Gößweinstein
Kunstraub

Räuber in Gößweinstein ging mit "roher Gewalt" vor

Erst mehrere Wochen nach der Tat haben Mitarbeiter des Wallfahrtsmuseums in Gößweinstein den Diebstahl eines Votivbildes entdeckt. Der Täter kam während der Geschäftszeiten.
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Das Votivbild, das der Räuber von der Wand riss, war mit drei Haken gesichert. Fotos: Ekkehard Roepert
Das Votivbild, das der Räuber von der Wand riss, war mit drei Haken gesichert. Fotos: Ekkehard Roepert
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Im ersten Stock des Wallfahrtsmuseums fällt die Lücke auf der Wand mit Votiv-Bildern beim ersten Hinsehen gar nicht auf. Das Bild, dessen Diebstahl die Mitarbeiter des Museums erst jetzt bemerkt haben, ist "nur so groß wie ein Schneidebrettchen", sagt Harald Bogner, Vorstand im Trägerverein des Wallfahrtsmuseums. Die geraubte Votivgabe zeige im unteren Drittel neun Schweine und im hinteren Drittel eine Muttergottes mit einem Jesuskind.

Wie die Polizei in Ebermannstadt mitteilt, kam der Bilder-Dieb im Zeitraum zwischen Sonntag, 19. Mai, und Sonntag, 2. Juni ins Wallfahrtsmuseum nach Gößweinstein, um dieses "Gemälde eines unbekannten Malers aus dem 19. Jahrhundert" zu entwenden.

Zeugen gesucht

Der bislang unbekannte Täter habe vermutlich während der normalen Geschäftszeiten agiert, meint die Polizei. Das Bild sei "mit einer speziellen Vorrichtung gesichert" gewesen; der Täter habe es "mit roher Gewalt von der Wand gerissen".

Zeugen, die Hinweise auf den Täter oder auf das Votivgemälde mit den neun abgebildeten Schweinen geben können, bittet die Polizei, sich unter der Rufnummer 09194/7388-0 zu melden.

Harald Bogner schätzt, dass der materielle Wert des Bildes "nicht sehr hoch" sei, er liege bei ungefähr 250 Euro. Das Votivbild stamme von einem unbekannten Maler aus Hundshaupten. "Vom Wert überschaubar, aber für den Bestand des Museums wichtig" sei das Bild, sagt Toni Eckert, der Kulturreferent des Landkreises Forchheim und zugleich Geschäftsführer des Trägervereins Wallfahrtsmuseum ist.

Zum einen sei es "natürlich immer ärgerlich, wenn man bestohlen wird", betont Toni Eckert. Zum anderen sei auffällig, dass der Bild-Räuber "fachmännisch vorging". Denn die Bilder im Wallfahrtsmuseum seien durch ein System aus mehreren Haken mechanisch gut gesichert. Niemand könne ein Bild so einfach im Vorbeigehen abhängen.

Bei dem geraubten Gemälde handle es sich um "sakrale Volkskunst", erklärt der Kulturreferent des Landkreises. Solche Votivbilder seien in früheren Zeiten gemalt worden, wenn sich jemand nach einer großen Bitte "erhört" fühlte.

Museen machen Kunst sicher

Glücklicherweise sei in den zehn Jahren seines Bestehen, bislang noch nie etwas aus dem Wallfahrtsmuseum Gößweinstein gestohlen worden, sagt Eckert und betont, dass Bilder und sakrale Sammelstücke in Museen grundsätzlich gut aufgehoben seien: "In vormusealen Zeiten ist viel mehr entwendet worden als jetzt."

Toni Eckert unterstreicht den hohen Aufwand, der mit dem Betrieb eines Museums verbunden sei: Das Gößweinsteiner Wallfahrtsmuseum könne sich nicht selbstständig tragen. Unter anderem sei die Einrichtung auf den Landkreis Forchheim angewiesen, der den Trägerverein jährlich mit 10 000 Euro unterstütze.

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