Forchheim
Konzert

Requiem in der Forchheimer Johannis-Kirche: Musik an der Schwelle des Todes

Forchheim erlebte mit der Aufführung von Mozarts "Requiem" in der Johannis-Kirche eine musikalische Sternstunde. Der Liederverein ist bestens gerüstet für sein Jubiläumsjahr.
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Eine mehr als überzeugende Leistung präsentierte der Projektchor bei der Aufführung von Mozarts Requiem.Hansotto Neubauer
Eine mehr als überzeugende Leistung präsentierte der Projektchor bei der Aufführung von Mozarts Requiem.Hansotto Neubauer
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"Das war so ergreifend, ich konnte die Tränen nicht unterdrücken, schon vom ersten Ton an." So beschrieb eine Besucherin ihre Gefühle nach dem Konzert, in der bis zum letzten Platz gefüllten Johannis-Kirche. Der Liederverein Forchheim hat Mozarts "Requiem" in einer überwältigenden Aufführung dargeboten.

Der Weg dahin war weit. Dirigent Alexander Ezhelev hat seinen Chor mit Sängerinnen und Sängern verstärkt, und alle sind im Lauf der Proben zu einer großen Sängerfamilie zusammengewachsen. So kam ein Projektchor von 70 Sängern zustande, auch ein wirkungsvoll agierendes Kammerorchester wurde gefunden.

Vor allem mussten Wege der Finanzierung gefunden werden. Vor allem die Volkshochschule und die Gesellschaft zur Förderung von Kultur, aber auch private Geldgeber traten als Sponsoren auf. In intensiver Probenarbeit hat Alexander Ezhelev die "zusammengewürfelte" Sängerschar zu einem geschlossenen Klangkörper verschmolzen, der seinem stets fordernden Dirigenten präzise folgte.

In einfühlsamen Worten führte Rainer Streng in Mozarts Requiem ein. Streng spannte den Bogen von der tragischen Geschichte der Entstehung bis zu den Gefühlen Mozarts, die angesichts seiner schweren Krankheit zwischen Todessehnsucht und Angst vor dem Sterben schwankten. Mozart war überzeugt, dass er seine eigene Totenmesse schreibe. Diese Gefühle klingen schon in den ersten Tönen des Introitus an.

Der Chor sehnt sich in düsterer Trauer nach ewiger Ruhe "requiem aeternam".

Dann flammt im Forte des Soprans die Bitte nach Erlösung auf, um zu einem Hauch der 70 Stimmen abzusinken. Mit Wucht entfaltet sich das "Dies irae", der Tag des letzten Gerichts. Angetrieben vom Dirigenten kann die Stimmgewalt des Chors große Gefühle wecken. Ezhelev und sein Chor suchen die emotionale Fülle und finden sie. Was ist da ein Piano, das im Schwung der Begeisterung zu kurz kommt. Die Hörer sind mitgerissen.

Das "Tuba mirum" gestalten die Solisten. Das majestätische Motiv der Posaune, die zum Gericht ruft, greift Hyunho Yoo aus Südkorea mit füligem Bass auf. Die Altistin Stefanie Weidmann aus Graz antwortet mit warmer, voller Altstimme im Zusammenklang mit dem hellen Tenor des Chinesen Yajun Yu. Mit klarem Sopran bringt Elena Belakova die fromme Zuversicht der Gläubigen zum Ausdruck.

Doch den Übeltätern droht die Verdammnis. Im scharf akzentuierten "Confutatis maledicits" schreien die Männerstimmen die Angst der Sünder vor der Höllenglut hinaus. Im tränenreichen "Lacrimosa" zeigt sich die Wandlungsfähigkeit des Chors. Um Gnade flehende Stimme bitten innig anrührend um Erlösung nach dem Tod.

Die Erlösung durch den Tod, hat Mozart an dieser Stelle gefunden. Alexander Ezhelev senkt schweigend das Haupt. Der Schüler von Mozart, Franz Xaver Süßmayr, schrieb das Requiem zu Ende, ein Bruch ist nicht zu hören. Der Geist und vielleicht auch Notizen von Mozart haben ihn beflügelt, das große Werk abzurunden. Rainer Streng weist auf eine wunderbare Idee Süßmayrs hin. Das grandiose Werk endet mit der großen Doppelfuge aus dem Kyrie des Anfangs. Der Meister hat das erste und letzte Wort.

Mozarts Requiem mit Musik von fast überirdischer Schönheit ist verklungen. Lang anhaltende ergriffene Stille. Kein Laut im übervollen Kirchenraum. Dann bricht der Beifall der zutiefst bewegten Besucher los. Forchheim erlebte eine musikalische Sternstunde. Der Liederverein ist auf einem guten Weg in sein Jubiläumsjahr.

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