Dann reitet ein wilder Jäger aus Kurpfalz durch den Saal, und der Torero sucht ausgerechnet auf der Bühne nach seiner geliebten Carmen. Am Ende des "Marsch-Konfetti", in dem über 20 Melodien in ganz kleine Stückchen gerissen wurden, klatschen sogar eine Handvoll Tiroler Holzhackerbuam, bis es selbst die anwesenden früheren Abteilungsleiter Josef Siebenhaar, Marco Roth und Jörg Rödel nicht mehr auf den Sitzen hält.

Traum vom Neubau

Der gemeinsame Auftritt beider Orchester auf und vor der Bühne ist das Letzte, was den Jahnlern nach acht Jahren ohne Konzert in der Jahnhalle in Erinnerung bleiben wird. Die Vorstände Dominik Trautner und Günther Meier träumen da schon vom Neubau im Norden Forchheims. Dort will man nach einer 23-jährigen Odyssee durch Gasthäuser und Schulaulen endlich zur Ruhe kommen und sich ganz auf die Gewinnung und Ausbildung des musikalischen Nachwuchses kümmern. Damit man auch noch in Jahrzehnten während des Annafestzuges in Forchheim und darüber hinaus jenen besonderen Klang hören kann, den Fanfaren-Trompeten, Spielmannsflöten und Landsknechtstrommeln erzeugen.

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