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Forchheim
Disko-Nacht

Sektflasche als Waffe in Gunzendorf - junge Frau vor Gericht

Eine junge Frau verletzte in Gunzendorf ein Pärchen und muss deswegen 60 Arbeitsstunden ableisten. Viele Details des Streits blieben aber im Unklaren.
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Foto: dpa
Foto: dpa
Amtsrichter Philipp Förtsch hatte einige Schwierigkeiten, sich ein Bild von einer Nacht in der Disco in Gunzendorf zu machen, in der sich eine junge Frau eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung eingehandelt hatte. Sie sollte einem jungen Mann ein blaues Auge verpasst und auch dessen Freundin geschlagen haben, zudem eine leere Sektflasche als Waffe benutzt haben.

In der Verhandlung gab es jedoch sehr unterschiedliche Schilderungen, was sich ereignet hatte. Die Angeklagte behauptete, der Geschädigte habe sie wegen ihrer dunklen Hautfarbe drei Mal mit "Scheiß Nigger" beschimpft. Er stritt das allerdings ab, obwohl sie sich erinnern konnte, es ihm immer wieder vorgehalten zu haben: "Du hast es schon wieder gesagt, jetzt schon zum dritten Mal." Und da habe sie eben zugeschlagen.

Eine leichte Gehirnerschütterung

Einigermaßen gesichert schien zunächst, dass sie die Freundin des geschädigten Mannes mit der Faust neben dem linken Auge getroffen und ihn beim Schlag mit einer leeren Sektflasche an der linken Kopfseite touchiert hatte. Was zuerst kam, ließ sich auch vor dem Richter nicht recht feststellen, doch die Gesamtheit der Hiebe führte bei der jungen Frau zu einer Prellung und einer leichten Gehirnerschütterung. Als der Mann zum Schutz seiner Freundin eingreifen wollte, bekam er auch noch sein Fett weg - ein Hämatom am linken Auge war die Folge.

Gab es einen Flaschenwurf?

Die Aussage der Geschädigten, sie sei von einer geworfenen leeren Sektflasche getroffen worden, ließ sich später nicht durch Beweise untermauern. Es gab keine Antwort auf die Frage, ob die Flasche mit der Rechten oder mit der Linken geworfen worden sein soll, und auch sonst blieb Amtsrichter Förtsch - "Ich war ja nicht dabei" - einiges unklar.

Ein 19-jähriger Zeuge, der das hätte beantworten sollen, lag wegen einer Blinddarmoperation am ersten Verhandlungstag im Krankenhaus. Bei der Fortsetzung gab er sich alle Mühe, vermochte aber auch er nicht allzu sehr zur Erhellung beizutragen. Er wusste nur, dass eine Flasche gerollt worden war, ob sie zuvor geworfen worden war, konnte er nicht bezeugen. Und die Glaubwürdigkeit der Freundin litt ein wenig darunter, dass es an ihrem Gesicht keinerlei Spuren gegeben hatte, keine Schwellung oder Beule oder zumindest eine Hautabschürfung.

Die junge Frau war wohl getroffen worden, aber der Zeuge konnte nichts darüber sagen, ob es ein mutwillig geführter Schlag oder nicht, ob die junge Frau wirklich getroffen worden war, ob die Flasche sie überhaupt getroffen oder womöglich doch verfehlt hatte.

Einfach, aber vorsätzlich

Von Beleidigungen, wie sie die Angeklagte geschildert hatte, habe er nichts mitbekommen, konnte aber auch nicht ausschließen, dass sie gefallen seien. All das veranlasste die Staatsanwältin, vom Vorwurf einer gefährlichen Körperverletzung abzurücken und stattdessen eine einfache, aber vorsätzliche Körperverletzung anzunehmen.

Der Sachverhalt könne so nicht aufrecht erhalten werden, räumte sie ein und ging von einem Akt der jugendlichen Unreife aus. Eine Diskrepanz sah sie zwischen der Aussage der Freundin, die von einem Flaschenwurf oder einem Schlag mit der Flasche ausgegangen war, und der Aussage der Angeklagten, die einen Schlag mit der Hand (ohne Flasche) zugegeben hatte. Sie plädierte für einen zweiwöchigen Dauerarrest, Arbeitsleistungen und der Teilnahme an einem Anti-Gewalttraining.

Angeklagte war einsichtig

Für Philipp Förtsch war das ein Fall, bei dem das klassische "In dubio pro reo" angewendet werden sollte, also im Zweifel für den Angeklagten. Sie habe die Freundin wohl geschlagen und auch ihrem Freund ein blaues Auge beschert. Der Flaschenwurf sei aber ebenso wenig beweisbar wie ein Schlag mit der Flasche. Er verurteilte die Angeklagte daher wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 60 Stunden Arbeitsleistung und ermahnte sie, sich künftig bei ihrem Alkoholkonsum zurückzuhalten. Im Grunde sei sie einsichtig, darum habe er von einem Dauerarrest abgesehen.

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