Forchheim
Wahlsonntag

Schwierige Suche nach Wahlhelfern im Kreis Forchheim

Am 15. und 22. September sind viele Ehrenamtliche in den einzelnen Wahlbezirken im Landkreis Forchheim im Einsatz. Einige Gemeinden sind gut aufgestellt. Aber die Suche nach geeigneten Personen ist nicht immer ganz einfach.
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Viel zu tun: Für Wahlhelfer geht es nicht nur ums Auszählen der Stimmen. Ihr Tag beginnt oftmals noch vor 8 Uhr morgens.  Foto: Archiv
Viel zu tun: Für Wahlhelfer geht es nicht nur ums Auszählen der Stimmen. Ihr Tag beginnt oftmals noch vor 8 Uhr morgens. Foto: Archiv
Am 15. und 22. September ist Wahlsonntag, erst Landtags-und Bezirkstagswahl, dann Bundestagswahl. Gewöhnlich sitzen die Wahlhelfer an ihren Tischen, grüßen die wahlberechtigten Bürger freundlich. Einer sortiert die Wahlzettel und händigt sie aus, ein anderer hakt den Namen des Wahlberechtigten auf einer Liste ab. Einige belanglose Worte werden gewechselt. Das übliche Geplänkel. Darüber, dass sich nach der Wahl wohl doch nicht viel ändere, bevor man hinter einer Wahlkabine verschwindet, um sein Kreuzchen zu setzen. Was aber, wenn sich nicht genügend Freiwillige bereit erklären, den Sonntag im Wahllokal zu verbringen?

Schließlich handelt es sich um ein Ehrenamt, das mit einem "Erfrischungsgeld" in Höhe von 25 Euro für die Landtagswahl und 21 Euro für die eine Woche später stattfindende Bundestagswahl entschädigt wird.


Eine Absagewelle

"Wahlhelfer dringend gesucht", startete die Gemeinde Igensdorf vorsorglich einen Aufruf in ihrem Mitteilungsblatt. Erfolgreich! Eine erste Absagewelle der angeschriebenen in Frage kommenden Wahlhelfer war Grund für diese Entscheidung. "Ich hatte viele Absagen durch Krankheit erhalten", meint die zuständige Sachbearbeiterin Karin Gebhardt. Der Aufruf wurde gestartet, um wieder ausreichend Wahlhelfer in dem Pool zu haben. Denn es muss auch bei vollständiger Anzahl an Wahlhelfern mit kurzfristigen Absagen gerechnet werden. Der Wahlsonntag aber muss laufen. Was nach diesem Aufruf nun auch garantiert ist - für die Landtagswahl und für die Bundestagswahl.

Es kann rotiert werden

So kann nun rotiert werden. "Es nützt nichts, jemanden als Wahlhelfer zu verpflichten", betont der Igensdorfer Bürgermeister Wolfgang Rast (Umland). Grundsätzlich besteht diese Möglichkeit, doch ebenso kann der zu diesem Ehrenamt Verpflichtete kurzfristig erkranken.

Eine Wahl ohne Wahlhelfer - unmöglich. Verpflichtet sind die Bediensteten selbst. Igensdorf ist in elf Wahlbezirke, inklusive eines Briefwahlbezirks, eingeteilt. Sechs Wahlhelfer pro Wahlbezirk sind vorgesehen. "Sie arbeiten in zwei Schichten, das hat sich bewährt", meint Bürgermeister Wolfgang Rast.

Gesetzlich vorgeschrieben sind fünf Wahlhelfer pro Bezirk. "Es könnte knapp werden", sagt auch Jürgen Igel, kommissarischer Referatsleiter der Stadt Forchheim. Die optimale Besetzung sind sieben Wahlhelfer pro Bezirk. 29 reguläre und zwölf Briefwahlbezirke zählt Forchheim. Die Zahl der Wahlhelfer wurde bereits auf sechs pro Bezirk nach unten korrigiert.

Wenn weitere Absagen eintreffen, werde man die Zahl auf die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl ändern. Einen Aufruf brauche man aber noch nicht zu starten. Zu diesem Ehrenamt verpflichten möchten auch die Forchheimer nicht. Zumal die Wahlhelfer auch eine Woche später die Bundestagswahl auszählen werden.

Hilfe ist möglich

Und schließlich handelt es sich trotz Ehrenamt um geschulte oder noch zu schulende Helfer, die wissen, wie sie sich verhalten müssen und dürfen. Eine Wahl ist geheim und darauf müssen sie auch hinweisen, wenn sich etwa zwei Personen eine Wahlkabine teilen möchten.

Allerdings dürfen sie Wählern helfen, wenn einer nicht in der Lage ist, den Stimmzettel auszufüllen. Alle Wahlhelfer sind zur Neutralität und Verschwiegenheit verpflichtet - und sie unterschreiben dies auch. Nicht zuletzt wahren sie die Öffentlichkeit und haben das Hausrecht.

Käme es zu Ausschreitungen, müssten sie die Polizei rufen. Die häufigsten Fragen an die Wahlhelfer zielen wohl auf Erst- und Zweitstimme und bei dieser Landtagswahl auch auf die fünf anstehenden Volksentscheide, von denen wohl die meisten Wähler noch gar nichts gehört haben. Schon alleine deshalb greifen alle Gemeinden im Kreis möglichst auf erfahrene Wahlhelfer zurück und führen neue Helfer an die Aufgaben heran.
Nicht zuletzt sind Wahlhelfer schon während dieser Aus- und Weiterbildung kostenlos gesetzlich unfallversichert. Diese Versicherung geht mit dem Einsatz weiter, der bereits mit dem Vorbereiten des Wahllokals beginnt und mit der Auszählung der Stimmen nach Wahlschluss endet. Das gemütliche Beisammensein und Politisieren nach getaner Arbeit zählt nicht mehr zu diesem Ehrenamt.

Die Wahlhelfer eines jeden Wahllokals setzen sich aus dem Vorstand, dessen Stellvertreter, dem Schriftführer, dessen Stellvertreter und einem Beisitzer zusammen. Letztlich sorgen die Wahlhelfer nicht nur für einen reibungslosen Ablauf, sondern achten auch darauf, dass ein Wähler, der sich verschrieben hat und einen neuen Schein ausfüllt, nur einen Stimmzettel abgibt.

Gut aufgestellt mit diesen eingespielten Teams sind hier Ebermannstadt, Unterleinleiter und Egloffstein. Bernhard Lies, der Wahlsachbearbeiter der Verwaltungsgemeinschaft Ebermannstadt, greift - wie alle Gemeinden - bei den Wahlen auf bewährtes, geschultes Personal. Ihr Ersatzpool ist gut gefüllt. Für viele Wahlhelfer sei das Wahllokal zudem ein Kommunikationstreff.

Die beiden Gemeindeteile Unterleinleiter und Dürrbrunn kümmern sich eigenverantwortlich um die Wahlhelfer. Jeder Ort hat dazu einen Ortssprecher. Mit Briefwahlbezirken haben Ebermannstadt und Unterleinleiter insgesamt 17 Bezirke zu besetzen. Und dafür zwischen fünf und 13 Wahlhelfer für die verschiedenen Schichten zur Verfügung.

Ebenfalls auf eingearbeitete Wahlhelfer greift die Gemeinde Egloffstein zurück. Aber "es sind auch immer wieder Neue dabei", erzählt Birgit Berner, die zuständige Sachbearbeiterin. Dieses Mal möchten zwei Freiwillige unbedingt an beiden Wahlen helfen, weiß sie. Ein Interesse an der Politik ist also vorhanden.

Igensdorfs Bürgermeister sah den Aufruf auch keineswegs als Folge von Politikverdrossenheit. Das belegen die Zahlen der vergangenen Landtagswahl. Rast sagt: "Eine Wahlbeteiligung zwischen 68 und 75 Prozent zeigt ein gutes Interesse."
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