Forchheim
Schule

Sozialarbeiter helfen den Lehrern in Forchheim

In den Forchheimer Grundschulen nehmen die Klassenstärken zu und die Deutschkenntnisse ab. Die Pädagogen brauchen Unterstützung.
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In der Forchheimer Traitteur-Schule ist Schulsozialarbeit längst gelebte Praxis.  Foto: Josef Hofbauer
In der Forchheimer Traitteur-Schule ist Schulsozialarbeit längst gelebte Praxis. Foto: Josef Hofbauer

Wenn an einer Schule etwa jeder vierte Schüler der deutschen Sprache nicht mächtig ist und etwa jeder zehnte Schüler eine traumatisierende Flucht hinter sich hat, dann stehen die Lehrer vor kaum lösbaren Herausforderungen. Nicht nur die Forchheimer Anna-Grundschule ist daher auf Unterstützung angewiesen.

"Die Problemlagen in den Schulen verstärken sich", betont Gabriele Obenauf, die Leiterin des Amtes für Jugend, Bildung, Sport und Soziales. Sie verweist auf das Förderprogramm der bayerischen Staatsregierung. Demnach kommen Schulen, deren Anteil von Migrantenkindern bei 20 Prozent liegt, in den Genuss eines Jugendsozialarbeiters. Der Staat übernimmt 40 Prozent der Personalkosten.

Vernachlässigung vermeiden

Im Hauptausschuss der Stadt unterstrich Obenauf die "Notwendigkeit", die Jugendsozialarbeit an der Anna-Grundschule sowie an der Grundschule Burk-Buckenhofen einzurichten.

Manfred Hümmer (FW) und Thomas Werner (CSU) setzten sich im Namen ihrer Fraktionen dafür ein, die beiden Schulen sogar noch großzügiger auszustatten, als die Schulleiterinnen das selbst beantragt hatten: Wolle man "die Vernachlässigung vermeiden", sei es mit einer halben Stelle an der Anna-Schule nicht getan, sagte Hümmer. "Dringender Handlungsbedarf" sei auch an der Grundschule in Burk-Buckenhofen unübersehbar, sagt Thomas Werner und forderte eine ganze Stelle.

Zumal Schulleiterin Ulla Schuster betont, dass wegen der "Zweihäusigkeit" der Schule eine Dreiviertel-Stelle unbrauchbar sei. In jedem der beiden Schulhäuser müsste eine Sozialpädagogin "kontinuierlich" im Einsatz sein. Eine Schulsozialarbeiterin sei seit Januar bereits aktiv. "Sie ist ein enormer Gewinn für uns und hat alle Hände voll zu tun", sagt die Direktorin. Sie weist darauf hin, dass 163 ihrer 210 Schützlinge in der Ganztagesschule untergebracht seien. "Wie haben andere Probleme als früher", mahnt Ulla Schuster: Der erhöhte Betreuungsaufwand mache die Jugendsozialarbeit unabdingbar. "Das hat mit dem Thema Migration gar nichts zu tun. Wir benötigen die Unterstützung für alle Kinder, die uns anempfohlen sind." Auch Heike Wentzel, die Leiterin der Anna-Schule verdeutlicht die Schwierigkeiten: Erste Klassen mit 27 Kindern, davon sechs Flüchtlingskinder - der herkömmliche pädagogische Aufwand reiche da nicht mehr aus.

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) versprach am Dienstag, mit dem Forchheimer Landrat Hermann Ulm (SCU) entsprechend zu verhandeln. Denn die Jugendsozialarbeit muss vom Landkreis mit unterstützt werden. Wobei sich da ein Konflikt zwischen Stadt und Landkreis anbahnen könnte. Wie Udo Schönfelder (CSU) andeutete, verhalte sich Landrat Ulm "etwas fremdelnd", wenn es darum geht, die Sozialarbeiterstellen aufzustocken.

Jedenfalls haben die Räte im Hauptausschuss beschlossen, sowohl an der Anna-Grundschule, als auch an der Schule in Burk-Buckenhofen eine ganze Stelle für die Jugendsozialarbeit zu ermöglichen. Und zwar bereits ab Januar. Sollte der Landkreis bei der Finanzierung nicht mitziehen, werde die Stadt die Aufstockung der Stellen alleine finanzieren. Das signalisierten die Stadträte am Dienstag einstimmig.

Werner will keinen Zwang

"Wir haben die Defizite erkannt und können nicht den Zwängen der Kreisverwaltung folgen", sagte Thomas Werner. "Der Landrat sollte seine Sozialraum-Analyse genauer lesen", sagte Manfred Hümmer. Dann wüsste er, dass es in der Kreisstadt Forchheim "überproportional viele Brennpunkte gebe". Für die gelte es "Verantwortung zu übernehmen", mahnte auch Sebastian Platzek (FDP) in Richtung Landrat Hermann Ulm.

Obwohl das Thema Jugendsozialarbeit letztlich unstrittig war, erlaubte sich Paul Nerb (FBF) "grundlegende Bedenken": Schule und Kommunen übernähmen hier "Aufgaben, die ihr nicht zustehen". In den Schulen sollte es um Wissensvermittlung gehen, nicht darum, Defizite der Elternhäuser aufzufangen, meinte Paul Nerb.

Dagegen hob Lisa Hoffmann (SPD) die Erfolge hervor, die es dank der Jugendsozialarbeit an Mittelschulen bereits gebe. Die SPD-Rätin und ihre FGL-Kollegin Sabine Dittrich unterstrichen: Sozialarbeit bleibe nie alleinige Aufgabe der Schule. Die Jugendsozialarbeiterinnen arbeiteten ja an einer "Schnittstelle", an der beispielsweise auch Eltern und Ärzte mit einbezogen würden, sagte Dittrich.



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