Forchheim

Reinhold Schmitt packt die Volksseele in Verse

Im Verlag Forchheimer Reihe erscheint Reinhold Schmitts fünftes Buch mit dem Titel "O Heilichäs". Im Mittelpunkt stehen darin weniger die Geschichten als die Sprache: fränkische Mundart.
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Reinhold Schmitt in seiner DichterstubeFoto: Wuttke
Reinhold Schmitt in seiner DichterstubeFoto: Wuttke
Ist der Forchheimer eher artig oder unartig? Diese Frage stellte sich beim Untertitel für das fünfte Buch des Mundart-Schriftstellers Reinhold Schmitt, das jetzt im Verlag Forchheimer Reihe F. Streit erschienen ist. Titel: "O Heilichäs".

Für Verleger Franz Streit ist das keine Frage. Der Forchheimer ist für ihn zuerst "unartig", und so sieht er es auch auf den 144 Seiten des in dunkelblauem Leinen erschienenen Buches von Reinhold Schmitt gespiegelt. Der Franke ist wendig, witzig, widersprüchlich, hat Hans Max von Aufseß konstatiert. Er lässt sich in keine Schublade stecken.

Der Charme des Dialekts

Das unterschreibt der Forchheimer gerne. Hinzu kommt: Er beobachtet genau, spintisiert, verirrt sich in abwegigen Gedanken. Frank Barwasser alias Pelzig ist das ideale Beispiel.
Die Einschätzung oder Beurteilung einer Situation fiele brutal offen aus, und eine Liebeserklärung hätte den Charme einer Analyse, geschehe diese in der Hochsprache.

Aber der Franke, sprich Forchheimer, hat seinen Dialekt. Der rundet die Kanten, nimmt die Schärfe. Am Stammtisch herrscht daneben der Ehrenkodex, dass jeder sprechen darf, ohne dass er einen Nachteil zu befürchten hat, gar justiziabel belangt werden könnte.

Das hat Reinhold Schmitt längst beobachtet, und er weiß, dass die Seele der Franken im Allgemeinen und Forchheimer im Besondern in die Mundart gebettet ist. Wie kommt Schmitt zu seinen Themen? "Man hört etwas, der Zufall schenkt einem einen Gedankenblitz, aber die Idee ist entscheidend. Dann fließt es."

Frei, frech, komisch

Schmitt packt das Du und Ich, das Mein und Dein, das Gestern und Heute, das Gefällige und Heikle, die Unbeholfenheit und das Perfekte in Versform und in kleine Geschichten, die er als früher Staffelsteiner und Reuther, dann als Lehrer, Sänger und Musiker in Forchheim oft selbst erlebt hat.

So frei, so frech, so komisch, so hintersinnig sie auch daherkommen - Schmitt ist auf der anderen Seite auch grüblerisch. Zum Beispiel, wenn er darüber nachdenkt, dass eine Aussage, wenn sie gedruckt, "etwas Ewiges ist". In erster Linie aber geht es ihm darum, "die Leut‘ zum Lachen zu bringa". "Das ist mein Ideal", sagt er.
Mundart geschrieben (und vorgelesen) bedeutet auch die Möglichkeit, einen Teil der Seele des Volks zu bewahren. Dafür kann man Schmitt - und andere Autoren - nicht genug loben.

Wenn es heißt Sich oozäsäua, die Muggnbaddschn hulln, wenn Frauen schendn, jemand hinderfotzich handelt und das einem sieedhaß bewußt wird - dann fühlt man sich in diesen Begriffen, wie sie im Buch vorkommen, nichts als wohl.

Der Fächer der unartigen, artigen und "bisweilen frivolen" Texte ist weit gespannt. Prinzip ist, das Alltägliche zu reflektieren, so dass das Wiedererkennen zum Lustgewinn wird.

Köstlich Schmitts Gedicht vom "großn Glügg", das sich dann einstellt, "wenn im Gedärm der Drugg oosteichd und nirgends sich a Ördla zeichd", aber Lösung in Sicht ist. Gemütlichkeit ist, sich an "guudn Kaffee" zu machen. Wenn aber kein Kuchen im Haus ist, dann ist das kein Kaffee!

Romantik weicht fränkischem Pragmatismus: "Der Schoofbätz, der von der blühend Wiesn die schöö Blumma frißt." Und weiter: "Banausn gäbd's, also waaßd naa, etz is des schööna Blümla fodd! Bedenggn müss mär obber aa, bloß vo dä Schönheid wersd ned sodd".

Oder die Vögel im Frühling: "Wenn s‘ zwidschern dun, gfelld des die Leud, so machen uns die Vögl Freud". Aber dann: "Den Gaddndisch, den Gaddnstull, den scheißn s‘ immer widder vull". Für Katzen fordert er: "Terrassenrein, so müssdn s‘ wern, donn hedd mä s‘ gleich drei mol so gern."

Heikle Erotik

Die Liebe und das weibliche Geschlecht - da stößt Mundart-Erotik in "unartige" Grenzbereiche, die man aber augenzwinkernd tolerieren kann. Bei der Nabelschau, die den Ober- vom Unterleib trennt, kriegt der Autor, bevor er in den "gefährlichen Bereich" kommt, noch rechtzeitig die Kurve: "Do könnäd etz fei guud und gern a echda Unkeuschheid draus wern. Nu diefer eizudringa gedd desweng aus Onstondsgründn ned."

Schmitt versöhnt uns dafür, wenn er "Franggnmaadla" im Vergleich zu Schönheiten in Urlaubsländern so besingt: "Mei Scheißäla, ich mooch dich fei, und so kosd mid ihr einich sei. Zidrona-Blüdn-Dufd - no ja! Guud rieng dun Veichäla fei aa."

Buch "O Heilichäs - Unartiges und Artiges in Forchheimer Mundart" ist das fünfte Buch von Reinhold Schmitt. Es ist im Verlag Forchheimer Reihe erschienen. Das Buch hat 144 Seiten und Zeichnungen von Werner Rössler.

Lesung Am Donnerstag, 14. November, liest Schmitt um 19.30 Uhr im Forchheimer Rathaussaal aus seinem Buch. Zuvor führt Dieter George in das Schaffen Schmitts ein.

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