Forchheim
Mega-Musik

Sie fühlen die Musik

"Life is Pain" machen seit 13 Jahren genau die Musik, auf die sie Lust haben. Auf eine bestimmte Richtung wollen sie sich deshalb nicht festlegen.
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Sänger Torsten Fende singt mit viel Gefühl den Lieblingssong der Band, "Lemming Effect". Fotos: Michael Gründel
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Ein "was spiel mer denn?" steht im Raum, aber es kommt keine Antwort. Stattdessen stimmen Heiko und Torsten ihre Gitarren und zupfen Tonfolgen vor sich hin. Palmi haut ein paar mal in die Saiten seines Bass und Stefan trommelt einen losen Rhythmus auf seinen Drums. Ein, zwei Minuten hält dieses Geräusch-Chaos an, und dann - ohne dass ein Wort gesprochen wird - geht es fließend über in einen Song.
"Wir haben einfach ein Gespür für die Musik", sagt Heiko Schröder (33), der Gitarrist von "Life is Pain". Er könne sich gar nicht vorstellen, Musik zu machen, ohne etwas dabei zu fühlen.

Musik ist "alles!"

Für ihn und seine Bandkollegen ist Musik nicht einfach nur Melodie und Gesang. Der Sänger Torsten Fende (35) drückt in nur einem Wort aus, was Musik ihm bedeutet: "Alles!" Marcus "Palmi" Palmreuther, der 32-jährige Bassist der Band, nickt. Und der Drummer Stefan Grimm (26) beschreibt es so: "Musik macht Freude, aber man kann dabei auch Aggressionen rauslassen. Es ist eine andere Art, sich und seine Gefühle auszudrücken."
Und dabei erscheinen die vier Jungs von "Life is Pain" auf den ersten Eindruck gar nicht so sensibel. Vor der Probe stehen sie ganz cool vor ihrem Probenraum in Forchheim, die Hände in den Hosentaschen vergraben oder, wie Palmi, mit einem Glimmstängel in der Hand. Lachend reißen sie Witze übereinander und hauen sich gegenseitig in die Pfanne.
Ihr Probenraum, in dem es stark nach Zigaretten-Rauch riecht, ist chaotisch eingerichtet, ohne viel Liebe für Ordnung und Details. Zwei alte, aufgerissene Sessel stehen neben einer tragenden, viereckigen Säule, ockerfarben mit braunen Streifen, wie aus den 80er Jahren, und dazwischen Tischlampen mit Stoff bespannten Schirmen, wie aus dem Wohnzimmer einer Oma. In der Ecke haben sie einen großen Marshall-Lautsprecher auf einem umgedrehten Desperados-Kasten platziert. Die Wände sind provisorisch mit Dämmwolle, Kunststoffplatten, Styropor und vielen, vielen Eierschalen ausgekleidet, die die Lautstärke nach außen dämmen sollen.
Und an einer Wand hängen Bilder-Wandkalender für richtige Männer, mit jungen Frauen darauf, die nur sehr knappe bis keine Bikinis tragen. Die haben sie für weibliche Besucher notdürftig mit ihrem Band-Banner abgedeckt, ein riesiges Stück schwarzen Stoffs, auf das in roter Farbe "Life is Pain" geschrieben ist.
"Wir sind eben vier lustige Köpfe", erklärt Torsten, der auf dem grauen, fleckigen Teppich am Boden sitzt - Sitzmöglichkeiten sind hier Mangelware - und sich an die Eierschalen-Wand lehnt.

Abtauchen wie high

Geht es aber um Musik, werden die vier auf einmal ernst und ruhig. In der Musik könne er so richtig abtauchen, da sei alles andere nebensächlich. "Das passiert meistens live, das ist eine Mischung aus Lampenfieber und High. Da bin ich voll im Song." Die anderen kennen dieses Gefühl. Palmi, der sich gerade eine neue Zigarette anzündet, erzählt: "Wenn ich auf die Bühne hochgehe, klickt bei mit ein Schalter um." Er spiele dann nicht einfach irgendwie drauf los, sondern spiele und performe genau so, wie er sich in diesem Moment fühlt.
"Jeder hat da so sein Ding, das er einbringt. Das ergibt ein Ganzes, den Song." Dabei könne es auch nur einer sein, der gerade so in seinem Spiel drin ist, dass er die anderen dadurch mitreißt, fügt Heiko hinzu. Auf einem Barhocker sitzend zupft er unbewusst weiter auf seiner Gitarre herum. "Die Emotionen bestimmen die Musik."
Deshalb wollen sich die Jungs von "Life is Pain" auch nicht auf eine bestimmte Musikrichtung festlegen. "Es gibt 1000 Schubladen und wir werden uns in mehreren Schubladen wieder finden", meint Torsten. In den 13 Jahren ihres Bandbestehens hätten sie sich musikalisch immer weiterentwickelt und mit ihren selbst komponierten Songs stilistisch von Metal bis Rock schon alles abgedeckt.
"Es fällt uns schwer, uns auf eine bestimmte Richtung festzulegen. Wir machen immer das, worauf wir gerade Lust haben", sagt Palmi und ascht in eine leere Bonbon-Dose. Wenn sie sich aber festlegen müssen, sagen sie, sie machen Alternative Rock.
Der Spaß an der Musik war schließlich ausschlaggebend dafür, dass sie sich gegen eine musikalische Karriere entschieden haben - zu der sie durchaus die Chance gehabt hätten. "Wir hatten die Möglichkeit, die Musik zum Beruf zu machen. Wir haben uns intensiv mit dem Gedanken auseinandergesetzt und dann abgesagt", erzählt Torsten. Nicht nur hätten sie damals schon voll im Leben gestanden, mit Frau und Familie - "uns ist auch bewusst geworden, welche Verpflichtungen auf uns zu kommen. Das wollten wir nicht".
Ihre "fünf Minuten Ruhm", wie Torsten sagt, hatten sie trotzdem: Sie sind in großen Städten aufgetreten - in Stuttgart, München, Saarbrücken und Leipzig - und sie haben einmal beim Local Music Run, einem Newcomer Wettbewerb des Landkreises Erlangen-Höchstadt, den ersten Platz belegt. Der Gewinn: Ein 1000 Euro Tonstudio-Gutschein, den sie als Zuschuss für ihre dritte CD genutzt haben.
Nach ihrem letzten Auftritt im Jahr 2007 wurde es dann ruhig um "Life is Pain". "Jeder hat gemerkt, dass es nur ein Hobby ist und dass wir nie wirklich was damit erreichen werden", sagt Torsten nüchtern. Das sei der Punkt gewesen, an dem nichts mehr ging, an dem die Luft raus war. "Aber wir haben dann doch weiter gemacht und das ist wohl unser größter Erfolg, dass wir uns nicht aufgelöst haben. Das Musik Machen hat einfach gefehlt."
Aus der Übung gekommen sind sie in dieser Zeit nicht. Auch wenn seit dem letzten Auftritt schon einige Zeit vergangen ist, die Emotionen, die sie in die Songs legen, sind selbst bei der Probe greifbar. Heiko wiegt seine Gitarre mit geschlossenen Augen und Palmi wippt gefühlvoll mit seinem Bass auf und ab. Und Torsten, der große, harte Mann mit den riesigen Tattoos, macht sich ganz klein hinter seinem Mikrofon, das er mit beiden Händen umklammert hält und singt mit gefühlvoller Stimme ihren Lieblingssong "Lemming Effect". Hier ist das Lied "Down Keeping" von der Band "Life is pain" zum Download:
Dateiname : "Down Keeping" von der Band "Life is pain"
Dateigröße : 4.94 MBytes.
Datum : 14.04.2012 10:58
Download : Download Now!


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