Forchheim
Gesundheit

Schwitzen für die Statistik

Eine Studie untersucht, wie leistungsfähig die Motorik von Kinder ist. In Forchheim nahmen rund 20 Kinder an der Untersuchung teil.
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Auch um die Liegestütze kam Ahmet nicht herum. Fotos: Jan Koch
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Immer schneller atmet Ahmet durch den offenen Mund. Wie in Trance schließt er die Augen, während sich auf seiner Stirn längst Schweißperlen gebildet haben. "Los, komm, gleich hast du es geschafft, Nachspielzeit", ruft ihm Fabian Füller zu. Auf dem Bildschirm des Notebooks, das vor ihm steht, ist Ahmets Puls ablesbar: 178 - nachdem er sich inzwischen zwölf Minuten auf dem Fahrradergometer abgestrampelt hat.

Er atmet tief durch, während ihn Füller angrinst und sagt: "Das kommt davon, wenn die Ausdauer so gut ist." Ahmet Yesilbas nimmt am Motorik-Modul des Robert-Koch-Instituts teil. Füller, der vor kurzem sein Lehramtstudium für Sport und Mathematik in Karlsruhe abgeschlossen hat, betreut die Gesundheitsstudie. Sie möchte herausfinden, wie sich die motorische Leistungsfähigkeit und die körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland entwickelt. Eine der zentralen Fragen ist, ob aus aktiven Kindern auch aktive und gesunde Erwachsene werden. Bereits 2005 fand die erste Welle der Studie statt. 2009 bis 2012 werden in der zweiten Welle nun 5000 Kinder in 167 zufällig ausgewählten Städten Deutschlands untersucht.

Liegestützen und Situps


Wie aktiv die Forchheimer Kinder und Jugendlichen sind, haben Füller und seine beiden Kolleginnen Konstanze und Sibylle Besch am Mittwoch und Donnerstag den Raum der Freiwilligen Feuerwehr Forchheim in ein Trainingslabor verwandelt. "Wir untersuchen hier die Bereiche Kraft, Koordination, Beweglichkeit und Ausdauer", erklärt Füller. Darauf lassen auch die vielen Gerätschaften schließen, die im Raum verteilt sind. Auf einer Gummimatte machen die Kinder Liegestütze und Situps, auf einer anderen Matte müssen sie aus dem Stand soweit nach vorne springen, wie möglich. Auf drei schmalen Balken gilt es für die Kinder, rückwärts zu balancieren, möglichst ohne dabei den Boden zu berühren.

Ahmed macht dabei überall eine gute Figur. "Ich spiele Fußball in der B-Jugend des FC Burk", sagt er - vielleicht eine Erklärung dafür, dass ihm die sportlichen Aufgaben des Motorik-Moduls relativ leicht fallen. Lediglich bei der Rumpfbeuge hat er Probleme. Dabei muss er die Knie durchdrücken, sich nach vorn beugen und mit den Fingerspitzen möglichst weit nach unten kommen. "Dabei haben gerade Fußballer Probleme", sagt Füller, deswegen wundere es ihn nicht, dass Ahmet hier nicht besonders gut ist. "Ich kenne ja das von meinem eigenen Fußball-Training, da wird zu wenig Wert auf Dehnübungen gelegt", erklärt Füller.

Nach dem Schwitzen kommt der Fragebogen


Nachdem sich Ahmet rund eine halbe Stunde gequält hat, sagt er: "Am anstrengendsten war das Fahrrad fahren." Er ist offenbar froh darüber, sich nun dem abschließenden Fragebogen widmen zu können. Gern habe er an der Studie teilgenommen. Es sei ihm wichtig gewesen, mitzumachen, da es ohne Freiwillige einfach nicht gehe, sagt Ahmet. Immerhin 20 Euro hat er dafür bekommen, dass er für die Statistik geschwitzt hat. Genau für die ist es besonders wertvoll, dass Ahmet teilgenommen hat: schon vor sechs Jahren, bei der ersten Untersuchungswelle, war der damals Neunjährige dabei. In seinem Fall lässt sich deshalb genau darauf schließen, wie sich seine Lebensweise verändert hat.

Neben Ahmet haben an den vergangen zwei Tagen rund 20 weitere Kinder und Jugendliche in Forchheim am Motorik-Modul teilgenommen. Das bisherige Ergebnis förderte zu Tage, dass zwar viele Kinder und Jugendliche in Sportvereinen aktiv seien. Dennoch fehle es an der Bewegung im Alltag, die abgenommen habe. Dies haben auch die teils schlechten Ergebnisse bei den Übungen gezeigt.


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