Forchheim
Soziales

Mieter erzählen: So lebt es sich im neuen Forchheimer Katharinenspital

Mit der offiziellen Einweihung der Seniorenanlage im Stadtzentrum setzt Forchheim einen Punkt hinter die Bauarbeiten. Zwei Mieterinnen öffnen ihre Wohnungstüren und berichten, wie sie sich in der neuen Anlage eingelebt haben.
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Gisela Gülden hat sich gut im Forchheimer Katharinenspital eingelebt. Fotos: Franziska Rieger
Gisela Gülden hat sich gut im Forchheimer Katharinenspital eingelebt. Fotos: Franziska Rieger
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Wenn Gisela Gülden von ihrem Lieblingssessel aus dem Fenster schaut, blickt sie auf ihre kleine Terrasse und die Pflanzen darum herum. Auf ihrem Fernsehtisch stehen gerahmte Fotos ihrer Enkel, daneben liegen Strickutensilien und ein Buch. "Das ist alles so liebevoll gemacht hier", sagt die 73-Jährige.

Am 7. April ist sie in die neue Seniorenwohnanlage im Katharinenspital eingezogen. Für sie war das ein besonders großer Schritt, davor hat sie lange im Norden Deutschlands gelebt. Weil eine ihrer Töchter und die zwei Enkel in Buckenhofen wohnen, ist sie diesen Schritt gerne gegangen.

Selbstständig, so lange es geht

Nordseite wegen der empfindlichen Augen, eine Terrasse und vor allem Barrierefreiheit: Das hat sich Gülden für ihr neues Zuhause gewünscht. Mit ihrem Rollator kommt sie im gesamten Gebäude zurecht. Selbstständiges Wohnen in einer betreuten Wohnanlage - für Gülden genau die richtige Wohnform. Wenn es ihr einmal gesundheitlich schlechter geht, will sie einen ambulanten Pflegedienst oder die Tagespflege des BRK in Anspruch nehmen. Einen Hausnotruf hat sie sich schon angeschafft.

"Hier findet man auch Gleichgesinnte", sagt sie. Beim Mittagessen im Gemeinschaftsraum, das es gegen einen Aufpreis von Montag bis Freitag gibt, oder im Stadtteiltreff können die Mieter Kontakte knüpfen. "Wir haben schon einen Filmabend gemacht und sind etwas trinken gegangen", sagt Gülden.

Dass es vielen Senioren schwer fällt, sich von Gewohntem zu trennen, weiß sie. Auch, dass sich nicht jeder in einer Stadtwohnung mit 43 Quadratmeter wohlfühlt. "Ich hatte davor auch eine große Wohnung", sagt sie. Von vielen ihrer Jugendstilmöbel musste sie sich trennen. Das wichtigste - die Fotos von den Enkeln - sind aber mitgekommen.

Verwaltet wird das Katharinenspital von der Stadt. 30 der 55 Wohnungen sind bisher vermietet, sagt Timo Sokol vom Grundstücks- und Gebäudemanagement der Stadt Forchheim. Außerdem gebe es weitere Interessenten. "Bis Jahresende ist das Haus voll", meint Sokol.

Härtefallantrag möglich

Die Kaltmieten der Wohnungen liegen zwischen 470 und 1200 Euro. Senioren, die sich das nicht leisten können, können auf die finanzielle Unterstützung der Vereinigten Pfründnerstiftungen hoffen. Dafür muss aber ein Antrag für soziale Härte vorliegen, einige Kriterien, wie Sozialhilfe, müssen erfüllt sein, erklärt Sokol.

Unterstützung bekommen die Mieter von Jenny Salagean, der Quartiersmanagerin. In ihrem Büro im Erdgeschoss ist sie Anlaufstelle für alle Bewohner des Quartiers. Zweimal wöchentlich bietet sie Sprechstunden an, nach Absprache nimmt sie sich auch individuell Zeit. Sie hilft den Mietern, wenn diese Fragen zu Anträgen haben oder einen Pflegedienst suchen. Im Stadtteiltreff organisiert sie Veranstaltungen, "um der Vereinsamung im Alter vorzubeugen".

Drei Stockwerke weiter oben im Dachgeschoss lebt Gunda Korber mit ihrem Mann Helmut. Mit 80 Quadratmetern haben sie eine der größten Wohnungen der Anlage bezogen. Eigene Möbel, Mitbringsel von Reisen, die Schmucksammlung: Das alles findet seinen Platz in den hellen Räumen.

In der Küche, die bereits eingebaut war, kocht die 79-Jährige noch selbst. "Wir gehen auch gerne in Restaurants", sagt sie. Dafür muss das Ehepaar nun nicht mehr extra aus Reuth in die Stadt fahren.

Auch Korber musste sich von Dingen trennen, manche liebgewonnenen Bauernschränke haben nicht mehr in die neue Wohnungen gepasst. Ein Preis, den das Ehepaar gerne für eine zentrale Wohnlage in Kauf nimmt. Und dafür, möglichst lange Zuhause wohnen zu können: "Ich habe Pflege im Haus, wenn ich Pflege brauche. Ich will nicht mehr umziehen", sagt Korber. Es sei beruhigend zu wissen, dass es im Haus eine Tagespflege gibt oder das Mittagessen in die Wohnung gebracht werden kann.

Dass die Mietpreise im Katharinenspital nicht für alle Senioren bezahlbar sind, ist Korber bewusst. "Promibunker", das höre man öfter. "Es gibt billigeres", sagt sie. Für den Preis, findet sie, bekomme man aber auch Vorteile: Barrierefreiheit, kein Ärger, ein Hausmeister, der im Winter Schnee schippt und die Mülltonnen auf die Straße stellt. "Es ist blitzsauber im Haus."

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