Forchheim
Soziales

Sebastian Körber: "Im Prinzip verarscht"

Forchheimer Landtagskandidaten positionierten sich bei VdK-Diskussion zu Sozialthemen.
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Michael Hofmann, Thorsten Glauber, Eleonore Birkenstock, Sebastian Körber, Atila Karabag und Robert Hümmer vom VdK (von links ) bei der Podiumsdiskussion
Michael Hofmann, Thorsten Glauber, Eleonore Birkenstock, Sebastian Körber, Atila Karabag und Robert Hümmer vom VdK (von links ) bei der Podiumsdiskussion
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Im Vorfeld des Landtagswahlkampfs hat der Vdk-Kreisverband unter Anton Hammer die Forchheimer Direktkandidaten zu einer Podiumsdiskussion in die Jahnhalle eingeladen. Aus dem breiten Spektrum sozialer Themen griff Moderatorin Eleonore Birkenstock (BR) drei Komplexe heraus: Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Barrierefreiheit und die Pflegesituation. Rede und Antwort standen die Landtagsabgeordneten Michael Hofmann (CSU) und Thorsten Glauber (FW), für die SPD Atila Karabag und für die FDP Sebastian Körber.

In einem Impulsreferat stimmte VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder die Zuhörer und Diskutanten auf die Thematik, die Erfolge und die Forderungen des Sozialverbands ein. Der Vdk versteht sich als Lobbyist in sozialen Fragen. Über acht Prozent der Landkreisbürger sind Mitglied; bayernweit sind es rund 670 000 Menschen.

Trotz der vom Ministerpräsidenten prognostizierten "goldenen Zeiten für den Freistaat" sieht Pausder die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergehen. Ursachen sind seiner Meinung nach Leih- und Teilzeitarbeit und die steigende Armutsgefährdung bei Über-65-Jährigen.

Beim sozialen Wohnungsbau wollte die "Opposition" auf dem Podium die öffentliche Hand mehr in die Pflicht nehmen. Hofmann verwahrte sich gleich gegen den Vorwurf, dass Bayern 33 000 Sozialwohnungen an private Investoren verkauft habe. "Sie sind nach wie vor da." Aber ohne Sozialbindung, konterte Glauber und mahnte die Verantwortung des Staats an, der aktuell 40 Prozent mehr einnehme als noch vor zehn Jahren.

"Im Prinzip verarscht", kommentierte Körber Hofmanns Argument und verwies auf den Erlös von 882 Millionen Euro. "Das sind rund 30 000 Euro pro Wohnung. Versuchen Sie damit mal, eine Wohnung zu kaufen.

Angesichts von 600 000 nicht genutzten Baugenehmigungen forderte Karabag mehr Anreize für private Bauherrn und örtliche Wohnbaugenossenschaften. Körber sieht den Staat auch als "Preistreiber". Eine zu hohe Zahl geforderter Stellplätze führt seiner Meinung nach zu teuren Tiefgaragen. Hingegen koste Barrierefreiheit bei Neubauten nur etwa 1000 Euro mehr. Der Wohnkostenanteil liege bei 30 bis 40 Prozent. Es müssten deshalb Baukosten reduziert werden. Ob das Kosten sparen möglich sei, bezweifelte wiederum Hofmann.

Leerstehende Wohnungen heißt die andere Seite der Medaille. Dagegen angehen will Körber über unterschiedliche Grundsteuersätze, Karabag setzt mehr auf Steueranreize bei Modernisierung und Nutzung. Die Wiederbelebung der degressiven Abschreibung könnte nach Glauber das richtige Angebot sein.

2023 soll der öffentliche Raum in Bayern barrierefrei sein, gab Birkenstock eine Aussage von Horst Seehofer wieder. Ein Drittel der 3000 staatlichen Gebäude soll es laut Hofmann schon sein.

Dafür kriege selbst er graue Haare, denke er an die zähen Kämpfe mit der Bahn um barrierefreie Bahnhöfe. Glauber ergänzte mit dem unsäglichen Versacken in Forchheim, wo Sponsoren für die Übergangszeit Lifter angeboten hatten.

Barrierefreier öffentlicher Raum genügte keinem auf dem Podium. Körber erinnerte an den Bedarf von 20 bis 30 Prozent barrierefreien Wohnungen in wenigen Jahren. Glauber berichtete, dass er über die Architektenkammer von Beratung für junge Bauherrn wisse, diesbezüglich vorausschauend zu bauen.

Von nicht barrierefreien Krankenhäusern und noch viel mehr Arztpraxen wusste Karabag zu berichten. Hier brauche es einen Aktionsplan - mit Zertifizierung oder Gütesiegel.

Die Pflegesituation war der letzte Diskussionspunkt. Respekt vor der Leistung von Pflegekräften hatten alle. Den Beruf stärken durch eine Pflegekammer für Lohn und Ausbildung und eine deutliche Erhöhung des Pflegeschlüssel von 13 Personen pro Pfleger auf skandinavische (7,5) oder gar US-amerikanische Werte (5,5) forderte Glauber. "Damit ist das Problem dargestellt."

" Auf drei freie Stellen kommt derzeit ein Bewerber, wusste Karabag. Er sieht einen Ansatz über schnellere Anerkennung ausländischer Ausbildungen und über Sprachförderung bei Migranten.

Kurzzeitpflegeplätze sind nicht nur in Forchheim ein Problem. Hofmann möchte eine finanzielle Förderung für die Träger, weil sie solche Plätze nicht ins Blaue hinein bereithalten könnten, aber der Bedarf oft unerwartet entsteht. "Bezahlung ist das einen, die tägliche Belastung das andere", sieht der CSU-Abgeordnete die Lage und stellte den Begriff "Teilzeitarbeit, nicht Teildienst" in den Raum.


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