Forchheim
Verkehr

Rastlos: Gibt es in Franken zu wenig Raststätten?

Auf den Autobahnen A73 und A70 suchen Reisende vergeblich nach Raststätten. Ausgewählte Standorte und Pläne existieren zwar. Doch wann sie umgesetzt werden, ist offen.
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Die Raststätte Aurach an der A3 nahe Erlangen. Foto: Richard Sänger
Die Raststätte Aurach an der A3 nahe Erlangen. Foto: Richard Sänger
Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lange das Projekt "Raststätte Lange Berge" bereits auf den Schreibtischen schlummert, muss man eigentlich nur die Statements des ehemaligen Meederer Bürgermeisters und seines Nachfolgers gegenüberstellen. Josef Brunner, bis Mai dieses Jahres Oberhaupt der kleinen Gemeinde im Landkreis Coburg, hatte im August 2012 betont, dass sich durch eine Raststätte auf dem Gemeindegebiet eine "Chance auf neue Arbeitsplätze" bieten würde. Zudem müssten sich die Betreiber an der Kläranlage beteiligen.
Ähnlich klingt das aktuell bei Brunners Nachfolger Bernd Höfer: Auf Anfrage teilt der Bürgermeister mit, dass der Landverbrauch zwar eine sehr wichtige Rolle spielt (Etwas, was Brunner vor zwei Jahren im Übrigen ebenfalls angemerkt hatte). Jedoch erhoffe man sich durch einen Neubau "positive Aspekte für die Gemeinde. Stichworte: Arbeitsplätze, Werbung für unsere Region und Beteiligung an unserem Neubau kommunaler Kläranlage."

Raststätte nicht rentabel

Geht es also nach Brunner und Höfer, kann die Raststätte "Lange Berge" kommen. Doch wie wahrscheinlich ist eine Realisierung? Ein Projekt-Kritiker, der namentlich nicht genannt werden möchte, ist sich sicher: Die Anlage nahe Drossenhausen kommt nie, da sie schlichtweg zu unrentabel ist. Das Verkehrsaufkommen sei zu gering - trotz leicht steigender Zahlen.

Fakt ist: Auf einer Gesamtlänge von 175 Kilometern gibt es auf der A73 zwischen Suhl und Nürnberg keine Rastanlage. Nach dem Regelwerk der Bundesregierung sind auf Autobahnen im Abstand von höchstens 80 Kilometern Tank- und Rastanlagen vorzusehen. Daher, so ein Sprecher des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), habe der Bund die Straßenbauverwaltung des Freistaates mit der Suche nach Standorten beauftragt. "Im Hinblick auf die Bedürfnisse der Verkehrsteilnehmer und aus Gründen der Verkehrssicherheit", wie es heißt.

Der Wettbewerb "Rastanlage Lange Berge" wurde vor knapp einem Jahr abgeschlossen. Beteiligt hatten sich 15 Planungsbüros. Der Entwurf des Gewinners soll im Herbst 2015 dem BMVI zur Genehmigung vorgelegt werden. Sofern es der Idee zustimmt, könnte 2016 ein Planfeststellungsverfahren beantragt und 2017 Baurecht geschaffen werden. "Mit einem Bau kann dann aus heutiger Sicht voraussichtlich 2020 begonnen werden", informiert Ursula Birg, Stellvertretende Pressesprecherin der Autobahndirektion Nordbayern. Dieser Zeitplan hänge aber maßgeblich "von den möglichen Einwendungen im Planfeststellungsverfahren ab, die heute noch nicht absehbar sind". Sprich: Gibt es Proteste, wird das Projekt wohl weiter nach hinten geschoben.

Es wird also noch viele Jahre dauern, bis Reisende zwischen Suhl und Nürnberg eine Raststätte ansteuern können. Dann könnten die Verkehrsteilnehmer auf der A73 allerdings womöglich gleich zwei Mal eine längere Pause einlegen. Bezüglich einer Vorauswahl macht der BMVI-Sprecher deutlich: "Im Ergebnis wurde den Standorten bei Drossenhausen und Eggolsheim der Vorzug gegeben."

Massiver Widerstand

Letztendlich würden der endgültige Standort und die Gestaltung der Rastanlage aber erst mit dem Planfeststellungsbeschluss festgelegt. Und der dürfte beim Standort bei Drossenhausen schneller erfolgen als in Eggolsheim nahe Forchheim. Denn hier regt sich massiver Widerstand, obwohl dies vor sechs Jahren noch ganz anders aussah - zumindest im Gemeinderat. 19 von 20 Mitgliedern waren damals für das Projekt "Regnitztal". Heute sieht das alles anders aus. Im Oktober dieses Jahres lehnte der Gemeinderat das Projekt einstimmig ab. Der Grund: der massive Landverbrauch. Bürgermeister Claus Schwarzmann sagt: "Der Gemeinderat vertritt die Position der Grundstückseigentümer. Und die wollen ihre Flächen behalten." Man werde jetzt abwarten, wie sich das Verfahren entwickelt und, sobald dies möglich ist, die Bedenken der Gemeinde vortragen. Interessant: Nicht nur auf der A73, sondern auch auf der A70 zwischen Schweinfurt und Bayreuth gibt es zwar den einen oder anderen Parkplatz und Autohof, aber ebenfalls keine Rastanlage. Auch das soll sich nach dem Willen der Autobahndirektion Nordbayern ändern. Auf der Strecke sind zwei einseitige Anlagen geplant: der Standort "Rotmaintal" zwischen Thurnau und Neudrossenfeld und die Anlage "Haßberge" westlich von Staffelbach (Gemeinde Oberhaid). Für letztere ist die Vorentwurfsplanung abgeschlossen. Wegen Widerständen aus der Bevölkerung ist die Maßnahme jedoch zurückgestellt worden. Und auch wenn Edith Kolarik von der Autobahndirektion Nordbayern betont, dass dies nur "vorerst" erfolgt ist, bleibt festzuhalten: Wie auf der A73 werden auch die Verkehrsteilnehmer auf der A70 in nächster Zeit rastlos reisen: Bei den geplanten Standorten zwischen Bayreuth und Bamberg ist laut Kolarik eine Realisierung nicht vor 2025 geplant.
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