Forchheim
Abschlussbericht

Schwung in die Forchheimer Kulturlandschaft bringen

Der langerwartete Kulturentwicklungsplan für Forchheim ist fertig. Nun verspricht die Stadtpolitik vieles zu verändern. Die drängendsten Projekte und Ziele.
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Das Zirkart-Festival ist eines der kulturellen Aushängeschilder in Forchheim. Nach eineinhalb Jahren intensiver Arbeit am Kulturentwicklungsplan sollen die Erkenntnisse nun zügig umgesetzt werden. Denn die Unzufriedenheit am kulturellen Leben in der Stadt ist groß. Foto: Barbara Herbst/Archiv
Das Zirkart-Festival ist eines der kulturellen Aushängeschilder in Forchheim. Nach eineinhalb Jahren intensiver Arbeit am Kulturentwicklungsplan sollen die Erkenntnisse nun zügig umgesetzt werden. Denn die Unzufriedenheit am kulturellen Leben in der Stadt ist groß. Foto: Barbara Herbst/Archiv

"Startschuss", "Meilenstein" oder "Quantensprung": Die Stadträte und -rätinnen lobten einhellig den am Donnerstag veröffentlichten Abschlussbericht zum Kulturentwicklungsplan für Forchheim. Auf 88 Seiten listet er Probleme, Stärken und Schwächen, Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen auf, um das kulturelle Leben in der Stadt zu verbessern. Die Räte des Kulturausschusses versprachen, auf der Basis des lang erwarteten Schriftstücks jetzt zügig vieles umzusetzen. Kulturreferat, neue Veranstaltungsorte, mehr Geld für die Kultur - die Liste der Herausforderungen ist lang und die Unzufriedenheit vieler Kulturschaffender groß.

Eineinhalb Jahre Arbeit

"Dieser Abschlussbericht ist kein Ausrufezeichen und kein Punkt - sondern ein Komma. Jetzt muss es weitergehen!", bekräftigt Susanne Fischer; die Chefin des Pfalzmuseums leitete den Kulturentwicklungsplan (KEP) federführend. Eineinhalb Jahre intensiver Arbeit stecken in dem Projekt.

In zahlreichen Gesprächen, Befragungen und zwei großen Workshops wurden Sorgen und Nöte der Forchheimer Kulturszene gesammelt. Vereine, Schulen, Stadtpolitiker, interessierte Bürger oder freischaffende Künstler beteiligten sich.

Die drängendsten Probleme

Im Stadtgebiet fehlten geeignete Räume. "Aber nicht nur Aufführungsorte. Es geht auch um Probenräume, Ausbildungsflächen und technische Ausstattung sowie spartenspezifische Räume", erläutert Lorenz Deutsch. Der künstlerische Leiter des Jungen Theaters arbeitete am KEP maßgeblich mit. Rathaus, Kolpinghaus, Saltorturm, Kaiserpfalz, Stadtpark, öffentliche Freiflächen - hinsichtlich der Kulturorte stünde die Stadtpolitik vor großen Aufgaben.

Außerdem ist die Kulturszene in Forchheim nach "innen und außen" unzureichend organisiert und vernetzt. "Gerade Ehrenamtliche bemängeln die fehlende Unterstützung der Stadt bei der Organisation und Vermarktung bei Veranstaltungen", sagt Deutsch: "Das wäre auch eine Aufgabe für ein Kulturreferat, das immer wieder gefordert wird."

Ein weiteres Problem ist der mangelhafte Umgang mit der langen Geschichte der Stadt, ihren Denkmälern und Skulpturen. Viele Kulturschaffende vermissen zudem ein "Profil" der Stadt. "Wofür steht Forchheim kulturell eigentlich? Und wie soll es in der Zukunft aussehen?"

Das läuft gut in Forchheim

Immerhin gebe es eine große, engagierte Kulturszene - sowohl ehrenamtlich als auch nicht ehrenamtlich. Zum Beispiel Stadtbücherei, Junges Theater, Musikverein Forchheim-Buckenhofen, Pfalzmuseum und die Kooperationen der Kirchenmusik von St. Johannis.

Mehr Wertschätzung, mehr Geld

Weitere Stärken sind die großen Events mit überregionaler Ausstrahlung, wie ZirkArt, die Afrika Kulturtage und Blätterwald. Forchheim könne zudem mit einen bedeutenden Stadtgeschichte und einem guten Kleinkunst-Angebot punkten. Die Stadt müsse ein "Klima der Wertschätzung" für die Kultur und Geschichte Forchheims schaffen, fordert Fischer. Und: "Wir müssen Ehrenamtliche stärken, aber auch Neues und Experimentelles zulassen." Zudem sollte sich die Stadt öffnen und nach außen - in die Fränkische Schweiz, die Metropolregion und darüber hinaus - vernetzen.

Neben den Erkenntnissen der KEP-Workshops analysierte das Projekt-Team zudem die "finanzielle Ausstattung der Kultur". Deutsch räumte ein, wie schwierig finanzielle Vergleiche sind, aber die Tendenz ist klar: Laut Kulturfinanzbericht der Statistischen Ämter gibt Forchheim im Vergleich zu ähnlich großen Städten unterdurchschnittlich viel Geld für das kulturelle Leben aus.

Beispielsweise investiert Forchheim 1,25 Prozent des städtischen Gesamthaushalts, im deutschen Durchschnitt sind es 2,26. (Pro-Kopf-Ausgaben im Bereich Kultur: 42 Euro, im deutschlandweiten Schnitt 45) "Je nachdem, welche Zahlen man heranzieht, könnte Forchheim zwischen 100 000 und eine Million Euro mehr ausgeben", so Deutsch. "Die Frage ist natürlich: Was wollen wir finanzieren? Trotzdem ist es gut, das im Hinterkopf zu haben."

Die wichtigsten Handlungsmaßnahmen: Ein Kulturreferat sei nötig. Das Rathaus und das Kolpinghaus benötigten Nutzungs- und Betreiberkonzepte. Zudem müssten Interimslösungen für Kulturräume her. Zudem sei eine gemeinsame Kulturdatenbank mit Infos und Kontaktdaten sinnvoll, auf die jeder zugreifen könnte. Das Kulturentwicklungs-Komitee hat zum Beispiel eine Liste an bestehenden Kulturräumen zusammengefasst und eine interaktive Überischt auf der Internetseite www.forchheim.de/veranstaltungsraeume veröffentlicht.

Kultur-Sondersitzung im Herbst

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) betonte, dass die Gespräche zu einem städtischen Kulturreferat bereits laufen. Auch hinsichtlich des Kolpingshauses sei die Stadt mit dem Forchheimer Kulturverein dabei, gemeinsam eine Betreiberorganisation zu gründen. "Wir sind dran und sind auf dem richtigen Weg", so Kirschstein.

Die Stadträte des Haupt-, Personal- und Kulturausschusses beschlossen einstimmig eine Sondersitzung nach der Sommerpause, um im Herbst weitere Maßnahmen zu priorisieren und zeitnah in Angriff zu nehmen.

"Wichtig ist, dass jetzt etwas passiert", appelliert Deutsch: "Die Kulturschaffenden haben lange darauf gewartet. Das Schlimmste wäre, wenn nichts passiert."

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