Wann "immer es geht", hüpft Annette Prechtel auf ihren Drahtesel. "In Forchheim ist vieles sehr gut mit dem Rad zu erreichen", findet sie. Logisch, dass die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Forchheimer Stadtrat auch über den "Highway für Radler" in die "City" zum "Shoppen" strampeln möchte. "Die Hauptstraße ist die wichtigste Verbindungsachse für Nichtmotorisierte, die ganz bewusst auf das Auto verzichten, um in der Innenstadt einzukaufen, Amtsgänge oder Besorgungen zu erledigen oder sich im Café zu treffen", sagt sie und steigt auch am Dienstagmittag in der Fußgängerzone nicht von ihrem Rad, Marke Steppenwolf. "Wenn die Fußgängerzone voll ist, steige ich natürlich schon ab."

Wer sein Rad liebt, der schiebt

Dagegen schiebt Uwe Kirschstein von der SPD sein Mountainbike auch an einem Dienstagabend nach 18 Uhr, wenn auf der Einkaufsmeile tote Hose ist. Schon aus Prinzip: "Ich bin für ein generelles Radel-Verbot", sagt Kirschstein, der seit letzten Herbst in Forchheim zuhause ist. "Jetzt im Frühjahr ist mir das Problem aufgefallen", erzählt der Informatiker weiter. Schließlich sei er meistens nur nach Feierabend oder am Wochenende in der Innenstadt, sprich wenn die Fußgängerzone besonders voll sei.
"Beim Bummeln durch die Stadt will ich mit treiben lassen, und nicht auf Radler achten", findet er. Seine Idee einer fahrradfreien Fußgängerzone hat er in einem sozialen Netzwerk im Internet veröffentlicht. Schnell habe er daraufhin Reaktionen bekommen und bemerkt, dass die Diskussion schon seit Jahren geführt werde.
Als einer der ersten Lokalpolitiker hat sich Manfred Hümmer, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, in diese aufkeimende Diskussion im Netz eingeschaltet. Hümmer versteht beide Seiten und plädiert für einen Kompromiss. Beispielsweise für ein temporäres Radel-Verbot zu den Hauptgeschäftszeiten. Über die konkrete Situation in Forchheim hat er sich auch schon Gedanken gemacht. "Die Fußgängerzone ist rund 250 Meter lang und erstreckt sich vom Rathaus bis zum Paradeplatz." Der zur Verfügung stehende Verkehrsraum werde durch feste bauliche Einrichtungen wie Außenbestuhlungen, das "Bächla" und Werbeschilder eingeschränkt. Fußgänger, Radfahrer und Lieferverkehr müssten sich so einen schmalen "Mittelgang" teilen.

Die Fußgängerzone in Forchheimer ist offiziell rund um die Uhr für den Radverkehr freigebeben. Auch am Wochenende. Annette Prechtel will die Autos generell aus der City verbannen. Deswegen müssten die Radler in der Innenstadt immer Vorfahrt haben. Auch in der Fußgängerzone. Ansonsten würden weniger Menschen den Sattel gegen das Lenkrad eintauschen. Eine "Anti-Radfahrstimmung" lehnt sie deshalb ab.
Gegen den Drahtesel zu Felde ziehen will auch Uwe Kirschstein nicht. Im Gegenteil: Er will die Attraktivität der Fußgängerzone weiter steigern. Und die Innenstadt ebenfalls noch "autofreier" machen. "Ich finde die Altstadt schön und schnucklig", sagt der Neubürger mit seinem "frischen Blick" auf die Stadt. In Erlangen könnten Radler nur außerhalb der Hauptgeschäftszeiten durch die Einkaufsmeile radeln. Bamberg gibt seine Fußgängerzone auch nur neben den Ladenöffnungszeiten für den Radler frei. Trotzdem findet Annette Prechtel, dass die Fußgängerzone in Forchheim ruhig weiterhin ohne Einschränkungen für den Radverkehr freigegeben werden könne. Schließlich gebe es in Erlangen beispielsweise parallel zur Fußgängerzone einen Radweg. "Wer die Radler aus der Forchheimer Fußgängerzone aussperrt, verprellt eine Gruppe, die ihren aktiven Beitrag zur Verkehrsentlastung der Innenstadt leistet!", sagt sie.

Dagegen spricht sich Uwe Kirschstein für eine Beschränkung des Radverkehrs in der Fußgängerzone aus: "Für mich ist die Fußgängerzone in erster Linie eine Einkaufsstraße und keine Abkürzung für Radfahrer." Allerdings könne er in diesem Punkt nicht für die gesamten SPD-Ortsverein sprechen. Hier gingen die Meinungen weit auseinander, betont der SPD-Pressesprecher.

Stadtsprecher Andreas Ramisch kennt die Diskussion seit Jahren. Mal wünsche man sich mehr, mal weniger Autoverkehr. Er findet ein generelles Verbot für Forchheim aber unverhältnismäßig. "Ein Radverbot in der Fußgängerzone macht nur Sinn, wenn die Polizei das auch konsequent überwacht."