Poxdorf
Pädagogik

Schulkongress blickt nach Poxdorf

300 Lehrer werden am Donnerstag und Freitag beim Ganztagsschulkongress in Forchheim erwartet. Und alle blicken nach Poxdorf.
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Poxdorfer Tagesschüler, die noch keine Lust auf Mittagessen haben, gehen stattdessen Ball spielen. Foto: Ekkehard Roepert
Poxdorfer Tagesschüler, die noch keine Lust auf Mittagessen haben, gehen stattdessen Ball spielen. Foto: Ekkehard Roepert
Um 11.40 Uhr fahren die Erstklässler von Beate Diel die Computer runter. Das Leseprogramm ist beendet, jetzt gibt's Mittagessen. Einige Jungs rennen direkt auf den Pausenhof und spielen Fußball. In der nächsten halben Stunde füllt sich auch die Bibliothek, wo eine Kissen-Landschaft den Boden bedeckt und zum Lümmeln und Schmökern einlädt.

Das Poxdorfer Schulhaus ist geräumig. Das ist wohl ein Grund, warum die Tagesschule hier geglückt ist. Ja, Tagesschule, nicht Ganztagsschule. Schulleiter Hans Schaub unterscheidet da genau. Der Charakter einer Ganztagsschule sei definiert "durch die Vorgaben des Kultusministeriums" - und etwa dadurch, dass sich der Unterricht in Ganztagsklassen auf Vor- und Nachmittage verteile.

Dagegen die Tagesschule: "Sie definiert sich selbst." Unterricht und Betreuung werden nach Gusto verteilt. "Das Kultusministerium gibt kein festes Raster vor", sagt Schaub. Doch wirklich entscheidend für das Gelingen der Tagesschule sei etwas anderes: "Alle Betroffenen mit ins Boot zu nehmen, das war bei uns das Erfolgsrezept. Außerdem braucht man mehr betreuendes Personal als Lehrer."

Auch Gerhard Koller, ehemaliger Schulamtsdirektor (und Organisator des am Donnerstag in Forchheim beginnenden Ganztagsschulkongresses), wird nicht müde, das zu betonen. "Unser System ist so kompliziert. Es ist schwierig, die Ganztagsschule umzusetzen. Viele Lehrer sagen: Das ist nicht schlecht, aber das ist nichts für mich."

Beate Diel, die Stellvertretende Schulleiterin in Poxdorf, erinnert sich: Als sie 2008 von Effeltrich nach Poxdorf versetzt wurde, sei das schon gewöhnungsbedürftig gewesen: "Man verbringt viel mehr Zeit an der Schule, hat eine Stunde Mittag und die sechste Stunde endet um 14.15 Uhr. Da schreit nicht jeder Lehrer Hurra."

Heute, nach sechs Jahren Tagesschule, genießt sie, dass die Kinder "gerne bei uns sind". Das ist offensichtlich: Viele Schüler kommen schon um 7.15 Uhr vor Unterrichtsbeginn (8.30 Uhr) in die Frühbetreuung, um in der Schule zu spielen.

Ohne Individualität geht nichts

In vielen Forchheimer Schulen fehle es sowohl an personellen, als auch an räumlichen Möglichkeiten, weiß Gerhard Koller. Und macht keinen Hehl daraus: Viele Ganztagsschulen nennen sich zwar so, sind es aber nicht wirklich. "Außer in Poxdorf und in Wiesenthau gibt es die Ganztagsschule im Landkreis nur in Ansätzen."

Mit Räumen ist Poxdorf gesegnet. Als Hans Schaub vor zwölf Jahren seinen Dienst als Schulleiter antrat, besuchten hier 259 Schüler eine Volksschule. Dann brach die Hauptschule weg. Heute werden in der ehemaligen Volksschule 53 Tagesschüler in drei Klassen unterrichtet. Das Modell hat sich etabliert. "Das funktioniert nur", ist Hans Schaub überzeugt, "weil die Tagesschule die Individualität zulässt." Zulassen kann sie die aber nur, weil es Platz gibt: für vier Klassen, für Spiel- und Ruhezimmer, für einen Werkraum und eine Bücherei, den Garten, eine Küche und einen Speisesaal.

Am Anfang habe sich der eine oder andere Lehrer beschwert, erinnert sich der Schulleiter. Daher empfiehlt er Schulen, die das Modell etablieren wollen, "einen Leithammel - den musst du haben".

Hans Schaub übernahm die Rolle des Leithammels. Schließlich hatten sich Lehrer, Eltern, Schulamt und die Gemeinde geeinigt, die Tagesschule drei Jahre probeweise zu betreiben. Nun läuft sie im siebten Jahr und Schaub sagt, dass die gesetzten Ziele erreicht seien: Den Eltern werde "die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht". Und den Schülern die "bessere Rhythmisierung" des Unterrichts. "Wir werden jedem gerecht."
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