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Forchheim
Politik

So machen fränkische Politiker Wahlkampf

Vorhang auf für die bislang geheimen Plakate im Super-Wahl-Sommer. Welche Strategien verfolgen die Parteien und Bewerber, damit die Bürger ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle machen? Wir lassen fränkische Politiker und ihre Plakate sprechen.
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Vorhang auf für die fränkischen Wahlplakate. Grafik: Michael Beetz
Vorhang auf für die fränkischen Wahlplakate. Grafik: Michael Beetz
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Noch sind sie nicht zu sehen an Straßen, Plätzen und Litfaßsäulen. Noch liegen die frischgedruckten Wahlplakate für die Bezirks-, Landtags- und Bundestagswahlen in der Schublade der Politiker und Parteien.
Wir haben zahlreiche Kandidaten gebeten, uns ihre Wahlwerbung für den Super-Wahl-Sommer bereits jetzt zur Verfügung zu stellen. Dabei geht es nicht (nur) um Stilfragen: Wie freundlich ist das Lächeln, wie korrekt die Frisur, wie sympathisch die Ausstrahlung? Wir wollen wissen, welche Botschaft die Kandidaten mit ihren Plakaten transportieren wollen.

Yes we can - aber anders
Während in den endlosen Weiten Amerikas - "Yes we can" - der Wahlkampf hauptsächlich mit Mega-Budgets über die Flimmerkiste ausgetragen wird, dominiert in Deutschland das klassische Wahlplakat.

"In der Bundesrepublik stellen Wahlplakate noch immer das Wahlkampfmedium Nummer 1 dar, welches den Großteil des Kampagnenbudgets der Parteien einnimmt", sagt Robert Greszki vom Lehrstuhl für Politische Soziologie an der Universität Bamberg.

Freilich setzen die Kandidaten unterschiedliche Schwerpunkte. Da gibt es die "Jungen Wilden", die setzen verstärkt auf das Internet. Und die etablierten Kandidaten, die wohl weniger um ihre (Wieder)Wahl fürchten müssen. "Auch wenn seit einigen Jahren eine rege Debatte über Vor- und Nachteile einer Verlagerung des Wahlkampfes der Parteien in das ,neue' Medium Internet vorherrscht, gelten Wahlplakate auch in diesem Jahr als Hauptkommunikationsmittel der Parteien", sagt der Wissenschaftler. Freilich gibt auch die Farbe des Parteibuchs den Stil der Kampagne vor. Die großen Spin-Doktoren und Wahlkampf-Strategen hocken in Berlin und München. Nicht in Bamberg und Forchheim.

Professionell verspricht die fränkische Wahlwerbung trotzdem zu werden. Egal, ob kreativ oder konservativ, frech oder seriös: Ohne Konzept und Hintergedanken kommt wohl keine Wahlwerbung aus.

Wahlwerbung besonders im Web
"Über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook und meine neu überarbeitete Homepage habe ich direkt und jederzeit die Möglichkeit, ins Gespräch zu treten, Fragen zu beantworten oder über meine Arbeit live und aktuell zu informieren", sagt Sebastian Körber (FDP), "diese Linie verfolge ich nun seit vier Jahren, um auch kontinuierlich im Austausch mit den Bürgern meiner Heimatregion stehen zu können.

Hier ist ein direkter, schneller und ungefilterter Austausch möglich, weshalb ich hierfür auch eine eigene Online-Kampagne mit Videos entwickle." Trotz der Netz-Strategie setzt der liberale Bundestagsabgeordnete im Wahlkampf auf klassische Plakate. Mit schickem Hemd und Krawatte lächelt der Kandidat die Wähler vor Hügeln und Häusern an. Die Botschaft: "Nur die FDP garantiert ein klares Nein zu mehr Abzocke und immer mehr Bevormundung!"

Gekünstelt? Auf keinen Fall!
Der CSU-Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn will sich "klar und einfach" den Wählern präsentieren. "Ich will nicht anders rüberkommen, als man mich in meinem Wahlkreis kennt und erleben kann. Von inszenierten Bildern halte ich nicht viel.

Das wirkt gekünstelt und unglaubwürdig", findet Silberhorn, der sein aktuelles Wahlplakat noch nicht veröffentlichen will, bevor die heiße Wahlkampfphase spätestens Mitte August beginnt. "Ich will als amtierender Abgeordneter erkennbar sein", sagt Silberhorn und verweist auf die bereits erreichten Erfolge. Die Botschaft: "Solide Finanzen, sichere Arbeitsplätze und Vorfahrt für Familien."

Auf Natürlichkeit setzt die langjährige Abgeordnete Anette Kramme, die wieder für die SPD in den Bundestag einziehen will. "Ich versuche, mich den Menschen so vorzustellen, wie ich bin. Meine Fotos auf den Plakaten lasse ich weder retuschieren noch sonst wie bearbeiten." Schließlich gehe es in der Politik um Inhalte und nicht um Optik.

Die Botschaft: "Gemeinsam sind wir stark."

Ein bisschen Revolution ist gut
Lisa Badum will zum ersten Mal für die Grünen in den Bundestag. Da kann es offensichtlich nicht schaden, ein bisschen provokativer zu sein. "Auch ,normale' Politik braucht ein bisschen Revolution", sagt Badum. "Ich bin heimatverbunden und trotzdem weltoffen", fügt die Kandidatin mit dem passenden Dialekt-Slogan hinzu. Botschaft: "Ganz viel Erneuerung." Wen haben die Kandidaten mit ihrem lächelnden Werbe-Plakaten eigentlich als Zielgruppe im Visier? "Für die Parteien dienen Wahlplakate nicht als Zünglein an der Waage, die Wähler anderer Parteien zu einem Umdenken bewegen sollen. Vielmehr dienen Wahlplakate der Aktivierung und Mobilisierung von Wählern, die bereits mit der eigenen Partei sympathisieren.

Die Parteien strahlen so Präsenz aus, mit dem Ziel, möglichst viele Sympathisanten zur Wahlurne zu bewegen und für die ,eigene` Partei zu votieren", sagt Robert Greszki.

Hofmann will nicht nur lächeln
Eine Woche vor den Wahlen im Bund müssen sich die Bayern entscheiden, wem sie ihr Vertrauen im Landtag schenken. Michael Hofmann will zum ersten Mal ins Maximilianeum. Als CSU-Direktkandidat. Wie ist seine Strategie? Politik sei Teamarbeit und nichts für Einzelkämpfer: "Schöne Bilder und ein Lächeln mögen im Wahlkampf wichtig sein. Wenn es um das Durchsetzen von Interessen geht, brauchen wir Unterstützer auf allen Ebenen und gute Argumente. Das wollen wir mit unserem Wahlkampf den Menschen näher bringen", sagt Michael Hofmann.

Botschaft: "Politik ist Teamarbeit. "

Dialog auf allen Kanälen
Thorsten Glauber will auch in der nächsten Legislaturperiode für die Freien Wähler in den Landtag einziehen. "Ich will die Bürger im Landkreis Forchheim direkt erreichen. In Kürze wird dazu die dazugehörige Kampagnen-Website starten, die den Bürgerdialog in den neuen Medien auf eine neue Stufe bringen wird", sagt Glauber, der freilich auch nicht auf das klassische Wahlplakat verzichtet und freundlich und leger im Kornfeld posiert.

Botschaft: "Gemeinsam gestalten."

Auf Teamwork setzt auch Reiner Büttner, der für die SPD zum ersten Mal nach München ins Parlament will. "Auf Fotos und Plakaten bin ich oft nicht alleine zu sehen, sondern zum Beispiel mit Christian Ude", sagt Büttner. "Ich möchte zeigen, dass das Programm der SPD von einem Team aus kompetenten und sympathischen Leuten bei dieser Landtagswahl vertreten wird", sagt Büttner. Botschaft: "Wort halten. "

Partei gibt oft "Identity" vor
Häufig, so Robert Greszki, gebe die Bundespartei die "Corporate Identity" vor. Die Bundespartei definiert also die Slogans und das Design der Wahlplakate. "Natürlich gibt es auch immer wieder einzelne Kandidaten, die absichtlich hiervon abweichen", sagt der Politikwissenschaftler.

Die Spitzenkandidaten Merkel und Steinbrück, Seehofer und Ude werden den Wahlkampf auch in den Regionen prägen.

Der Experte ist sich sicher, dass Union und Sozialdemokraten unterschiedliche Strategien verfolgen werden, auch wenn darum noch ein Geheimnis gemacht wird. "Die CDU/CSU wird eher einen auf die Bundeskanzlerin zugeschnittenen, kandidatenorientierten Wahlkampf - ganz nach dem Vorbild der US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfe - führen. Die SPD wird hingegen ihren Wahlkampf weniger auf den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, sondern auf inhaltliche Argumente ausrichten", vermutet Robert Greszki.

Der aktuelle Trend geht ins Internet. "Erstmals können wir in höheren Maß beobachten, dass viele Kandidaten auf den Wahlkampf in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter setzen." Aber auch hier gelte das Motto: Aktivieren und Mobilisieren. Die fränkischen Kandidaten sind alle im Netz vertreten.

Der eine mehr, der andere weniger. Präsenter in der Öffentlichkeit sind zweifelsfrei noch die frisch gedruckten Wahlplakate der fränkischen Bewerber. Das heißt aber nicht, dass die Wähler "nur" nach der Nase abstimmen.

Wahlen leben vom Wettbewerb. Demokratie von informierten Bürgern. Mögen die schlausten und wahrhaftigsten Persönlichkeiten die Wahlen für sich entscheiden. Ein frommer Wunsch? Vielleicht. Die Bürger haben die Wahl.

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