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Tierheim

Sommerhoch im Tierheim Forchheim

Die Unterbringung an der Staustufe 36 in Forchheim platzt aus allen Nähten: Hochsaison ist während der Sommerferien nicht nur für Urlauber, sondern auch für die Pfleger.
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Cane Corso Mischling Sendi   sucht ein neues Zuhause. Foto: Julia Heimberger
Cane Corso Mischling Sendi sucht ein neues Zuhause. Foto: Julia Heimberger
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Von Julia Heimberger

Es miaut, zwitschert und bellt von allen Seiten hier im Tierheim Forchheim. "Ja, in der Ferienzeit, da geht es rund. Wir schauen jedes Jahr dem August mit Schrecken entgegen", erklärt Marianne Wende, Vorsitzende des Tierschutzvereins Forchheim. In den Sommerferien sei das Tierheim immer komplett belegt. Das liege aber nicht am klassisch ausgesetzten Hund auf der Autobahnraststätte. Sondern an einem Zusammenspiel verschiedenster Faktoren: (verletzte) Fundtiere, einer Flut an Katzenkindern, Notfällen aus anderen Tierheimen, Abgabetieren, gefundenen Jungvögeln, Gasttieren und personellen Engpässen.

Auch exotische Tiere zu Gast

Pro Jahr versorgt das Tierheim etwa 900 Tiere, zumeist Hunde, Katzen und Kleintiere. Aber auch exotische Gäste finden sich in der Jahresübersicht: Hausenten, Graureiher, Schwäne, Eulen, Igel, Feldhasen, Fledermäuse und zahlreiche Wildvogelarten. "Wir haben private Pflegestellen für Wildvögel, Schildkröten und Katzenmamas, Reptilien kommen in die Auffangstation nach München", erläutert Marianne Wende.

Wie lange ein Tier bleibt, hängt vor allem von seinem Gesundheitszustand ab und ob das Tier tätowiert oder gechippt ist. "Wir haben viele Tiere, die einen Mikrochip haben, aber die Besitzer haben ihr Tier nicht registriert", bestätigt Manu Scharf, zuständig für die Katzenbetreuung.

Manche gesunde, geimpfte und kastrierte Katze bleibt nach der Abgabe nur eine Woche im Tierheim, bis sich ein neuer "Dosenöffner" findet. Bei der Abgabe werden die unterschiedlichsten Gründe genannt. Häufig führen jedoch Krankheit, Scheidung, der Umzug in eine neue Stadt oder ins Pflegeheim zu einer Trennung von Mensch und Haustier. Dass jemand sein Tier wegen Problemen abgibt, sei sehr selten.

Ausgesetzte Tiere sind Problem

Mitunter finden die Angestellten auch ausgesetzte Tiere vor dem Eingang. Und das ist ein großes Problem, da ihre Krankheitsgeschichte und auch ihr Impfstatus völlig unbekannt sind. Daher wird jedes ausgesetzte Tier nochmals komplett geimpft und muss bis zum vollständigen Impfschutz in Quarantäne bleiben. "Da dauert es dann schon mal acht bis zehn Wochen, bis ein Tier ein neues Zuhause hat", sagt Manu Scharf. Auch Krankheiten und notwendige Operationen können die Verweildauer verlängern. Die Vorsitzende Marianne Wende erklärt: "Wir hatten letztes Jahr über 40 000 Euro Tierarztkosten."

Finanzierung durch den Verein

Finanziert wird die Arbeit der fünf Halbtageskräfte und der zwei Teilzeitangestellten durch den Verein, Patenschaften, Aufnahmegebühren, Mitgliedschaften, Stiftungszuwendungen, Erbschaften und Schutzgebühren für die Abgabetiere. Für eine geimpfte, gechippte, kastrierte Katze fallen 115 Euro Schutzgebühr an, für einen Hund 250 Euro. "Und natürlich schauen wir uns vorher das neue Zuhause an. Die Tiere haben ja schon vieles erlebt und das neue Zuhause soll ja dann für immer sein", sagte Marianne Wende. Daher sei es nicht möglich, eine Freigängerkatze in reine Wohnungshaltung oder neben eine stark befahrene Bundesstraße zu vermitteln.

Katze Kira sucht ein Zuhause

Aus diesem Grund hat die Katze Kira auch nach einem Jahr im Tierheim noch kein neues Zuhause gefunden. "Sie ist eine Einzelkatze, möchte weder Hunde noch Kinder im Haus, braucht ihren Freigang in die Natur und möchte nur dann schmusen, wenn es ihr gefällt." Mit diesen Worten stellt Manu Scharf Kira vor und lockt sie mit einigen Leckerlies aus ihrer Schlafhöhle.

Auch bei den Hunden suchen einige schon seit geraumer Zeit ein neues großes Zuhause, am besten mit umzäunten Garten.

Zum Beispiel die Cane Corso Mischlingshündin Sendi, die einen unglaublichen Bewegungsdrang hat und viel Aufmerksamkeit braucht.

Chihuahua Milo ausgesetzt

Neben diesem großen schwarzen Kraftpaket wirkt der Chihuahua Milo winzig. Er wurde Ende April vor dem Tierheim ausgesetzt. Seitdem hofft das etwa zurückhaltende Hündchen auf ein neues Herrchen oder Frauchen. Für Milo wäre ein hündischer Kollege ideal, denn zu zweit spielt es sich auf der Wiese viel schöner als allein.

Wer sich ehrenamtlich engagieren oder einem tierischem Zeitgenossen ein neues Zuhause geben möchte, ist jederzeit im Tierheim herzlich Willkommen.



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