Forchheim

Skelette neben dem Forchheimer Rathaus

Archäologen legen Gerippe in Forchheim frei. Die Knochen stammen mutmaßlich von einem Friedhof.
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Am Montag war der Blick auf die Skelette noch frei.  Foto: Josef Hofbauer
Am Montag war der Blick auf die Skelette noch frei. Foto: Josef Hofbauer
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Die Grabungsstelle vor dem Rathaus-Rückgebäude gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Sie ist hermetisch abgeriegelt. Dabei war sie am Montag noch frei zugänglich. Eine Archäologin war gerade dabei, in anderthalb Metern Tiefe Skelette freizulegen.
Informationen zu den Grabungen? Fehlanzeige. Bauamtsleiter René Franz, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, bedauert: "Mir liegt kein Grabungsergebnis vor, deshalb kann ich auch nicht dazu Stellung nehmen."


Fotoverbot am Fundort

Fotos von der Baustelle dürften keinesfalls veröffentlicht werden. Die Grabungsstelle müsse geschützt werden. Eine Veröffentlichung könne die Baustelle gefährden, findet Franz.
Dabei ist der Skelettfund alles andere als eine Sensation. In alter Literatur über Forchheim erwähnte Historiker Konrad Kupfer einen Friedhof in unmittelbarere Nähe der Martinskirche, weiß der ehemalige Kulturbeauftragte Dieter George. Auch anlässlich der Hundert-Jahr-Feier des Stadtgartenamtes sei darauf hingewiesen worden, dass der Friedhof an der Birkenfelder Straße erst im 16. Jahrhundert angelegt wurde. Bis dahin seien die Verstorbenen in Forchheim auf einem Gottesacker nahe der St.Martins Kirche bestattet worden. "Archäologen können aus jedem Fund neue Erkenntnisse gewinnen", so George. Die Knochenfunde selbst, verwunderten aber nicht.



Kommentar von Josef Hofbauer: Getrübte Transparenz


Alle reden von Transparenz. Gemeint sind damit frei zugängliche Informationen, Rechenschaft über Abläufe, Sachverhalte, Vorhaben und Entscheidungsprozesse. Die Bürger sollen Entscheidungen übergeordneter Institutionen nachvollziehen können.
Soweit die Theorie, die sich Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) vor der Bürgermeister-Wahl genauso auf die Fahnen geheftet hatte, wie seine Mitbewerber.
In der Praxis sieht die Nachvollziehbarkeit von Abläufen deutlich anders aus. Bei Anfragen an die Verantwortlichen der Stadt, muss die Leiterin der Corporate Communication bedauernd um Verständnis werben, dass sie nichts dazu sagen könne, dass zu diesem Thema in ein, zwei Wochen eine Pressekonferenz geplant sei. Alternativ werden Fragen mit der Ankündigung gekontert, dass dazu eine Pressemitteilung erstellt werde.
Jüngstes Beispiel: Die Skelette vor dem Rathaus-Rückgebäude: Obwohl jeder historisch halbwegs Bewanderte weiß, dass es vor Hunderten von Jahren hier einen Friedhof gab, verweigert der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde jegliche Information. Erst müssten die Ausgrabungen abgeschlossen werden. Eine Veröffentlichung würde die Ausgrabungen gefährden. "Nein, Sie dürfen davon kein Foto veröffentlichen", verbietet Bauamtsleiter René Franz, der hier die volle Rückendeckung von Oberbürgermeister Uwe Kirschstein genießt. Wie war das noch mit der Transparenz?
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