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Forchheim
Verhandlung

Sexueller Übergriff in Forchheim: 36-Jähriger soll geistig behinderte Frau genötigt haben

Der 36-Jährige, der in Forchheim eine geistig behinderte Frau sexuell genötigt hat, muss hinter Gitter. Weil dem Täter Hirnschäden attestiert werden, wird er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.
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Ein 36-Jähriger wurde auf einer Bank unweit der Forchheimer Sportinsel übergriffig.  Foto: Ronald Heck
Ein 36-Jähriger wurde auf einer Bank unweit der Forchheimer Sportinsel übergriffig. Foto: Ronald Heck

"Die Suche nach der Wahrheit war nicht einfach", sagte Richter Markus Reznik, nachdem er dem angeklagten 36-Jährigen das Urteil verkündete. Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten mit Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wurde der Afghane verurteilt, weil er eine Arbeitskollegin sexuell genötigt hatte.

Dem Mann wurde vorgeworfen, die geistig behinderte Frau gleichen Alters im April vergangenen Jahres auf einer Parkbank in der Nähe der Forchheimer Sportinsel genötigt zu haben. Die Suche nach der Wahrheit gestaltete sich schwierig, da das Opfer und der Täter den Vorfall von Anfang an unterschiedlich schilderten. Sprach der Angeklagte nur von einem einvernehmlichen Kuss, sagte das Opfer, dass es zu weiteren sexuell motivierten Handlungen gekommen sei. Die 36-jährige Frau sei durch ihre geistige Behinderung "intellektuell im Alter eines Kindes", sagte Reznik.

Übergriff auf der Parkbank

Laut ihrer Aussage habe es sich folgendermaßen abgespielt: Nachdem er der Frau auf der Parkbank an die Brust gefasst hatte, soll er ihr sein Glied nahe ans Gesicht gehalten, Oralverkehr gefordert und sie gegen die Bank gedrückt haben, wodurch sie Schmerzen im Gesäß verspürte. Die Geschädigte sei nicht in der Lage, sich ein solches komplexes Geschehen auszudenken, begründete der Richter das Urteil. Auch ein psychologisches Gutachten stellte bei ihr keine Anzeichen fest, dass die Frau die Unwahrheit sagt.

Zu Beginn des letzten Verhandlungstages sollte zudem die 17-jährige Tochter des Angeklagten eine Aussage über ihren Vater machen. Sie machte allerdings von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht gebrauch, da sie "nur das Beste für ihren Vater" wolle.

Deshalb war der Fokus am letzten Verhandlungstag am Landgericht Bamberg auf dem Gutachten über den psychischen Zustand des Angeklagten.

Neurologische Schäden

Der psychiatrische Sachverständige Christoph Mattern schilderte seine Untersuchungen: Es habe bei dem 36-Jährigen einige wichtige Anzeichen für Hirnschäden gegeben, die für Neurologen ausschlaggebend seien. Laut seinem Bericht gebe es bei dem Angeklagten dafür eindeutige Hinweise. Ein Motorradunfall und ein Übergriff der Taliban in Afghanistan brachten den Mann nach eigenen Aussagen zweimal für mehrere Tage ins Koma. Sobald ein Mensch länger als 30 Minuten ohne Bewusstsein sei, könne man davon ausgehen, dass er Hirnschäden davontrage, sagte Mattern.

Diese Hirnschäden ließen sich beim Angeklagten auch durch verschiedene Befunde bei unterschiedlichen Krankenhausaufenthalten in Deutschland nachweisen. Auch eine Rauchgasvergiftung, die er in Deutschland erlitt, könnte für die Hirnschäden verantwortlich sein.

Durch diese Störung verfüge der Angeklagte über ein egozentrisches Sexualverhalten, sehr spontane Triebbefriedigung und eine Minderbegabung mit einem IQ von 70.

Wahnvorstellungen möglich

Der Angeklagte vermutete auch ein Komplott gegen sich. Ob diese Wahnvorstellung durch die Hirnschäden entstanden sei, konnte nicht nachgewiesen werden. Wahnvorstellungen seien durchaus möglich, sagte Mattern und betonte: Bei diesem Krankheitsbild sei eine Therapie sehr schwierig und eine positive Krankheitsentwicklung nicht zu erwarten.

Deswegen forderte der Staatsanwalt Ralph Zenger in seinem Plädoyer neben einer Verurteilung die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, um die Allgemeinheit zu schützen.

Dieser Forderung schloss sich Markus Reznik an, da weitere Taten zu erwarten seien, auch wenn der Angeklagte bis zu dem Vorfall noch nicht straffällig geworden ist.

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