Forchheim
Jahreswechsel

Silvester bietet der Polizei stets eine heiße Nacht

"Wir haben noch nie eine ruhige Neujahrsnacht erlebt", sagen Forchheims Polizeichef Rainer Schmeußer und sein Kollege Hartmut Demele. Für sie in schrecklicher Erinnerung ist die Todesfahrt junger Leute vor einem Jahr.
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Schockierender Jahresbeginn: In der Silvesternacht 2013 rasten auf der Theodor-Heuss-Allee acht junge Leute in diesem Golf ins Unglück. Das Fahrzeug überschlug sich und ein 19-jähriger starb. Foto: Achiv/news 5
Schockierender Jahresbeginn: In der Silvesternacht 2013 rasten auf der Theodor-Heuss-Allee acht junge Leute in diesem Golf ins Unglück. Das Fahrzeug überschlug sich und ein 19-jähriger starb. Foto: Achiv/news 5
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Wie immer in der Silvesternacht ist das Walberla ein beliebter Aussichtspunkt, um das Feuerwerk über Forchheim zu beobachten. Doch kurz nach Mitternacht mischt sich in das Funkeln der Raketen das Zucken von Blaulichtern entlang der Theodor-Heuss-Allee. Die fröhliche Silvester-Runde auf dem Berg ahnt nicht, welch schreckliches Bild sich am 1. Januar 2013 drunten auf der Straße Kriminalhauptkommissar Hartmut Demele und seinen Kollegen bietet. Ein Golf, vollgepfropft mit acht jungen Menschen, hatte sich überschlagen. Das Schicksal ist bekannt: ein Toter, sieben Verletzte, darunter ein Schwerverletzter.


Tragik, die auch Polizisten berührt

Obwohl Hartmut Demele als "Sachbearbeiter Verkehr" viel gewohnt ist, muss er zugeben: "So etwas Tragisches geht nicht spurlos an einem vorbei."

Man lerne als Polizist zwar mit Unfällen umzugehen, erklärt Polizeioberrat Rainer Schmeußer, "aber es berührt einen trotzdem". Als Dienststellenleiter war er einer der Ersten, die vom Dienstgruppenleiter in jener Nacht verständigt worden waren. "Es war abzusehen, dass es sich um einen 'besonderen Unfall' handelt."

Ein Begriff, hinter dem sich viel Tragik verbirgt: Tote, Schwerverletzte oder ein sehr komplexer Unfallablauf. Stets ein Fall für den "Sachbearbeiter Verkehr". Das Problem bei einem solchen Unfall sei, im anfänglichen Chaos den Überblick zu bekommen, erklärt Hartmut Demele. Als Erstes stelle sich die Frage nach der Zahl der Mitfahrer. "Dass acht Menschen in einem Kleinwagen sitzen, ist ja nicht alltäglich."

Dann die Fragen, wer saß wo, wer war der Fahrer, wer ist Zeuge - beteiligt oder unbeteiligt? Wobei Erste Hilfe natürlich vor Beweissicherung gehe. Dies alles sei nicht einfach, betont Schmeußer und gibt zu bedenken: "Stellen Sie sich die Emotionen am Unfallort vor!"

Es werde darauf geachtet, dass Kollegen nach schweren Einsätzen - falls erforderlich - Betreuung erhielten, beispielsweise durch den polizeipsychologischen- oder polizeilich-sozialen Dienst. Wer bei einem Unfall im Einsatz sei, werde bewusst nicht mit der Benachrichtigung der Angehörigen beauftragt.

Bei Todesfällen werde in der Regel ein Notfallseelsorger hinzugezogen. Wie lange es dauert, bis die Angehörigen von Unfallopfern benachrichtigt werden, dafür gebe es kein Zeitfenster, erklärt Rainer Schmeußer: "Das hängt von den Gegebenheiten ab. Wir versuchen dies aber so schnell wie möglich zu tun."

Der Forchheimer Polizeichef ist jedenfalls den Medien in der Region dafür dankbar, dass meist der Bitte nachgekommen werde, mit der Berichterstattung zu warten, bis die Angehören verständigt seien. Vorschnelle Twitter-Meldungen von Unfallbeobachtern hätten schon zu tragischen Verwechslungen von Namen vermeintlicher Opfer geführt.

Die Frage bleibt: "Warum ?"

Es ist immer wieder eine Frage, die Hartmut Demele nach einem solch schweren Unfall beschäftigt: "Warum?" Und Rainer Schmeußer unterstreicht: "Die Vermeidbarkeit - das ist die Tragik!" Bleibt zu hoffen, dass heuer beim Blick vom Walberla auf das Forchheimer Silvesterfeuerwerk Blaulichter ausbleiben.



Gefahren in der Silvesternacht

Promille: "Alkohol enthemmt und steigert die Risikobereitschaft", weiß Forchheims Polizeichef Rainer Schmeußer aus vielen Einsätzen. Sein Appell: Feiern, ohne sich zu betrinken - oder das Taxi nehmen!
"Das Risiko eines Verkehrsunfalles hat nichts mit der Fahrstrecke zu tun" - was die kurze Fahrt mit tödlichem Ausgang auf der Theodor-Heuss-Allee vor einem Jahr beweist.

Schlägereien: Auch hier spielt Alkohol eine Rolle. Der Betrunkene reagiere "dünnhäutiger", erklärt Schmeußer. "Aus Kleinigkeiten entstehen dann Prügeleien."

Feuerwerk: Rainer Schmeußer warnt vor illegalen Feuerwerkskörpern. "Wir wollen niemandem Silvester vermiesen - aber es darf nicht ausufern und auf Kosten anderer gehen."

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