Not macht erfinderisch. So schlug Günther Hammer (SPD) im Finanzausschuss vor, am Wein zu sparen. Zumindest, wenn die Jubilare der Stadt älter als 80 Jahre sind. In solchen Fällen, meinte Hammer, wäre es besser, wenn der Bürgermeister zur Gratulation nur Blumen mitbringt. Das sei eine sinnvolle Einsparung, weil 90 Prozent der alten Menschen den Wein nicht vertragen - "aus pharmakologischen Gründen", sagte der Stadtrat und Apotheker Hammer.

Dieses Argument überzeugte den Finanzausschuss. Indem die Stadt keinen Wein mehr verschenkt, werden 4000 Euro pro Jahr eingespart. Fehlen aber immer noch 380 000 Euro, um die aktuelle Etatlücke zu stopfen.
Daher unterbreiteten die Ausschussmitglieder eine lange Reihe mehr oder weniger nachvollziehbarer Sparvorschläge: Stefan Schick (CSU) wollte dem Jungen Theater zehn Prozent seines Budgets abknapsen, das sind 3500 Euro. Das sei nur gerecht, sagte Schick, weil alle Vereine Federn lassen müssten. Gerhard Meixner (FGL) griff seinen Lieblingsvorschlag seit den 80er Jahren auf: Die Schließung des Braunauer Heimatmuseums. Einsparpotenzial: 19 500 Euro.

Allerdings stießen die Vorschläge auf Widerstand. Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) sagte zu Meixner: "Für die Braunauer ist das Museum so wichtig, wie für Sie das Junge Theater." Und Meixner sagte in Richtung CSU: Hinter der Kürzung für das Junge Theater stecke ein altes Ressentiment: "Ich habe das Junge Theater mitgegründet. Diese offene Kulturarbeit wollte man damals nicht und will sie heute offenbar immer noch nicht."
Der fraktionslose Peter Kaiser kritisierte, dass sämtliche "Abschätzigkeiten und Wertungen" nichts brächten. Allerdings sorgten auch Kaisers Sparvorschläge für Empörung. Die Gehälter der Lehrer in der Musikschule sollten geprüft werden, sagte Kaiser. Wie das, fragte Anita Kern (SPD): Die städtischen Angestellten würden doch nach öffentlichem Tarif bezahlt. Kern wehrte sich dagegen, "Stimmung zu machen", etwa auch gegen das Junge Theater.

Und Franz Stumpf wehrte sich wiederum gegen diesen Kern-Vorwurf: "Hier kündigt sich schon der Wahlkampf an", sagte Franz Stumpf. Um ehrlich über Haushaltskürzungen zu reden, müssten sich die Parteien gemeinsam hinter alle Kürzungen stellen: "Stattdessen verteidigt jeder sein Lieblingsthema".

Hintergrund der Spardebatte vom Dienstag: Seit Dezember wissen Forchheims Politiker um die 1,7-Millionen-Euro-Lücke im Haushalt 2012. Die Hälfte wurde durch Steuererhöhungen reingeholt. Im Januar flossen dann einige hunderttausend Euro Schlüsselzuweisungen in die Stadtkasse. Aber als Kämmerer Gerhard Haagen nachrechneten, fehlten immer noch 384 000 Euro. Was tun?

Viele Sparideen im Finanzausschuss wirkten eher hilflos: So wird es beispielsweise die Silberne Bürgermedaille künftig nicht mehr geben. Und auch an den Ausgaben für die Bürgermedaille in Gold wurde gefeilt. Über die Brauchbarkeit der Ideen muss nun der Stadtrat entscheiden. Etwa über den Vorschlag von Franz Stumpf, dem Jungen Theater keine Kürzung aufzuerlegen; dafür aber das Theater zu verpflichten, mögliche Überschüsse an die Stadt zurückzuzahlen.

"Deckel" für die Musikschule


Auch der Umgang mit der städtischen Musikschule und mit der Kaiserpfalz wird Gesprächsstoff sein. Heinz Endres (FBF) erinnerte an die "vor Jahren beschlossene Deckelung der Musikschule auf 100 000 Euro." Jetzt bezifferten sich die Zuschüsse "fast auf das Doppelte." Was die Pfalz betrifft, hatten Peter Kaiser und Heinz Endres darauf gedrängt, mehr Mieteinnahmen zu generieren. Etwa durch die Vermietung des Kaisersaales der Pfalz, schlug Peter Kaiser vor.
Doch dieser Versuch, Geld einzunehmen kollidiert mit den Auflagen des Denkmalschutzes, erinnerte Museumsleitern Susanne Fischer. Das betonte auch der Kulturbeauftragte Dieter George. Er appellierte, "restriktiv und sensibel" mit diesen Räumen umzugehen. Etwa sei der Kaisersaal nicht absperrbar. Würde dort gefeiert, müsste teures Personal bereit gestellt werden, um auf das restliche Museum aufzupassen.