Forchheim
Sanierung

Planung am Forchheimer Rathaus ruft Lob und Zorn hervor

Architekt Gregor Fischer legte seinen "finalen Entwurf" vor. Der Stadtrat verweigerte aber den Einstieg in die Bauphase.
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Gregor Fischer kam ein letztes Mal in den Stadtrat. Wie wiederholt berichtet, hat sich der Architekt nach Querelen mit der städtischen Bauverwaltung aus dem Rathaus-Sanierungsprojekt verabschiedet. Am Dienstag präsentierte er den Räten den finalen Entwurf seiner Arbeit.

Dafür heimste er durch die Bank das Lob der Stadträte ein. Doch die Schlüsse, was aus diesem Entwurf nun folgen soll, fielen sehr unterschiedlich aus. Ohne Kostenberechnung könne die Entscheidung zum Bauen nicht getroffen werden, meinte Sebastian Platzek (FDP). Auch seine Parteikollegen Sebastian Körber und Stefan Schick forderten, über "Einsparungspotenziale" nachzudenken. "Muss der Keller für eine siebenstellige Summe ausgebaut werden? Was ist die Kostenobergrenze", fragte Sebastian Körber.

Manfred Hümmer (FW) pochte ebenfalls auf ein "Controlling". Architekt Fischer sagte, "die Kostenrechnung wird gerade aufbereitet, sonst hätte ich sie ihnen heute schon mitgebracht."

Heike Schade (FGL) und Reinhold Otzelberger (SPD) waren der Meinung: Da im Stadtrat "grundsätzliches Einverständnis mit dem Entwurf besteht" (Schade), sollte "nix mehr vertagt werden" (Otzelberger). Doch die Mehrheit setzte durch, noch vier Wochen zu warten. Eine "Kostengenauigkeit von mindestens 90 Prozent" müsse erzielt werden, bevor man den Umbau starte, sagte Udo Schönfelder (CSU). Und Hans-Werner Eisen (CSU) erinnerte daran, dass noch die Ergebnisse des kommunalen Prüfungsverbandes und des städtischen Rechnungsprüfungsausschusses ausstünden. Im Detail konnte sie Eisen zwar noch nicht benennen; aber er deutete an, dass die Baukosten wohl "nach oben korrigiert" werden. "Wir müssen den ganzen Sachverhalt erneut in die Hand nehmen", sagte Eisen.

Fördermittel-Konferenz

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) war mit dem Beschluss vom Dienstag dennoch zufrieden. "Mit dem Votum sind wir auf dem richtigen Weg." Die Bedingung, den Baubeginn am Rathaus von der Kostenberechnung abhängig zu machen, empfand Kirschstein auch deshalb als akzeptabel, weil das Finanzthema in Kürze ohnehin intensiv beleuchtet werde: Der Oberbürgermeister kündigte eine "Fördermittel-Konferenz" für Anfang Oktober an. Schließlich sei es nicht nur wichtig, die Ausgaben zu kennen, sondern "auch mal die Einnahmen zu berechnen".

"Wir können der Bevölkerung nicht den Eindruck zumuten, wir könnten nicht entscheiden", appellierte Lisa Hoffmann (SPD). Doch die Entscheidung, die Pläne des Architekten grundsätzlich willkommen zu heißen, war vielen dann auch wieder zu wenig: Als Claudia Stumpf (die Projektleiterin der Rathaussanierung) im Folgenden die europaweite Ausschreibung der Sanierung erläuterte, brach der Streit um das Thema "Verzögerungen " wieder aus.

Franz Noffke (REP) wehrte sich gegen die Ausschreibungsverfahren: Erst müsse die umstrittenen 150 000-Euro-Rechnung geklärt werden, die Rechtsanwalt Bühner der Stadt für die europaweite Ausschreibung präsentiert habe. Und Günther Hammer (CSU) reagierte voller Zorn auf die Bauverwaltung: Mit "in sich widersprüchlichen Beschlussvorlagen" werde suggeriert, der Stadtrat verzögere die Arbeit.

Für dumm verkauft?

Ähnlich Sebastian Platzek (FDP): Es sei eine "unverschämte Forderung", dass sich der Stadtrat mit der Leistungsphase fünf befassen soll, wo doch noch nicht mal Phase drei abgeschlossen sei. "Ich lass mich doch nicht für dumm verkaufen", wetterte Platzek. Ebenso ungehalten reagierte sein Parteikollege Sebastian Körber auf die Möglichkeit, der Vorwurf der Verzögerung könnte sich gegen jene richten, die eine klare Kostenberechnung einforderten. Daher stellte Körber den Antrag, dass sich Architekt Fischer in der nächsten Ratssitzung zu diesem Vorwurf äußert: "Der Architekt soll uns reinen Wein einschenken. Er soll sagen, ob der Stadtrat die Rathaussanierung um auch nur eine Stunde verzögert hat."

Fehlende Informationen

Zwar stimmte der Stadtrat schließlich zu, das "Verhandlungsverfahren" für die europaweite Ausschreibung zu beginnen; dennoch blieben Fragen offen. Annette Prechtel (FGL) monierte die fehlenden Informationen des kommunalen Prüfungsverbandes über die bisherige Kostenentwicklung: "Das beeinträchtigt den Ablauf." Und Manfred Hümmer (FW) sagte zu Carmen Stumpf, sie zäume das Pferd von hinten auf, wenn sie trotz "fehlender Kostenpräsentation" die nächste Planungsphase beginne.



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