Pretzfeld

Solawi Ebermannstadt: Ernten und teilen

Neben Bamberg und Erlangen gibt es nun auch im Landkreis Forchheim eine Solidarische Landwirtschaft: Die Solawi Ebermannstadt will den Stellenwert von saisonalem Gemüse in den Fokus rücken.
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Reinhard Friedrich, stellvertretender Kreisobmann, bewirtschaftet die Fläche der Solawi Ebermannstadt. Fotos: Franziska Rieger
Reinhard Friedrich, stellvertretender Kreisobmann, bewirtschaftet die Fläche der Solawi Ebermannstadt. Fotos: Franziska Rieger
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Die Sonne spiegelt sich in der Trubach, daneben stehen Obstbäume, auf der Wiese wächst saftiges Grün. "Und das ist unser Feld", sagt Birgit Rascher und zeigt stolz auf einen großen Acker. Auf 9000 Quadratmetern werden auf einem Feld in der Pretzfelder Flur ab März regionale Gemüsesorten angebaut. Das ist soweit nichts Ungewöhnliches - doch das Feld wird nicht von einem Privatmann, sondern von einem Verein bewirtschaftet: der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) Ebermannstadt.

Solawi ist eine Gruppe von Menschen, die gemeinschaftlich ihr eigenes Gemüse anbauen und ernten.

"Man ordnet das immer der Stadt zu, aber auch auf dem Land baut nicht mehr jeder Gemüse an", sagt Rascher, die Initiatorin des Projektes. Mitmachen kann bei Solawi jeder. 44 Euro pro Monat zahlt ein Ernteteiler, so heißen die Mitglieder der Solawi. Der Vertrag läuft immer für ein Jahr, wer zufrieden war, kann den Gemüseanteil für das nächste Jahr wieder buchen.

Jeder Ernteteiler kann einmal pro Woche seinen Gemüseanteil an einer zentralen Verteilstelle im Großraum Ebermannstadt/Pretzfeld abholen. Der Anbauplan sei größenmäßig so festgelegt, dass jedes Mitglied etwas von der Ernte abbekommt. "Der Gemüseanteil wird so bemessen sein, dass ein Paar oder eine kleine Familie gut versorgt ist", sagt Rascher. 15 Ernteteiler hätten sich bereits gemeldet. "Das Ziel sind 50."

Geteiltes Risiko

Solidarität bedeutet bei Solawi nicht nur, dass sich die Mitglieder die Ernte teilen, sondern auch das Anbaurisiko. Dieses Risiko, das sonst immer beim Erzeuger liegt, trägt bei der Solawi die Gemeinschaft. Das heißt: Sollte sich zum Bespiel ein Biber durch die Rosenkohlköpfe futtern, dann wird das Gemüse entweder nicht mehr so genormt wie in einem Supermarkt aussehen. Oder die Ernte fällt kleiner - oder im schlechtesten Fall - ganz aus.

Dass es in den Wintermonaten vielleicht weniger Gemüseauswahl gibt als im Herbst, ist Teil des Konzeptes. "Man erlebt die Saison wieder", sagt Rascher. Der Verbraucher soll wieder lernen, dass manche Gemüsearten eben nicht das ganze Jahr auf dem Feld wachsen.

Damit das Ganze eine Ordnung hat, hat der Verein Aufgaben verteilt. Reinhard Friedrich, stellvertretender Kreisobmann, bewirtschaftet die Fläche. Er ist verantwortlich für pflügen, sähen, mähen, mulchen und sonstige Aufgaben, die mit Maschinen gemacht werden müssen. Auf der einen Hälfte des Feldes ist bereits ein Kleegrasgemisch gesät. Die andere Hälfte ist gepflügt und wartet auf die erste Aussaat. Solawi hat die Fläche von einer Privatperson gepachtet, die Pacht wird aus den Monatsbeiträgen gezahlt.

Eine gelernte Gärtnerin soll in Teilzeit auf der Fläche arbeiten. Gelegentliche freiwillige Mithilfe der Solawi-Mitglieder sei aber durchaus willkommen. Aber: "Es muss niemand auf den Acker", betont Rascher.

Blick nach Bamberg

Eine Konkurrenz für andere landwirtschaftliche Betriebe, etwa Direktvermarkter, soll die Solawi nicht sein, betonen die Initiatoren. Im Gegenteil: Projekte wie Solawi sollen den Verbraucher wieder in die Natur, auf das Feld ziehen - dort, wo das Gemüse wächst, das sie sonst im Supermarkt kaufen. "Die Kundschaft wird erzogen", sagt Rascher. Quasi eine Win-Win Situation. Das habe auch das Beispiel aus Bamberg gezeigt. In der Gärtnerstadt gibt es seit 2018 eine Solawi.

"Es läuft total", sagt Christian Luplow aus dem Organisations-Team der Solawi Bamberg. 55 Ernteteiler seien es momentan, die Warteliste sei lange. "Wir könnten Solawi verdoppeln", sagt er. Die Befürchtung, dass Solawi eine Konkurrenz zu den vielen Gärtnern sein könnte, habe sich nicht bewahrheitet. Gebe es auf ihrer Ackerfläche ein regionales Produkt nicht, würde der Verein an die Bamberger Gärtner verweisen.

Luplows Tipp an die Solawi-Neulinge: "Auf das geniale System vertrauen. Die Ernteteiler kommen von alleine."

Die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) Ebermannstadt

Termin Startschuss-Veranstaltung der Solawi Ebermannstadt am Sonntag, 26. Januar, um 19 Uhr im Gasthof Resengörg.

Konzept Solawi ist eine Gruppe von Menschen, die gemeinschaftlich ihr eigenes Gemüse anbauen. Der Anbau soll überschaubar, ökologisch, fair und gemeinschaftlich organisiert werden. Bei Solidarischer Landwirtschaft werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen Wirtschaftskreislauf, der von den Verbrauchern mit organisiert und finanziert wird. Solidarische Landwirtschaft soll bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft erhalten, regionale Lebensmittel zur Verfügung stellen und einen neuen Erfahrungs- und Bildungsraum ermöglichen.

Fränkische Solawis gibt es in Franken bereits in: Bamberg, Schweinfurt, Kitzingen, Würzburg, Nürnberg und Eckersdorf (Kreis Bayreuth; Selbstversorgergemeinschaft Freigarten-Stein). In Gründung: In Ebermannstadt, Hirschaid-Strullendorf und Mainleus werden Mitglieder für eine Solawi gesucht.

Quelle: www.solidarische-landwirtschaft.orgfr

Woher die Solawi Ebermannstadt ihr Wasser bezieht

Das Wasser für die Bewirtschaftung ihres Feldes wollen die Solawi-Mitglieder zum Teil aus der angrenzenden Trubach beziehen. 25 Kubikmeter jährlich wurden dem Verein erlaubt, der Rest soll mit einem Wasserfass zugefahren werden, sagt Initiatorin Birgit Rascher.

Die Entnahmestelle liegt im Gebiet des öffentlichen Wasserversorgers Markt Pretzfeld. Deshalb mussten die Gemeinderäte im vergangenen Jahr zum Wasserentnahme-Antrag des Vereins Stellung beziehen. Die Räte lehnten eine Wasserentnahme aus der Trubach durch Solawi einstimmig ab. Auch, weil man die tatsächliche Entnahmemenge und Entnahmezeit kaum kontrollieren könne, sagt Pretzfelds zweiter Bürgermeister Walther Metzner (WPA).

"Aufgrund der Klimazustände und der damit verbundenen geringen Wasserpegel sollten Entnahmen nur noch in ganz wenigen begründeten Einzelfällen genehmigt werden", so Metzners weitere Begründung in der damaligen Sitzung.

Auf FT-Nachfrage sagt Metzner: Das Solawi-Projekt sei selbstverständlich begrüßenswert. Er betont jedoch: Die Wasserentnahme müsse kontrolliert werden. Kirschen- und Obstbauern dürften schließlich auch kein Wasser entnehmen.

Landratsamt genehmigt

Das Landratsamt Forchheim als genehmigende Behörde stimmte schließlich einer jährlichen Wasserentnahme von 25 Kubikmetern zu. Warum manche Anträge auf Wasserentnahme genehmigt werden und manche nicht, sei pauschal nicht zu beantworten, sagt Pressesprecher Holger Strehl auf Nachfrage: "Jeder Antrag wird einzeln beurteilt" In die Bewertung würden unter anderem die Wasserführung des Gewässers, der Pegelstand und die Wassermenge, die entnommen werden soll, einfließen. Es gebe auch für Obstbauern genehmigte Anträge.

"Es gibt keine festen Regeln", bestätigt Matthias Trau, Abteilungsleiter für den Landkreis Forchheim am Wasserwirtschaftsamt in Kronach. Es komme immer darauf an, wo, wie lange und wann Wasser entnommen werden soll. "Das ist wasserwirtschaftliches Ermessen."

Zuerst forderte Solawi noch eine jährliche Wasserentnahme von 900 Kubikmetern jährlich. Das war aber deutlich zu viel. Das Wasserwirtschaftsamt Kronach hielt schließlich eine Entnahmemenge von 25 Kubikmetern im Jahr in den Monaten von April bis September für die Dauer von fünf Jahren für vertretbar.fr

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