Forchheim
Prozess

Pistole in den Mund: Urteil gegen Forchheimer Drogenabhängigen erneut vertagt

Drei Zeugen - drei Geschichten: Der zweite Verhandlungstag gegen einen 38-Jährigen, der einem Mann eine Waffe in den Mund gerammt haben soll, war verworren.
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Ob der angeklagte Forchheimer einem Anwohner der Obdachlosenunterkunft eine Waffe in den Mund gesteckt hat - darüber sagten die Zeugen sehr unterschiedlich aus. Ein ärztliches Attest soll Klarheit schaffen. Symbolfoto: Oliver Killig/dpa
Ob der angeklagte Forchheimer einem Anwohner der Obdachlosenunterkunft eine Waffe in den Mund gesteckt hat - darüber sagten die Zeugen sehr unterschiedlich aus. Ein ärztliches Attest soll Klarheit schaffen. Symbolfoto: Oliver Killig/dpa
"Wir haben jetzt den dritten Zeugen und die dritte Geschichte gehört", stellte Staatsanwalt Matthias Eichelsdörfer sichtlich genervt fest. Die Augenzeugen schilderten die Tat sehr unterschiedlich. Der Prozess gegen einen 38 Jahre alten Forchheimer drehte sich vor allem um die Waffe.

Am Mittwochmorgen wurde am Amtsgericht Bamberg die Verhandlung gegen einen Drogenabhängigen aus Forchheim fortgesetzt. Laut Anklageschrift soll er einen Mann mit einer Druckluftpistole bedroht und am Gaumen verletzt haben. Der Vorfall und die anschließende Verhaftung lösten Ende August 2017 einen Großeinsatz der Polizei in Forchheim aus. In einem zweiten Fall soll er in einer Spielothek Widerstand gegen die Polizei geleistet und zwei Beamte verletzt haben.

Der 38-Jährige sitzt seit über sechs Monaten in Untersuchungshaft. Am ersten Verhandlungstag Mitte Februar bestritt er die Anschuldigungen mit der Pistole. Er gab zu, regelmäßig Crystal Meth zu konsumieren; ein Mediziner des gerichtsärztlichen Dienstes bestätigte die Methamphetamin-Abhängigkeit.

Da das vermeintliche Opfer und weitere Bewohner der Forchheimer Obdachlosenunterkunft nicht vor Gericht erschienen, musste am Mittwoch weiter verhandelt werden.
So viel steht fest: Am 25. August hielten sich vier Bewohner der Unterkunft an einer Wohnung am Eggolsheimer Weg auf, als es zwischen Täter und Geschädigtem zum Streit kam.


Blutende Wunde am Gaumen

Das vermeintliche Opfer wiederholte im Zeugenstand seine Version, die er an dem Tag der Polizei erzählte: Zunächst habe der 49-Jährige normal mit dem Täter auf Türkisch gesprochen und zusammen geraucht.

Aus dem Nichts habe der 38-Jährige ihn plötzlich ohne einen Anlass gegen die Wand gedrückt und eine Waffe in den Mund gerammt. Die Tat habe nur wenige Sekunden gedauert. "Ich verstehe nicht, warum er das getan hat", bekräftigte der Geschädigte. Die Pistole habe seinen Gaumen verletzt. In der Erlanger Kieferklinik sei die Wunde genäht worden. Bis heute spüre er die Verletzung beim Schlucken.

Erst als Strafrichterin Christine Schäl ihn mit dem Wortlaut seiner Polizeiaussage konfrontierte, bestätigte der 49-Jährige, dass der Angeklagte fünfmal den Waffenabzug gedrückt habe. An die Bedrohung "Wehe, wenn du was sagst, dann bist du weg", konnte er sich vor Gericht nicht mehr erinnern.

Die geladene Zeugin hingegen beharrte: "Die Waffe war nicht in seinem Gesicht, sondern wurde vorher auf den Boden geworfen." Der Polizei sagte die 35-Jährige damals, dass die Pistole das Gesicht gestreift habe. Ihre vagen Aussagen, ob sie durch den Türvorhang alles oder nur die Hälfte sah und wie viel Türkisch sie überhaupt versteht, ließen die Richterin und den Staatsanwalt an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln.


Definitiv hat jemand gelogen

Der dritte Augenzeuge (ein 41-jähriger Freund des Angeklagten) bestritt unumwunden und in knappen Worten, dass es überhaupt eine Waffe gab. "Ich sehe das Geeiere. Aber mein Eindruck ist: Die Frau versucht sich heraus zu winden, um den Angeklagten nicht zu belasten", wertete Richterin Schäl. "Definitiv hat uns jemand angelogen."

Um Klarheit zu schaffen, lässt die Strafrichterin nun die ärztlichen Atteste beim Erlanger Klinikum zur Gaumenverletzung einholen. Wenn nötig, müsse ein Gerichtsmediziner klären, ob die Wunde von einer Waffe stammt. Bis zum dritten Verhandlungstag Ende März steht ein Urteil gegen den Forchheimer somit weiterhin aus.
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