Kirchehrenbach
Geschichte

Schmökern in Kirchehrenbachs Goldenen Büchern: Große Namen haben sich verewigt

Was viele nicht wissen: Kirchehrenbach hat zwei Goldene Bücher. Darin haben über die Jahre zahlreiche bekannte Personen der Zeitgeschichte unterschrieben.
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Eberhard Hofmann (Mitte) trägt sich ins Goldene Buch ein - unter den Augen von Anja Gebhardt, Otto Siebenhaar und Günther Denzler. Die Bürgermeisterin nahm dies zum Anlass, nachzuschauen, wer sich noch alles im Laufe der Jahre darin unterschrieben hat. Foto: Carmen Schwind
Eberhard Hofmann (Mitte) trägt sich ins Goldene Buch ein - unter den Augen von Anja Gebhardt, Otto Siebenhaar und Günther Denzler. Die Bürgermeisterin nahm dies zum Anlass, nachzuschauen, wer sich noch alles im Laufe der Jahre darin unterschrieben hat. Foto: Carmen Schwind
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Im September hat Eberhard Hofmann aus Kirchehrenbach die Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken im Kirchehrenbacher Rathaus vom Bezirkstagspräsidenten Günther Denzler verliehen bekommen. Zu diesem Anlass trugen sich die Gäste ins Goldene Buch der Gemeinde ein. Das nahmen Bürgermeisterin Anja Gebhardt (SPD) und Verwaltungsmitarbeiter Johannes Barthelmes zum Anlass, im Goldenen Buch der Gemeinde "zu schmökern". Richtigerweise sind es zwei Goldene Bücher.

Erste Unterschrift von Freiherr zu Guttenberg

Das Neue wurde anlässlich der 20-jährigen Partnerschaft mit der Gemeinde Hassel angelegt. "Hassel hatte kein Goldenes Buch, deshalb hat man zwei identische gemacht", erklärt Barthelmes. Die erste Unterschrift im älteren Buch stammt aus dem Jahr 1975 von Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg. Er war von 1957 bis zum 1972 Mitglied des Deutschen Bundestages. 1957 und 1961 wurde er im Bundestagswahlkreis Forchheim direkt gewählt. "Das war der Großvater vom jetzigen Karl-Theodor zu Guttenberg. Er war ein recht volksnaher Politiker und großzügig zu den Vereinen", erzählt Barthelmes.

Der nächste Eintrag ist Französisch, die Unterschrift nicht leserlich und stammt vom 26. Juli 1975. "Das ist wahrscheinlich der französische Kriegsgefangene, der Kirchehrenbach oft besucht hat", vermutet Gebhardt und erinnert sich an die Geschichten, die ihre Eltern erzählt haben. Der Franzose war im zweiten Weltkrieg zum Arbeitsdienst im Ort eingeteilt gewesen und war von den Kirchehrenbacher gut behandelt worden. "Es ist wirklich interessant, wer sich alles eingetragen hat", meint die Bürgermeisterin.

Bekannte Sportler, Minister und Geistliche

Zum Beispiel haben sich Paul Lux verewigt, Deutscher Meister und Europameister im Gewichtheben, David Terbeck, Bayerischer Karatemeister, oder Downhill-Biker Lucas Sitzmann. "Und hier kann man den Karriereverlauf von unserem Lukas Kohl und seinem Kunstrad verfolgen", ergänzt Gebhardt. Auch bekannte Politiker haben sich in die Goldenen Bücher eingetragen. Im September 1976 gratulierte beispielsweise der damalige Bundestagsabgeordnete Hans de With den Kirchehrenbachern "zu bisherigen Leistungen". Bundestagsabgeordneter Thomas Silberhorn, der ehemalige Staatsminister Erwin Huber oder die ehemalige Bundesministerin Renate Schmidt trugen sich ebenfalls in die Goldenen Bücher ein. Der ehemalige Staatsminister Werner Schnappauf beschreibt die "Steinerne Frau" als schönstes Geotop Bayerns. Und Anja Gebhardt erinnert sich an den Sicherheitsaufwand im November 2011 zum Besuch vom damaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich.

Alle Bamberger Erzbischöfe seit den 70er Jahren haben sich ebenfalls eingetragen wie auch die Ordensschwestern der Englischen Fräulein, als sie 2001 das jetzige Rathaus an die Gemeinde übergaben.

Neben Kirchehrenbacher Geistlichen ist auch die Unterschrift von Schwester Thomasina Gebhard zu finden, die nach Amerika ging, um dort für die Ärmsten da zu sein. Ihr Bruder Heinrich Gebhard ging 1954 ebenfalls in die USA. Als NASA-Ingenieur überprüfte er den Motor, der bei der ersten Mondlandung 1969 in der Landefähre "Eagle" für den Abstieg zuständig war. Seine amerikanischen Kollegen nannten ihn "Hank". "Weil aus Kirchehrenbach so viele Geistliche kamen, wurden wir in der Diözese das ‚geistliche Mistbeet‘ genannt", verrät Johannes Barthelmes.

Internationale Beziehungen verbessern

1988 trug sich eine Delegation des russischen Fußballvereins Krasnaja Presnja Moskau ein. Sie hofften, dass der Besuch dazu beträgt, die Beziehungen zwischen den Ländern zu verbessern, "und das Vertrauen der Deutschen und der Rassen untereinander zu stärken". Auch der damalige Präsident der polnischen Akademie der Wissenschaften hat sich in Kirchehrenbach verewigt. Neben Politikern und Vereinsmitgliedern ist auch die Unterschrift von Theo Schnitzerlein zu finden, der das Kirchehrenbacher Heimatlied schrieb.

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