Tüchersfeld
Fränkische-Schweiz-Museum

Räuberromantik contra Justizterror im Museum

Räuberromantik oder Überlebenskampf im Schatten einer gnadenlosen Justiz? Wie "Bettler, Jauner und Galgenvögel" früher lebten und starben, zeigt das Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld (Landkreis Bayreuth).
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Wäre der echte Räuberhauptmann Troglauer auferstanden, hätte Landrat Hübner (l.) nicht so gut lachen. Damals wäre Hübner als Landvogt dafür zuständig gewesen, den Wegelagerer zu fangen. Foto: Weichert
Wäre der echte Räuberhauptmann Troglauer auferstanden, hätte Landrat Hübner (l.) nicht so gut lachen. Damals wäre Hübner als Landvogt dafür zuständig gewesen, den Wegelagerer zu fangen. Foto: Weichert
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"Bettler, Jauner, Galgenvögel - In den Fängen der Justiz" heißt die Sonderaustellung im Fränkische-Schweiz-Museum Tüchersfeld (Landkreis Bayreuth), die bis 3. November zu sehen ist. Wie Landrat Hübner bei der Eröffnung betonte, greift diese Ausstellung ein sozialgeschichtliches Thema auf und der rote Faden ist der 1754 in der oberpfälzischen Marktgemeinde Mantel geborene und 1801 in Amberg hingerichtete Räuberhauptmann Franz Troglauer Er hatte mit einer über 180-köpfigen Räuberbande auch in der Fränkischen Schweiz sein Unwesen getrieben.

Ebenfalls aus Mantel stammt der Historiker Bernhard Weigl, der über Troglauer und dessen Diebesbande ein Buch geschrieben hat. Weigl, der dem Museumsteam auch seine Unterlagen zur Verfügung stellte, wird am Mittwoch, 22. Mai, um 19.30 Uhr der Auftaktredner zu einer Vortrags- und Kulturreihe im Museum sein.
Weigl spricht am Mittwoch im Haus der katholischen Kirchenstiftung Tüchersfeld über "Der Galgen ist mein Grab: Auf den Spuren der Räuberbanden des Franz Troglauer durch Franken und die Oberpfalz."

An der Entstehung der Ausstellung mitgearbeitet haben auch 29 Studenten der Universität Würzburg. Die großen Räuberholzfiguren, die entlang der Bundesstraße 470 auf diese einmalige Ausstellung hinweisen, wurden von Jugendlichen ohne Ausbildung im beruflichen Schulzentrum Kulmbach nach den Vorlagen von Desiree Reiling angefertigt. Insassen und Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Bayreuth haben nach historischen Plänen ein Modell des ehemaligen Zuchthauses St. Georgen nachgebaut, das auch in der Ausstellung zu sehen ist.
Unterschiedlichste Exponate

Die Schau setzt sich mit den Tatbeständen und ihren unterschiedlichen Bewertungen seinerzeit und heute, mit Verwaltungs- und Justizstrukturen, der Fahndung und Ahnung, vom Übergang von Leib- und Todes- zu Haftstrafen bis hin zur Erforschung der Ursachen von Kriminalität auseinander, so Museumsleiter Rainer Hofmann. Von fast 40 Leihgebern sind in der Ausstellung die unterschiedlichsten Exponate, vom Galgen bis zur Schandmaske, vom Räuber bis zum Kleid einer Räuberin oder von Folter- bis zu Fesselwerkzeugen zu sehen.

Zu betrachten sind auch Dinge des täglichen Lebens, wie Kleidung, Waffen, Werkzeuge oder Symbole der Autorität. Die Ausstellung beschäftigt sich auch mit dem 17. und 18. Jahrhunderts einer Epoche der Kriege, Seuchen und Naturkatastrophen. Ein Großteil der Menschen damals konnte sein Überleben nur mit kleinen Gelegenheitsdiebereien auf Märkten sichern.

Müßiggang, Bettelei und Landstreicherei galten damals schon als Delikte. Zigeuner lebten besonders gefährlich, ihnen drohte der Strick schon beim Betreten eines anderen Territoriums. Die Ausstellung geht aber auch auf die soziale Herkunft der Diebe und Räuber ein. Sie stellt ausgewählte Verbrecher heraus und geht auf die ihre Delikte und deren Wertung ein. Auch die Verfolgung durch die Behörden, die Rechtssprechung und schließlich der Strafvollzug werden spannend vermittelt.

Originalobjekte, Dokumentationen, Inszenierungen und multimediale Präsentationen machen die Ausstellung zu einem Erlebnis. Die Schau verknüpft die Themenbereiche mit regionalen Beispielen. Einen Höhepunkt der umfangreichen begleitenden Veranstaltungsreihe können Besucher am 13. und 14. Juli im Museum erleben. Einen ganzen Tag lang werden sie im Museum von rund 30 Führern in authentischen Kostümen ins 18. Jahrhundert zurückversetzt: mit Modenschauen, Tanzvorführungen und Lektionen in Gaunersprache.

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