Forchheim
Infrastruktur

Sanierungsstau: In Forchheim bröckeln die Brücken

Seit vielen Jahren findet die Stadt Forchheim kein Mittel gegen den Sanierungsstau. Jetzt wird der Ruf nach mehr Personal im Tiefbauamt laut.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit der Note 3,8 gehört die Brücke An der Holzstraße in Reuth zu den am schlechtesten bewerteten Bauwerken in Forchheim. Foto: Josef Hofbauer
Mit der Note 3,8 gehört die Brücke An der Holzstraße in Reuth zu den am schlechtesten bewerteten Bauwerken in Forchheim. Foto: Josef Hofbauer
+1 Bild

Zwischen Schulnoten und Brückennoten gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während in der Schule die Note Vier für eine "ausreichende" Leistung steht, stellt eine mit Vier benotete Brücke ein desaströses Zeugnis aus. Werner Schaup, der Leiter des Tiefbauamtes, hatte schon 2014 gewarnt: Ein Drittel der 55 Forchheimer Brücken habe schlechte Noten; 18 Bauwerke würden mit einer Drei bewertet. Anders als in der Schule ist das nicht "befriedigend"; wenn Brücken-Prüfer eine Drei vergeben, heißt das: Ein Eingriff steht dringend an.

Das war vor vier Jahren. Zwei Jahre später kündigte dann die CSU an, einen "Geld- und Terminplan" für die Brücken-Sanierungen vorzulegen. Wie sich jetzt, nochmal zwei Jahre später, zeigt, hat das am Sanierungsstau der Forchheimer Brücken nichts geändert.

Im jüngsten Planungsausschuss sprach Werner Schaup wieder einmal über die 55 Bauwerke in der "wasser- und brückenreichen Stadt Forchheim". Dabei wies er auf Brücken hin, die sich auf die Note Vier zubewegen. Spätestens dann müssten sie nicht nur für Autos, sondern auch für Fußgänger gesperrt werden. Schaup nannte drei Brücken-Sorgenkinder, um die sich die Stadt unmittelbar kümmern muss: Die Zufahrt zum Alten Krankenhaus sei mit 3,3 bewertet. Bedeutet: "Nicht ausreichender Zustand." Die Brücke in der Von-Guttenberg- Straße steht bei 3,4 - sie wurde für den Autoverkehr gesperrt. Noch schlechter steht die Brücke An der Holzstraße in Reuth da: Note 3,8.

Daueraufgabe

Wie beim Straßenunterhalt, hat das Tiefbauamt auch beim Brückenunterhalt dieses Problem: Das jährliche Budget liegt deutlich unter dem, was für die dringlichsten Maßnahmen benötigt würde. Um den Sanierungsstau aufzulösen, müssten jährlich 250 000 Euro in die Forchheimer Brücken gesteckt werden, sagt Werner Schaup. Doch für das kommende Jahr seien wieder nur 120 000 Euro angemeldet.

Dennoch gibt sich CSU-Stadtrat Günther Hammer zuversichtlich. Ein Fass ohne Boden sei das Thema nicht - "aber eine Daueraufgabe durchaus". Zum einen fordert er, dass die Stadt alte Verträge mit Landwirten durchforstet; kleinere Brücken, die von niemand mehr genutzt würden, sollten auch nicht mehr unterhalten werden. Zudem appelliert Hammer, dass dem Tiefbauamt nicht regelmäßig jene Summen gestrichen werden, die bei den Etatberatungen in Aussicht gestellt werden.

Für die Straßensanierung sollten, so Hammers Forderung, im kommenden Jahr rund 1,5 Millionen ausgegeben werden; statt der zuletzt 650 000 Euro. Und um auch bei den Brücken die Mindestanforderung von 250 000 Euro pro Jahr zu erfüllen, werde er sich bei den kommenden Etatberatungen für eine Personalverstärkung einsetzten. Dank der momentan glänzenden Gewerbesteuereinnahmen sei dies möglich. Mit dem Ruf nach "mehr Manpower im Tiefbauamt" wird Günther Hammer auf jeden Fall die Freien Wähler auf seiner Seite haben. Am Mittwoch bekräftigte Stadtrat Ludwig Preusch eine alte FW-Position: "Man muss mehr tun, als getan worden ist." Bislang habe die personelle Situation im Tiefbauamt aber auch nicht mehr erlaubt. Daher würden die Freien Wähler "in den Haushaltsberatungen mehr Personal fordern". Die Überlegung dahinter sei zwingend, sagt Preusch: "Wenn wir die Brücken und Straßen rechtzeitig reparieren, sparen wir das Geld, das wir neues Personal ausgeben, wieder ein."

Aktuell arbeiten im Tiefbauamt fünf Mitarbeiter. Sie sind für die Straßen, die Brücken und den Hochwasserschutz zuständig. Sollte den Tiefbauern, wie von den Stadträten vergangene Woche versprochen, 2019 deutlich mehr Geld zur Verfügung stehen, dann könnten die Planer allerdings an ihre Grenzen kommen: "Wenn wir eine Million alleine für die Straßen hätten, dann müssten wir uns schon ranhalten", sagt Werner Schaup. "Als Straßenbauer" hoffe er zwar, "dass es kommt".

Doch man müsse so ein Budget "auch realistisch sehen", betont Schaup. Zwar gebe es in Forchheim theoretisch 39 Kilometer Straßen zu reparieren. Aber: Sie zu sanieren, bedeute ja auch, 39 Kilometer Straße im Stadtgebiet zu sperren. Schaup: "Das geht nicht, der Verkehr muss fließen, ich muss Stadt am Leben erhalten. Daher ist so eine Zahl wie 39 eine abstrakte Zahl."



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren