Forchheim
Kulturentwicklung

Kulturentwicklung in Forchheim: Raum ist da, die Aussagen fehlen

Die Forchheimer warten, dass das Kolpinghaus bespielbar ist. Der Stadtrat wartet auf das Kulturzentrum - und alle warten auf ein Kulturreferat.
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Auf dem Kolpinghaus ruht die Hoffnung vieler Lokalpolitiker und Kulturschaffender, dass Forchheim ein Kulturzentrum erhält. Foto: E. Roepert
Auf dem Kolpinghaus ruht die Hoffnung vieler Lokalpolitiker und Kulturschaffender, dass Forchheim ein Kulturzentrum erhält. Foto: E. Roepert

Der umjubelte Auftritt des Humoristen Hubert Forscht ging jüngst in der ausverkauften Eggerbachhalle über die Bühne. Und wenn die Buckenhofener Blasmusiker demnächst in die Saison starten, werden sie der Gemeinde Eggolsheim abermals eine volle Halle bescheren. Das sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wie sich die Stadt Forchheim um die Früchte ihrer Kulturarbeit bringt, weil keine funktionierende Spielstätte bereit steht.

Der Kulturentwicklungsplan will das ändern, doch er ist bislang nicht greifbar. Die Initiative Kulturpuls und ein Großteil des Stadtrates wollen das Haus am Kolpingplatz zu einem Kulturzentrum umbauen. Auf der Suche nach Lösungen waren im November Kulturschaffende und Lokalpolitiker nach Fürth gereist. Im Berolzheimerianum gab Theaterdirektor Volker Heißmann Einblicke, wie ein erfolgreiches Haus funktionieren könnte. Die Begeisterung war groß. "Salonatmosphäre läuft überall", urteilte Peter Kammler, der Dirigent der Neuen Philharmonie Forchheim. Auch Astrid Haas (Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung von Kultur in Forchheim) war angetan: Es sei zeitgemäß, den Event-Charakter zu betonen: "Die Leute wollen nicht mehr nur hören und belehrt werden."

Letztlich verdeutlichte der Besuch in Fürth die hohen unterschiedlichen Erwartungen an ein Kulturzentrum Kolpinghaus: "Wenn ich 100 Leute auf der Bühne brauche, dann muss ich diese Möglichkeit auch haben", sagt etwa Gisela Steinlein (Liederverein). Für das Große Orchester des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen sei Kolping "bühnentechnisch zu klein" betont Vorstandsmitglied Heiner Kredel. Weshalb Dirigent Andreas Bauer unumwunden sagt: "Mein Wunsch wären zwei Häuser."

Was will ich?

"Allen Vereinen Genüge tun, das geht nicht", hatte Volker Heißmann gewarnt. Forchheim müsse erst "die wichtigste Frage" beantworten: Was will ich?

Lorenz Deutsch, der den Kulturentwicklungsplan mitmoderiert und Künstlerischer Leiter des Jungen Theaters Forchheim (JTF) ist, betont die Vielfalt der Forderungen: "Der Kulturpuls geschieht nicht aus Eigeninteresse, es ist ein Querschnitt durch die Szene." Deutsch will vor allem eines: Das Kolpinghaus schnell bespielbar machen.

Udo Schönfelder (CSU-Stadtrat) kam im Nachgang der Fürth-Exkursion zum Schluss, dass bei der Kulturentwicklung "die Struktur nicht erkennbar ist". Das habe auch der jüngste Workshop gezeigt: "Ich kann den roten Faden nicht sehen. Die Verwaltung kommt alle 14 Tage zu einer anderen Einschätzung, was die Rolle einer Betreiber- GmbH betrifft."

Wolfram Weltzer (zwölf Jahre JTF-Vorsitzender und aktuell im Vorstand aktiv) vermisst im Kulturentwicklungsplan "klare Aussagen zu wichtigen Punkten". Das "kulturelle Profil der Stadt sei "nicht gefasst" worden. "Man hat lediglich festgestellt, dass ZirkArt eine tolle Sache ist. Das alleine kann aber nicht das Profil sein. Es fehlt eine Aussage, wie die Geschichte der Stadt in das Profil einfließen soll und in welchem Verhältnis Geschichte und Zukunft stehen sollen."

Das beabsichtigte "Narrativ" sei noch gar nicht gefunden, betont Wolfram Weltzer. Zudem drücke sich der Kulturentwicklungsplan um klare Aussagen zur Verbesserung der Raumsituation. Die vage Feststellung, dass es für Rathaus und Kolpinghaus ein Betreiberkonzept braucht, sei "banal" Der Kulturentwicklungsplan sei "in weiten Teilen eine Beschreibung des Status quo der Forchheimer Kultursituation", die "Erledigungsliste" sei lang. Die daraus resultierende Forderung eines Kulturreferat mahnt auch FW-Stadtrat Ludwig Preusch an: "Wir brauchen es unbedingt." Auch aus ganz pragmatischen Gründen, meint Preusch: "Eine künftige Betreiber-GmbH des Kolpinghauses kann nicht das Verfügungsrecht über andere Liegenschaften der Stadt haben".

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