Forchheim

Ski-King spielt Benefizkonzert für Waldbad in Muggendorf

Mit der Army kam er nach Deutschland, in Franken hat er sich verliebt. Zu Besuch bei Ski-King in Muggendorf geht es um den eigenen Sturkopf, angemalte Oberarme und den Erhalt des heimischen Waldbades mit Hilfe eines Benefizkonzertes.
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Noch eben schnell die Haare zusammengebunden, schon posiert der Musiker Ski King gekonnt auf seinem selbst gebastelten Rad. Foto: Sarah Dann
Noch eben schnell die Haare zusammengebunden, schon posiert der Musiker Ski King gekonnt auf seinem selbst gebastelten Rad. Foto: Sarah Dann
Türkisblau ist sein rechter Handrücken. Auf dem Fingerglied tief eingraviert:"L-O-V-E". Auf jedem Finger ein Buchstabe. Ein Typ, der mit langen, offenen Haaren und Zottelbart, in hellbrauner Latzhose auf seiner Veranda sitzt. Mit der Army kam er aus den USA nach Deutschland, in die Landschaft des Frankenlandes hat er sich in den frühen Neunzigern verliebt: Am Mittwoch gibt "The Mighty Ski-King" zum zweiten Mal ein Benefiz-Konzert in seiner Wahlheimat für den Erhalt des Muggendorfer Waldbades.

Ski - nicht nur auf der Bühne

Mit seinem Vornamen "Andrew" hat er eigentlich noch nie etwas anfangen können. Seinen Nachnamen "Witzke", den man im amerikanischen wie "Whiskey" ausspricht, hat man schon früher immer abgekürzt, so dass nur "Ski" übrig blieb. Mit diesem Spitznamen stellt er sich auch im Alltag vor.
Nur seine Mutter überzeugt er nicht ganz von dem Namen: "Sie sagt immer, ich habe dich Andrew genannt, also heißt du bei mir auch so", sagt Ski.

Die Durchsetzungsfähigkeit scheint in der Familie zu liegen. Eine Portion Dickkopf hat Ski schon immer ausgemacht: "Johnny Cash und Lemmy haben sich auch nie sagen lassen, was sie tun sollen und zu lassen haben." Johnny Cash geht als einer der größten Country-Sänger und Songschreiber in die Geschichte ein. Lemmy - besser bekannt als Sänger der Band "Motörhead" - macht Heavy Metal. Wie sanft-eindringliche Zeilen aus Johnny Cashs "Hurt" mit dem Röhren der britischen Heavy-Metal-Band zusammenpassen? Für Ski ist "Lemmy auch nur ein Rock'n'Roller". Ob in seinem CD-Spieler im Auto oder als Entertainer mit einer Mischung aus gecoverten Songs und Selbstgeschriebenem auf der Bühne: In eine Schublade lässt sich weder Ski - geboren 1967 in Portland, Oregon - noch Ski King - getauft in einer Nürnberger Kneipe - stecken.

Es war ein Karaokeabend in einer Bar, in der Ski gearbeitet hat, als er seinen Künstlernamen und seine Berufung fand. Weil nicht viel los war, wurde er auf die Bühne geschickt: "Ich kannte eigentlich nur 'In the Ghetto'." Und selbst hier, in Muggendorf auf der Terrasse, wo der kleine Piepmatz auf der Dachrinne das musikalische Kommando übernimmt, ist klar: So wie dieser Mann "In the Ghetto" einfach mal eben sagt, konnte der "King" es damals in den 70er-Jahren nicht viel besser tun. Ski schätzt Elvis vor allem als Musiker, weniger als Person: "Er wurde viel zu sehr zur Marionette." Elvis' amerikanisch-fränkisches Pendant ist echt und möchte die Bühnen weiter rocken, am liebsten bis er irgendwann "tot umfällt", ob nun mit Elvis-Locke oder eben Zausel-Vollbart. Da lässt er sich von keinem Rockabilly-Fan reinreden.

Optisch wandelbar

Musiker und Mensch lassen sich optisch nicht mehr ganzheitlich voneinander trennen. "Ich bin eine Rampensau", sagt Ski. Nach und nach, als klar war, dass er mit der Musik seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, hat er seinen Körper für die Tattoowierungskünste freigegeben. Weniger Botschaften, als viel mehr ineinander verschlungene Ornamente reichen ihm von Kopf bis Fuß. Bei neuen Nachbarn oder Konzertbesuchern stoße das schon Mal auf Verwunderung: "Da schauen erst einmal alle kritisch, wenn da einer alleine auf der Bühne steht", sagt Ski. Wenn der 1,90-Meter-Hühne allein ans Mikrofon tritt und Karaoke singt, kommt es schon mal vor, dass der ein oder andere im ersten Augenblick "sogar richtig böse drein blickt", sagt Ski King.

So wie Ski hier auf seiner Veranda in der Sonne sitzt - mit schwarzem T-Shirt und einer "gemütlichen Latzhose" - steht er nicht mehr so oft auf der Bühne. Für seine Fans, die sich sogar in einem Fan-Club vereinen, schmeißt er sich schon mal einen Anzug über. Nach über 20 Jahren in Franken kennt er seine Pappenheimer: "Die Franken muss man schon auch mal am Anfang kurz beschimpfen, bis der Hüftschwung lockerer sitzt", sagt Ski. Wenn das so ist, dürfte dem Tanz in den Vatertag morgen Abend ja nichts mehr im Wege stehen.

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