Igensdorf
Marktgemeinderat

Rat ist ratlos wegen der Lindelberghalle

Bei der kostspieligen Sanierung der Mehrzweckhalle in Stöckach will sich die Gemeinde Igensdorf Zeit verschaffen. Intensiv wird nun noch einmal über eine künftige Nutzung der Halle diskutiert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Sanierung der Lindelberghalle außen ist fast fertig. Das Dach ist gedeckt. Foto: Petra Malbrich
Die Sanierung der Lindelberghalle außen ist fast fertig. Das Dach ist gedeckt. Foto: Petra Malbrich

Die Baukosten für die Lindelberghalle gehen durch die Decke. "Wie kommen wir aus der Geschichte raus?", fragte Bürgermeister Wolfgang Rast (IU) und fügte hinzu: "Es gibt keine Lösung, aber wir geben uns Bedenkzeit." Mit einem Baustopp möchte sich die Kommune vor allem diese Zeit verschaffen.

"Der größte Fehler war, dass wir zu schnell an das Projekt herangegangen sind", meinte Rast rückblickend. Doch wie konnten die Kosten derart ausufern? Am 18. Dezember 2018 waren die Baukosten bei 4,8 Millionen Euro angesetzt. "Wir haben halbwegs versucht, eine Finanzierung zusammenzubekommen", sagte Bürgermeister Rast. Die Vorsteuer konnte kostenmindernd angesetzt werden und das Projekt wäre gerade so finanzierbar gewesen. Doch ein halbes Jahr später sprachen die Architekten von 5,8 Millionen Euro Baukosten.

"Innerhalb eines halben Jahres ist es eine Million Euro teurer geworden", erklärte Rast, dessen erste Gedanken waren, dass sich die Gemeinde damit übernehme, dass man damit den Haushalt ruiniere.

In einer Klausurtagung habe sich der Gemeinderat eingehend mit dem Thema Sanierung Lindelberghalle beschäftigt, auch die Architekten waren dabei. Das Ergebnis: drastische Einsparungen in Höhe von über einer Million Euro, was allerdings unrealistisch ist, oder der Verkauf des Gebäudes.

"Ich bin schon bei Leuten vorstellig geworden, aber auch das wird schwierig", erzählte Rast, der somit wenig Hoffnung auf einen Verkauf des Hauses macht. Die Gemeinde bleibt auf der Halle und den Kosten sitzen.

Gründe für die hohen Kosten

Zunächst jedoch benannte der Igensdorfer Bürgermeister die Gründe, die überhaupt zu den hohen Kosten führten. Auf drei Positionen gründen die Kostensteigerungen. Zum einen sind da die Beschlüsse der Gemeinderäte, die zusätzlich einige Ausführungen beschlossen hatten, was das Innenleben der Halle betrifft. Die Heizung, die versetzte Bühne, um den Hallencharakter aus dem Gebäude zu nehmen, zählte Rast einige Beispiele auf. Von der ersten Kostenschätzung der Sanierung 2017 über 2,7 Millionen Euro war man dann schon bei 3,5 Millionen angelangt. Die zusätzlichen Beschlüsse machten 812 000 Euro aus.

Das nächste Drittel der erhöhten Baukosten gehe auf das Konto der Honorare. "Mit jeder zusätzlichen Bauleistung steigen die Honorare", erläuterte Rast.

Bleibt die dritte Position: die Baukostensteigerungen, die erhöhten Angebote, die gut 20 Prozent teurer waren als im Ansatz. "Wir geben uns eine Auszeit bis zum Jahresende, um Lösungsansätze zu finden", schlug Rast vor. Die erteilten Aufträge für Gewerke würden ausgeführt werden, die Außenhülle sei dann winterfest und fertig. Die Fördermittel seien sicher und könnten anstatt auf die Heizung auf die Wärmedämmung gegeben werden. Die Hälfte der Gelder sei bereits ausbezahlt.

Eine Intensivsitzung der Lindelberghalle regte Barbara Poneleit (Grüne) an. Wozu brauche man noch mehr Zeit, schimpfte Edmund Ulm (CSU). Er forderte eine Aufstellung der Kosten durch die Architekten darüber, was bereits fertiggestellt sei und was an Mindestkosten noch bliebe, um die Halle eröffnen zu können.

"Die Planer haben bereits den Auftrag, Einsparungen zu suchen und eine Kostenaufstellung zu geben. Das wird dann unser Material, mit dem wir uns in der Klausur beschäftigen können", erklärte der Gemeindechef.

Robert Hempfling (CSU) bot ein Gespräch mit dem Forchheimer Landtagsabgeordneten Michael Hofmann (CSU) an, um weitere Fördermöglichkeiten für die Halle zu suchen.

Ein erweitertes Bürgerhaus solle die Halle werden, daran erinnerte Edeltraud Rösner (CSU). Bürgermeister Rast machte wenig Hoffnung auf weitere Förderungen. Mit zahlreichen Zuschussgebern habe er bereits gesprochen. Die Halle sei wohl nicht das passende Gebäude, um gefördert zu werden.

Trotzdem sah Stefan Gebhardt (JB) in dem Beschluss, keine weiteren Ausschreibungen zu vergeben, keinen Sinn. Der Igensdorfer Bürgermeister allerdings wollte mit dem Beschluss eine Einigkeit signalisieren. "Nachdenken und Lösungen suchen sind das Wichtigste, und das regen wir schon lange an", sagte Rösner.

Eine Kombilösung - den Baustopp nicht bis Jahresende, sondern bis zur Intensivsitzung zur Lindelberghalle - regte daraufhin Werner Hammerand (IU) an. "Es fehlen Krippenplätze. Die könnte man im Untergeschoss der Lindelberghalle anbieten. Wir hätten den Raum. Parkplätze und ein Spielplatz sind vorhanden und einen Bauplatz für Krippenplätze müssten wir nicht kaufen. Und wir hätten damit eine Nutzung", schlug Gebhardt vor. Ein Hochzeitszimmer brachte Hempfling als Vorschlag in die Diskussion.

Klausurtagung am 25. Oktober

Das alles wird wohl Thema der Intensivsitzung sein, die für Freitag, 25. Oktober, angesetzt ist.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren