Forchheim
Auflösung

Schluss, aus - aber nicht vorbei

Fast genau 27 Jahre nach seiner Gründung gehört der Verein Megafon bald wieder der Geschichte an. Seine Mission geht jedoch weiter.
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Sie führen die kulturelle Arbeit des Vereins Megafon als Arbeitsgruppe fort (v.l.): Robert Hübschmann, Nadine Fleischmann, Tobias Seitz und Tino Reichardt Foto: Elisabeth Görner
Sie führen die kulturelle Arbeit des Vereins Megafon als Arbeitsgruppe fort (v.l.): Robert Hübschmann, Nadine Fleischmann, Tobias Seitz und Tino Reichardt Foto: Elisabeth Görner

"Bye bye Megafon e.V." So las es sich auf der Einladung zur Jahreshauptversammlung des Vereins, der Ende 1992 aus der Taufe gehoben worden war und nun wieder von der Bildfläche verschwindet. Ziel war es stets, der Forchheimer Rockmusikszene eine Plattform zu bieten. Vernetzung, gegenseitige Unterstützung oder Imagepflege lagen dabei in Fokus.

Doch in Forchheim fehlt der Nachwuchs: Rockmusik, junge Bands oder kreative Newcomer - das alles sieht der Megafon-Vorstand derzeit nicht. Die bloße Verwaltung des Vereins ist nur noch Belastung.

Und so hing im kleinen Büroraum des Vereins - der ursprünglich angedachte Saal im Jugendhaus wäre für die nicht einmal zehn bei der Hauptversammlung anwesenden Mitglieder auch viel zu groß gewesen - eine Mischung aus Melancholie und Rationalität in der Luft.

Was macht man, wenn einem vor 27 Jahren mit Elan gegründeten Verein nicht nur die Mitglieder schwinden (aber es sind offiziell immerhin noch 110) und auch kein Nachwuchs kommt, der sich im Vereinsleben engagieren möchte? Wenn vor allem der ursprüngliche Sinn des gemeinnützigen Vereins, nämlich Bands junger Musiker zu vernetzen und Konzerte zu organisieren, praktisch nicht mehr gegeben ist?

Tino Reichardt, Gerhard Weiß und seine Tochter Nina (mit 25 Jahren die Jüngste in diesem Kreis), Jochen Messingschlager, Nadine Fleischmann, Matthias Gräbner, Tobias Seitz und Robert Hübschmann (fast alle selber Musiker ) hielten erst einmal - wie vorgeschrieben - eine ganz normale Hauptversammlung ab.

Es wurde über den Kassenstand berichtet und über die Aktivitäten im zurückliegenden Jahr: Poetry Slam (weil da immer auch Musiker mit dabei sind), Kneipenfest oder Jam Sessions, die auch weiter gemacht werden sollen. Kassier und Vorstand wurden entlastet.

Letzterer wurde pro forma per Akklamation auch gleich wiedergewählt. Doch die nun folgende Amtszeit wird von überschaubarer Dauer sein, ehe sich der gemeinnützige und eingetragene Verein Megafon als solcher auflöst. Eine dafür notwendige Auflösungsversammlung mit einer beschlussfähigen Anzahl an Mitgliedern soll im April 2020 stattfinden.

Vernetzung läuft heute anders

"Wir kränkeln hier seit Jahren rum", erklärte Reichardt. Eine bezeichnende Aussage. Die Auflösung müsse jetzt gemacht werden. Der Bürokratismus, aber auch mangelnde beziehungsweise zu späte Unterstützung durch die Stadt Forchheim seien zumindest mit ursächlich für die derzeitige Situation. "Aber in erster Linie macht sich die Digitalisierung in der Musikszene sehr deutlich bemerkbar, besonders bei den ganz jungen Leuten."

Während in den 90er-Jahren und Anfang der 2000er die damals noch existenten 20 bis 30 Rock- und Pop-Bands in Forchheim auf so einen Verein wie Megafon angewiesen waren und sich über jede organisatorische und technische Hilfe freuten, seien die wenigen heutigen Jungmusiker über Handys, Smartphones und ähnliche Kommunikationsmittel bestens informiert.

Sie stünden miteinander im Kontakt und lieferten mit ihren Instrumenten sowie über ihre Verstärker oft auch hervorragende Tonqualität. Die anwesenden Vereinsmitglieder (heute im Alter von Anfang 30 bis Anfang 60) berichteten neidlos und sogar mit Bewunderung davon.

Aber noch ist nicht aller Tage Abend, denn Megafon wird ohne Vereinsstatus weiterleben. Und zwar als Arbeitsgruppe unter dem Dach den Jungen Theaters Forchheim (JTF). Die Beziehung zwischen den beiden Kunst- und Kultureinrichtungen war seit jeher eng, ja, einige Megafon-Mitglieder sind längst auch schon beim Jungen Theater angemeldet. Man hilft sich auch personell bei Veranstaltungen.

Dazu kommt, dass Megafon schon immer der "Stammtisch" der Forchheimer (Rock-) Musiker war, an dem man auch privat ab und zu sein Herz ausschütten konnte - und auch das soll so bleiben.

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