Bräuningshof
Zuflucht

Fränkischer Bauernhof lebt die "soziale Landwirtschaft"

Thomas Vinzenz fand auf dem Scheferhof bei Familie Schmitt in Bräuningshof eine Möglichkeit, seine Qualitäten einzubringen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Romantisches Idyll: Der Scheferhof der Schmitts (oben) samt Hofladen und Tieren zum Anfassen etwas für die ganze Familie. Er bietet aber auch Platz für das Projekt "soziale Landwirtschaft", das vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten angestoßen wurde.
Romantisches Idyll: Der Scheferhof der Schmitts (oben) samt Hofladen und Tieren zum Anfassen etwas für die ganze Familie. Er bietet aber auch Platz für das Projekt "soziale Landwirtschaft", das vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten angestoßen wurde.
+4 Bilder

Sein "Reich", das sind die Kleintiere, vor allem die Ziegen, Schweine, Hasen, Katzen und Hunde. Die Rede ist von Thomas Vinzenz (32), der seit Sommer dieses Jahres auf dem Scheferhof in Bräuningshof arbeitet.

Angestellt ist der Mitarbeiter im Zuge des Projektes "soziale Landwirtschaft". Das ist ein breites Feld, erklärt Christine Reininger, beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Oberfranken Ansprechpartnerin in Sachen Soziale Landwirtschaft. Das Spektrum reicht von der Integration von Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen bis hin zu pädagogischen Initiativen wie Schul- und Kindergartenbauernhöfe. Auch straffällig gewordene oder lernschwache Jugendliche, Drogenkranke und Langzeitarbeitslose können in der Landwirtschaft ein neues Arbeitsfeld finden.

Thomas ist nervös, als er bei einem Netzwerktreffen auf dem Scheferhof erzählt. Traumatisches Ereignisse hatten ihn aus der Bahn geworfen, berichtet der 32-Jährige. Das war 2014. Er holte sich Hilfe, ließ sich in einer Klinik behandeln und kam über die Diakonie Neuendettelsau in eine Einrichtung für betreutes Wohnen.

Seit 1. Oktober fest angestellt

Nach und nach ging es Thomas besser. Er wechselte zur Lebenshilfe Erlangen und arbeitete in einer Außenwerkstatt. Vom Praktikanten in einem Getränkemarkt arbeitete er sich hoch bis zum Abteilungsleiter. "Aber das war mir zu viel Stress. Ich brauchte was ,Normales', etwas in freier Natur", schildert Thomas.

Er findet: "Die Arbeit auf dem Bauernhof mit einem strukturierten Arbeitsablauf ist genau das Richtige." So absolvierte er auf dem Scheferhof ein Praktikum. "Weil das so gut funktioniert hat, haben wir Thomas am 1. Oktober fest angestellt", informiert Bauer Clemens Schmitt, der nach eigenen Angaben in den letzten 25 Jahren auf dem Hof "jeden Stein umgedreht" hat. Der Bauer mit Leib und Seele will zurück zur Urproduktion. Er bekennt: "Ich bin nicht nur Landwirtschaftsmeister, sondern auch Entertainer und Organisator."

Thomas sei zu einer enormen Stütze geworden. Er kümmert sich um die Kleintiere, versorgt die Ziegen und mistet auch den Pferdestall aus. "Das klappt besser als mit so manchem Auszubildenden", lobt Schmitt. "Thomas hat schnell verstanden, was er zu tun hat und alles hervorragend umgesetzt, was ich ihm erklärt habe." Die ruhige Art seines Mitarbeiters wirke entschleunigend auf ihn. Und Clemens Schmitt stellte fest: "Das tut mir gut. Ich weiß, ich kann mich auf ihn verlassen und muss nicht auf allen Baustellen gleichzeitig sein", sagt der Bauer anerkennend.

Thomas bekommt aber nicht nur Lob von seinem Arbeitgeber, sondern auch von den Tagesgästen auf dem Hof. Ihnen ist aufgefallen, dass der Helfer hervorragend mit den Tieren umgehen kann und überaus höflich sei.

Im Kampf gegen ADHS

Menschen, die sozial benachteiligt, verhaltensauffällig oder geistig behindert sind, gehören auf dem Hof seit langem zum gewohnten Bild. Für sie bietet Bäuerin Nicole Schmitt, die vor drei Jahren eine Ausbildung zur Reittherapeutin gemacht hat, gezielten Umgang mit Pferden an. Derzeit betreut Nicole 32 Kinder - mit und ohne Handicaps - in acht Gruppen. Insbesondere ADHS, dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, soll dadurch entgegen gewirkt werden.

Eine "soziale Ader" hat auch Leoni (21), die älteste der drei Töchter. Sie studiert Sozialpädagogik und ist Marketin-Chefinhj im Betrieb. Über sie kam übrigens der Kontakt zu Thomas zustande. "Das war super", zeigt sich Papa Clemens Schmitt stolz.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren