Obertrubach
Tourismus

Seit fast 200 Jahren lockt die Fränkische Schweiz Kletterer an

Der erste Kletternachweis in der Fränkischen Schweiz datiert aus dem Jahr 1822. Ein Grund für den hohen Bekanntheitsgrad des Sports in jüngerer Zeit sind Wolfgang Güllich, Kurt Albert und Oskar Bühler.
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Klettern am Walberla auf einer Postkarte von 1912 Repro: löw
Klettern am Walberla auf einer Postkarte von 1912 Repro: löw

Durch die Entdeckung und Erforschung der Höhlen und durch das romantisch inspirierte Landschaftsbild besuchten immer mehr Touristen die Fränkische Schweiz, darunter auch viele sportlich motivierte. Klettern ist in der Fränkischen Schweiz seit rekordverdächtigen 197 Jahren ein großer Trendsport.

In der Tourismusbranche wird geschätzt, dass derzeit alljährlich rund 30 000 Kletterer in der Region unterwegs sind, um einige der rund 11 000 Kletterrouten zu bezwingen. Das Klettern hier ist 40 Jahre älter als in der Sächsischen Schweiz, die sich als "eines der ältesten Kletterparadiese der Erde" bezeichnet.

Ein Grund für den hohen Bekanntheitsgrad des Klettersports sind in jüngerer Zeit drei sehr bekannte Sportlernamen, die untrennbar mit dem modernen Klettern verbunden sind.

Double von Sylvester Stallone

Wolfgang Güllich war der Star unter den Kletterern in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Er kletterte als Erster im 11er-Schwierigkeitsbereich und er war Double von Sylvester Stallone im Film "Cliffhanger". Güllich starb damals noch vor der Filmpremiere bei einem Verkehrsunfall; er liegt seit 27 Jahren auf dem Obertrubacher Friedhof begraben, da er am liebsten im Trubachtal kletterte.

Kurt Albert, der in Muggendorf zu Hause war und aus Nürnberg stammte, gilt als Erfinder des Rotpunktkletterns und damit des Freikletterns. 1973 begann er damit, Touren, die er ohne Haken geklettert ist, mit einem roten Punkt zu markieren. Seine Definition des Rotpunktkletterns (laut Wikipedia) ist "der sturz- und ruhefreie Vorstieg einer Route nur an natürlichen Griffen und Tritten". Er revolutionierte damit das Klettern. Seine Rotpunktrouten gelten noch heute als die schwierigsten Routen für Extremkletterer.

Der Bühler-Haken

Der Dritte im Bunde ist Oskar Bühler, der nicht nur den Bühler-Haken erfunden hat, sondern auch den sehr bekannten Kletterführer für den Frankenjura, der 1949 erstmals auf den Markt kam. Sein heute noch verwendeter Bohrhaken zur Absicherung von Kletterrouten besteht aus nichtrostendem Stahl und ist in einem Stück gebogen. Die beiden Enden sind miteinander verschweißt und in ein Felsloch einzementiert. Ein Teil der Kletterausrüstung von Oskar Bühler liegt im Maasenhaus-Museum in Betzenstein. Die "Gipfelbücher" von Wolfgang Güllichs Grab verwahrt die Gemeinde Obertrubach.

Der zweite Grund könnte darin liegen, dass die Region zu den ältesten Klettergebieten Deutschlands zählt und daher seit vielen Jahren einen sehr hohen Bekanntheitsgrad besitzt. Das Klettern in der Sächsischen Schweiz begann mit der Besteigung des Falkensteins im Jahr 1864, der erste schriftliche Kletternachweis in der Fränkischen Schweiz datiert aus dem Jahr 1822.

Im Reiseführer von Johann Baptist Lachmüller über das Walberlafest findet sich folgender Eintrag: "Einzelne Felsenspitzen, welche von dem südlichen Rande des Berges abgerissen dastehen, sieht man Waghälse kühn ersteigen, um mit der bläulichten Ferne zugleich die senkrechte Tiefe des nahen Abgrundes zu sehen. Uns schaudert vor dem gefährlichen Genusse, den ein plötzlicher Windstoß so leicht mit dem Leben des Kühnen bezahlen könnte."

Schon früh organisiert

Organisiert waren die Kletterer damals in den Sektionen des Alpenvereins (1869 Gründung DAV, im gleichen Jahr Sektion Nürnberg, 1882 folgte Fürth, 1886 Bamberg) und in kleinen Touristenklubs ("Mir san g'stellt" 1894, "Rifflerbuben", Touristenklub "D'Trubachtaler" 1912 und viele mehr), wie Günther Bram in seiner Klettergeschichte beschreibt. Der Vereinszweck der Touristenklubs war "Wander- und Klettersport zu pflegen und die Geselligkeit der Mitglieder zu heben".

Ab 1880 erfolgte die systematische Besteigung frei stehender Türme bis zum Schwierigkeitsgrad 3. Um 1910 waren fast alle fränkischen Türme erstiegen.

1938 berichtete August Sieghardt in seinem Reiseführer über die Fränkische Schweiz erstmals, dass das Trubachtal wegen seiner Felsen "ein vielbesuchtes Klettergebiet" sei.

Besondere Steinoberfläche

Wie schon bei der Entdeckung der Region durch das Vorhandensein zahlreicher Höhlen verdankt die Fränkische Schweiz einer weiteren geologischen Besonderheit den Ruf als bekanntestes Klettergebiet Deutschlands. Der Fels besteht aus Dolomit und nicht aus reinem Kalk, weshalb die Steinoberfläche eine vielfältige Feinstruktur aufweist: Löcher, Leisten und Dellen, die das Klettern hier fast überall ermöglichen.

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