Neunkirchen am Brand
Comedy

"Söder rektal" ist multifunktional - Kabarett in Neunkirchen

Witzig, zweideutig, satirisch präsentierte sich die Münchner Couplet-AG in Neunkirchen am Brand. Sie zeigten sich als Meister der Verwandlungskunst.
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Die Couplet-AG brachte in Neunkirchen am Brand musikalische Perlen unters Volk. Die Kabartett-Gruppe gibt es schon seit 20 Jahren. Foto: Josef Hofbauer
Die Couplet-AG brachte in Neunkirchen am Brand musikalische Perlen unters Volk. Die Kabartett-Gruppe gibt es schon seit 20 Jahren. Foto: Josef Hofbauer
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"Musikalische Perlen" brachte die "Couplet AG" anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens in der Zehent scheune Neunkirchen am Brand unters Volk. "Jeder soll glücklich sein", befanden Jürgen Kirner und Bianca Bachmann, zweifelsohne die Köpfe der Satire-Truppe.

Mit Waschbrett, Maultrommel und Mundharmonika, Gitarre, Melodica, Glockenspiel und Ziehharmonika sorgten Bernhard Gruber und Neuling Berni Filser für den einschmeichelnden und gleichzeitig mitreißenden Bavaria-Sound. Diese Heimatromantik kombinieren der gebürtige Oberpfälzer Jürgen Hirner (Hemau) und die aus Mühldorf am Inn stammende Bianca Bachmann mit trefflichem schwarzem Humor, witzig, pfiffig und stets treffsicher.

Über Horst Seehofer, die Reinkarnation des Osterhasen in der Ingolstadter Sparversion reimen sie spitzzüngig: "Hoppel hoppel, eins zwei drei, schon legt er uns ein neues Ei." Nach dem Motto: "Warum denn in die ferne schweifen, wenn die Armut liegt so nah" werben Berta und Josef voller Ironie für Beamten-Patenschaften; steuerlich voll absetzbar, versteht sich.

Glücklich macht vor allem das multifunktionale Zäpfchen "Söder rektal", das es als Probepackung im Bayernkurier gibt und das die preisgekrönten Musik-Kabarettisten unters Volk warfen. Dem Niederbayern Hubert Aiwanger widmete das Quartett den Hubsi-Song.

Zielscheibe der Kritik sind aber nicht nur Politiker, die Couplet AG prangert auch gesellschaftliche Missstände an. Bei den Billig-Klamotten vom Discounter, made in Bangladesh, deren Ausdünstungen sogar Drogen ersetzen, blieb dem einen oder anderen das Lachen im Halse stecken. In schwarzer Lederjacke beschäftigt sich Jürgen alias "Rasso vom Inkasso" mit den Schattenseiten unserer Konsumgesellschaft und verspricht mit tschechischem Akzent: "Morgen komm ich auch zu dir, wirst sehn." Wenig später brilliert er im Duett mit Bianca Bachmann als österreichisches Versuchskaninchen eines Pharma-Konzerns beim "Meet and greet" (Begrüßung und Essen umsonst") und erbost sich über die Latte-Macchiato-Mütter (Die ham in ihrm Hirn nur Milchschaum drin").

Nicht minder gesellschaftskritisch kommt ihre Werbung für das "Haus Abendrot" daher, dessen Betreiber allen, die ihren Opa einweisen Wohlstand versprechen, weil sie Glückspillen der Pharma-Industrie an Senioren testen. Dazu intoniert Bernhard Gruber auf der Mundharmonika "Spiel mir das Lied vom Tod." Thematisch passend gibt es dazu den Sketch des Ärztepaares, das Operationen zu Hause im Wohnzimmer anbietet, um das Chalet in der Schweiz abbezahlen zu können. Hauptsache die Fallpauschale stimmt. Und wenn operieren nicht mehr hilft, wird eben transplantiert. "Jeder hat da was" sind sich die Mediziner sicher.

Typisch für einzigartige Verbindung von Heiterkeit und Tiefsinn ist der Song über das lustige Kakerlaken-Leben, das in einer niederbayerischen Metzgerei begann und im Müllerbrot und dem Dschungelcamp endete.
Das Müncher Quartett- alle vier Meister der Verwandlungskunst - schaut überall genau hin. Auch bei der Bayern-Werbung: "I bin die Berta und deswegn bleib i dahoam", verkündet Bianca Bachmann, während "Wertstoff-Günni" in seinem Swinger-Club und der Totengraber-Sepp auf dem Friedhof dahoam ist.

Immer wieder stürzt der komplett verwirrte Dr. Kudernak im Morgenmantel und der Aktentasche unter dem Arm auf die Bühne, weil er sich um seine Rente sorgt. Von Franz Josef Strauß weiß er, dass Angela Merkel, die verwunschene Schlingpflanze aus Griechenland eine Urgroßnichte von Ulbricht ist. "Schreiben Sie's auf! Ganz, wichtig. Sonst vergessen Sie's ja wieder", fordert er das Publikum auf, das auch mit Klamauk belohnt wird, wenn Bianca Bachmann von Bierbäuchen träumt. "Ich vibrier vom Kopf bis zum Zeh, wenn ich einen Mann mit einem Bierbauch seh." Entsprechend fröhlich klingt der Abend aus mit dem Song "Bofrostkinder" und der "Party ohne Ende."
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