Großenohe
Flurbereinigung

Schlussstrich unter Streit und Straßenbau

Die Debatte um Naturschutz kontra Landwirtschaft in Großenohe rief vor 20 Jahren das Fernsehen auf den Plan. Nun konnte das Verfahren abgeschlossen werden.
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Anton Hepple vom Amt für ländliche Entwicklung und Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer enthüllen die Gedenktafel zum Abschluss der Flurbereinigung.Petra  Malbrich
Anton Hepple vom Amt für ländliche Entwicklung und Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer enthüllen die Gedenktafel zum Abschluss der Flurbereinigung.Petra Malbrich

Ein landschaftliches Paradies ist das kleine Dorf Großenohe und hat es vor Jahren sowohl ins Fernsehen geschafft als auch Franz-Josef Strauß, damals bayerischer Ministerpräsident und Edmund Stoiber, damals bayerischer Innenminister, auf den Plan gerufen. Nicht wegen der landschaftlichen Schönheit, sondern wegen der Flurbereinigung und Dorfverschönerung, die vor 20 Jahren begann und nun feierlich zum Abschluss gebracht wurde.

Von den 1,1 Millionen Euro Gesamtkosten muss die Gemeinde 460 000 Euro selbst leisten. "So schön das ländliche Leben mit dem Häuschen im Grünen ist, es braucht eine Infrastruktur", erklärte Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer die Anfänge. Die Infrastruktur, um als Landwirt die Felder zu bearbeiten und als Privatperson von der Arbeit ins Eigenheim zu gelangen.

"Ein rotes Tuch"

"Doch im Landkreis Forchheim war in den 80er Jahren das Thema Flurbereinigung ein rotes Tuch", ergänzte Gudrun Kraus, die Vorsitzende des Verfahrens vom Amt für ländliche Entwicklung Oberfranken, und ließ die 20 Jahre Revue passieren. Als Schulze-Bauers Amtsvorgänger Johann Held 1985 die Flurbereinigung anregte, waren 15 von 18 Großenoher Bürgern dafür. Der damalige Direktor des Bauernverbands bat Strauß, das Verfahren noch im selben Jahr anzuordnen. Doch bei der Aufklärungsveranstaltung einige Monate später, waren elf Personen gegen die Flurbereinigung, so dass Überzeugungsarbeit geleistet wurde. Mit Erfolg.

Die Gruppenflurbereinigung Hiltpoltstein-West mit Großenohe, Kappel-Kemmathen und Schossaritz wurde im Februar 1986 angeordnet und die Planungen für das Wegenetz begannen. Nach drei Jahren verhärteten sich die Fronten wegen des Ausbaus der Straße zwischen Schossaritz und Großenohe. Da waren die Naturschützer und Naturschutzverbände auf der einen Seite und die Landwirte, der Markt Hiltpoltstein und das Landratsamt auf der anderen Seite. Grund dafür war der drei Meter breite geplante Wirtschaftsweg, der laut Marktgemeinde eine 4, 5 Meter breite Gemeindeverbindungsstraße werden sollte.

Weniger Zuschüsse

Die Naturschützer sahen es als Verfüllung des Trockentals. In der Fernsehsendung "Unkraut" im Bayerischen Fernsehen wurde das unter dem Titel "Verdreckt, versaut, versiegelt" aufgezeigt. Stoiber musste die Umweltfragen von Landtagspräsidenten Helmut Rothemund beantworten.

Der Ausbau dieser Verbindungsstraße war der Startschuss für die Flurbereinigung in Großenohe. 13,4 Kilometer Straßen, darunter auch die Straße zur Spießmühle und Pflasterwege, wurden ausgebaut. 845 000 Euro kosteten diese Investition, die mit 782 000 Euro bezuschusst wurde.

Später wurden die Zuschüsse gekürzt, was einen weiteren Aufschub notwendig machte. Auch die Politik bremste und Jahre später konnten dann doch neue Flurstücke eingewiesen und Ausgleichsflächen hergestellt werden. Wieder stellten sich Naturschützer dagegen, obwohl fast doppelt so viele Ausgleichsflächen geschaffen wurden als gefordert. Hecken wurden versetzt, Fichten wurden gefällt, um den Kalkmagerrasen, die Wacholderbestände und die dort befindliche Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten.

Als Eingriff in die Natur betrachteten das die Naturschützer, den Preis "Bauern als Naturschützer" erhielten die Großennoher Landwirte von der landwirtschaftlichen Zeitschrift "top agrar". Nachträglich wurde schließlich noch die Dorferneuerung aufgenommen.

Werden die Kosten umgelegt?

Heikel wurde es für Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer dann, als es um die Kosten für die Maßnahmen ging. Altbürgermeister Johann Deuerlein versprach den Bürgern, die Kosten der Kommune würde nicht als Straßenausbaubeitrag auf die Anleger umgelegt werden. Der Markt Hiltpoltstein hatte aber große finanzielle Probleme, als Gisela Schulze-Bauer das Amt angetreten hatte. Der Haushalt mit der Dorferneuerung wurde vom Landratsamt nicht genehmigt, nur die Planung. Die Kosten mussten umgelegt werden.

"Da habe ich meine Großenoher schätzen gelernt", lobte Schulze-Bauer. Letztendlich verzögerte sich die Maßnahme wegen neuer Richtlinien erneut. Das wurde für die Großenoher zum Glücksfall, denn inzwischen sind die Straßenausbaubeiträge abgeschafft. Die Gedenktafel konnte dann von Anton Hepple, Leiter des Amts für ländliche Entwicklung und Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer enthüllt werden.

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