Forchheim
Zusammenleben

Schmetterlinge im Bauch sind weg

Die Forchheimer Städtepartnerschaften stehen auf dem Prüfstand. Bei einem Treffen sollen die gegenseitigen Erwartungen abgefragt werden.
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Einige der Kontakte sind verblasst und haben Moos angesetzt.  Foto: JH
Einige der Kontakte sind verblasst und haben Moos angesetzt. Foto: JH
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Als "größte Friedensbewegung aller Zeiten" bezeichnete Stadtrat Thomas Werner die über 6000 Partnerschaften, die zwischen deutschen Kommunen und ehemaligen Feinden geschlossen wurden. Mit dem Verständnis füreinander wagen sei ein völlig neues Kapitel in der Geschichte aufgeschlagen worden. Doch einige der Beziehungen, die Forchheim unterhält, sind abgekühlt.

Dies stellte Nico Cieslar von der Tourist-Information, dem der Bereich Städtepartnerschaften zugeordnet wurden, bei der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses fest. Er konfrontierte die Stadträte mit den Fragen: "Wie soll eine Partnerschaft in Zukunft aussehen? Reichen die Aktivitäten oder sollten mehrere gemeinsame Projekte in den Bereichen Wissenschaft und Wirtschaft, Bildung, Kunst und Kultur angestrebt werden? oder "wie soll eine Partnerschaft organisatorisch und personell aufgestellt werden?"

Da kleinstaatliches, nationalistisches Denken und separatistische Tendenzen auch in Europa immer mehr auf dem Vormarsch seien, müsse eine länder- und staatenübergreifende Freundschaft als Privileg betrachtet werden, fand Stadtrat Manfred Hümmer (FW).

Es passiert zu wenig

Er räumte aber auch ein: "Bei solchen Partnerschaften ist es wie bei Beziehungen. Da verschwinden im Laufe der Zeit die Schmetterlinge im Bauch, die beide am Anfang hatten." Im Alltag gehe die Liebe unter.

Dies trifft wohl am ehesten auf die 1990 unterzeichnete Städtefreundschaft zwischen Forchheim und Pößneck (Thüringen) zu. Ziel war es, "die gewachsenen freundschaftlichen Verbindungen zwischen Bürgern und Vereinen beider Städte zu fördern und sie unter Einbeziehung der Jugend auf den Gebieten der Kultur, des Sports und der Wirtschaft auszubauen und zu vertiefen." Geblieben sei davon nicht viel, bekannte Nico Cieslar. Außer dem Besuch beim Annafest, zu dem drei Vertreter aus Thüringen Kommune empfangen werden, passiere da "praktisch nichts".

Ähnliches gilt wohl für die 1995 geschlossene Partnerschaft mit Broumov (Braunau) in Tschechien. Bislang hatte sich Alfred Schwanse für den Aufbau eines neuen Vertrauensverhältnisses mit den jetzigen Bewohnern und Repräsentanten im Nordosten Böhmens eingesetzt. Doch aus Altersgründen muss Schwanse sein Mandat als Partnerschaftsbeauftragter niederlegen. Altersbedingt wird auch die Zahl der Heimatvertrieben aus dieser Gegend immer weniger.

Partnerschaften leben

Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde mit Rovereto jährt sich heuer zum 30. Mal. Es gibt regen Kontakt zwischen den Feuerwehren, die Chöre treten in der Partnerkommune auf, es gibt einen Jugendaustausch und sportliche Wettkämpfe. Diese Partnerschaft sei vor allem deshalb so lebendig, weil Stadtrat Reinhold Otzelberger (CSU) perfekt italienisch spricht und sich hier enorm engagiert.

Für eine gelebte Partnerschaft seien Sprachkenntnisse unabdingbar, bekannte Albert Dorn (FW), der 1974 die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde mit Le Perreux (Frankreich) miterlebt hat. Diese Partnerschaft, um die sich Stadtrat Stefan Schick (FDP) kümmert, habe ebenso gute Zukunftschancen wie die Beziehung zum rumänischen Gherla. Forchheim unterstützt eine Lehrkraft, die dort deutsch unterrichtet. Unter der Leitung von Gerhard Käding seien Hilfsprojekte unterstützt worden. Auch auf dem Weihnachtsmarkt ist Gherla präsent.

Roppen dagegen ist weitgehend nur Skifahrern und Mitgliedern des Alpenvereins ein Begriff. Die Räte einigten sich schließlich darauf, sich zusammensetzen und herauszufinden, welche Erwartungen die Partner gegenseitig haben. Am Geld, versicherte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD), sollen die Partnerschaften jedenfalls nicht scheitern.

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