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Forchheim
Prozess

Schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung, Geiselnahme und Nötigung in Forchheim: Prozess am Landgericht Bamberg startet

Drei Angeklagte müssen sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Bamberg verantworten, weil sie zwei Männer aus Forchheim bedroht haben sollen. Das Trio soll einen der Forchheimer genötigt, ausgeraubt und verletzt haben.
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Drei Angeklagte, zwei davon aus dem Kreis Forchheim, müssen sich seit gestern vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Foto: David Ebener/dpa
Drei Angeklagte, zwei davon aus dem Kreis Forchheim, müssen sich seit gestern vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Foto: David Ebener/dpa

Die Biografien der drei Angeklagten hören sich an wie Geschichten von zerstörten Existenzen; Menschen, die zu oft den falschen Weg eingeschlagen haben. Der erste Angeklagte, der 36-jährige Ralf Müller (alle Namen von der Redaktion geändert), hat nach einer Kindheit voller Gewalt und Drogenkonsum noch die Kurve bekommen, lebt inzwischen mit Frau und Kind in Schweden. Als der Sohn stirbt und die Tochter erkrankt, fällt er zurück in seine Drogen- und Alkoholsucht und flüchtet seitdem immer wieder nach Deutschland, "weil ich mir den Kopf zudröhnen wollte", sagt er.

Der zweite Angeklagte, der 43-jährige John Smith, ist seit seinem Militärdienst bei der französischen Fremdenlegion und der britischen Armee schwer traumatisiert. Seit er in Libyen von IS-Truppen angegriffen wurde, hat er wieder mit exzessivem Alkohol- und Drogenkonsum begonnen. Seit 2018 lebte er in Ebermannstadt.

Der dritte Angeklagte, der 24-jährige Pascal Köhler, wächst in Forchheim in einer "ganz normalen Familie" auf, bricht dann eine Ausbildung ab, eine zweite beendet er zwar, aber arbeitet seitdem nur "sporadisch". Seine Alkohol- und Drogensucht fängt mit Kräutermischungen an, bis er irgendwann "alles" konsumiert.

Raub und Geiselnahme

Seit Mittwoch müssen sich die drei Angeklagten vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Die Staatsanwaltschaft Bamberg wirft ihnen gemeinschaftlich begangenen, besonders schweren Raub, gefährliche Körperverletzung, Geiselnahme und Nötigung vor.

Am Abend des 27. Mai 2019 sollen die drei Angeklagten zur Wohnung ihres Bekannten Michael Werner (Name von der Redaktion geändert) in Forchheim gefahren sein, ihn drangsaliert und zu einer Autofahrt gezwungen haben.

Gemeinsam sollen die drei mit Kanthölzern in den Händen an der Wohnung des Geschädigten geklingelt haben und nach dem Öffnen in die Wohnung "gestürmt" sein, so die Anklageschrift. Der Angeklagte Smith soll das Opfer in den Schwitzkasten genommen haben, "so dass der Geschädigte unter Todesangst litt".

Ein ominöses Paket

Der Grund des Besuchs: Der Angeklagte Müller war auf der Suche nach einem Paket, das abhandengekommen sei. Der ominöse Inhalt: Drogen mit einem Gesamtwert von bis zu 15 000 Euro. Dass auf dem Wohnzimmertisch des Geschädigten zu diesem Zeitpunkt eine Haschischplatte lag, scheint den Angeklagten dabei in die Karten gespielt zu haben.

Der Angeklagte Köhler soll dem Opfer zwischenzeitlich Ohrfeigen verpasst und einen Stuhl nach ihm geworfen haben. Der Angeklagte Smith solle Werner mit einem Küchenbeil gedroht haben, "er werde ihm die Finger oder eine Hand abschneiden, wenn er nicht den Namen seines Lieferanten, preisgeben werde". Aus Angst nannte der Geschädigte Werner den Namen des Lieferanten, ein Arbeitskollege des Mechanikers.

"Aus Todesangst" fuhr der Geschädigte mit den Angeklagten zur Wohnung des Lieferanten in Forchheim. Dort angekommen, soll der Lieferant nach einem Telefonanruf von seiner Wohnung nach unten gekommen sein, wo der Angeklagte Smith ihm mit Holzstäbchen gedroht haben soll, die Augen auszustechen. Weil die Angeklagten in die Wohnung des Lieferanten wollten, die von innen verschlossene Türe aber nicht öffnen konnten, wollten sie zu einem weiteren Lieferanten nach Erlangen fahren. Dann traf die Polizei ein, die drei Angeklagten flüchteten.

Alle drei Angeklagten haben am ersten Verhandlungstag zugegeben, an der Sache beteiligt gewesen zu sein. Am Tag der Tat habe er mit dem Angeklagten Smith in Ebermannstadt viel Alkohol getrunken, erzählt der Angeklagte Müller, der sich im Moment noch in einem weiteren Verfahren verantworten muss. "Weil er wissen wollte, wo das Paket ist", habe er mit dem Geschädigten Werner ein Bier in dessen Wohnung trinken wollen. Die Tat selbst sei nicht geplant gewesen, vor Ort "sei alles aus dem Ruder gelaufen". Der Angeklagte Smith habe angefangen, "seinen Militärfilm abzuziehen". "Der Mann ist total gestört in meinen Augen", sagt Müller über seinen Mitangeklagten.

Soldat als "Bodyguard"

Der 43-jährige Smith äußert sich vor Gericht über seinen Anwalt. Am Tattag habe er Streit mit seiner Freundin gehabt, deshalb schon Alkohol getrunken. Der Angeklagte Müller habe ihn am Abend in Ebermannstadt abgeholt, weil er ihn "als Bodyguard" gebraucht habe. "Ich habe aufgrund meiner Tätigkeit als Soldat das ausgeführt, was von mir erwartet wurde", so Smith. Zwischenzeitlich sei er verwundert gewesen, dass man ihm überhaupt brauche, er habe vor Ort mit mehr Leuten in der Wohnung gerechnet.

Der dritte Angeklagte, der 24-jährige Pascal Köhler, lässt ebenfalls über seinen Anwalt eine Stellungnahme vorlesen. Er habe sich am Tattag mit den beiden anderen Angeklagten an einem Supermarkt-Parkplatz in Forchheim getroffen, um dann gemeinsam zur Wohnung des Geschädigten Werner zu laufen. Ihm sei gesagt worden, dem Angeklagten Müller sei eine größere Menge Betäubungsmittel abhandengekommen.

Etwas Licht ins Dunkel dieses ersten Verhandlungstages sollte der Hauptbelastungszeuge, der Geschädigte Michael Werner, bringen. Ängstlich und mit leiser Stimme antwortet er auf die Fragen des Vorsitzenden Richters Manfred Schmidt. Der Angeklagte Müller sei ein Bekannter, den er hin und wieder in einer Forchheimer Brauerei getroffen habe. Ebenso der Angeklagte Köhler. In jener Brauerei habe er auch von dem verschwundenen Paket gehört und dass "in Forchheim ein Geschäft geplatzt ist".

Warum die Angeklagten das Paket bei ihm vermuteten, wisse er nicht. Cannabis habe er schon länger konsumiert, sein Arbeitskollege sei aber nicht seine einzige Bezugsquelle. Davon zeugen auch das Marihuana, die Marihuana-Pflanze und eine Aufzuchtanlage in seiner Wohnung.

Drei weitere Verhandlungstage sind für das Verfahren angesetzt: am heutigen Donnerstag, am 12. und am 16. März.