Forchheim
Natur

Pilzwanderung in Ebermannstadt: nur die Guten dürfen ins Körbchen

Pilze sind ein Geschenk der Natur an den Menschen. Vor dem Genuss steht allerdings das Wissen, welche von ihnen essbar und welche giftig sind. Expertin Diana Härpfer klärt die 50 Teilnehmer der Pilzwanderung in Ebermannstadt auf.
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Die Lacktrichterlinge machen sich gut in einem Mischpilzgericht. Foto: Sabrina Friedrich
Die Lacktrichterlinge machen sich gut in einem Mischpilzgericht. Foto: Sabrina Friedrich
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Da staunte Diana Härpfer nicht schlecht, als sich am Sonntagnachmittag über 50 Teilnehmer auf dem Parkplatz am oberen Tor in Ebermannstadt zur Pilzwanderung versammelt hatten. Mit derart viel Zuspruch - vom Kindergartenkind bis zum rüstigen Rentner - hatte die Biologin und Pilz-Expertin wirklich nicht gerechnet.

Doch die Truppe war wild dazu entschlossen, die heimische Pilzwelt besser kennen- und auch verstehen zu lernen. Begleitet wurden die Wanderer dabei von Hans Weisel, dem Vorsitzenden des Ebermannstadter Fränkische-Schweiz-Vereins.

Kleine Chance auf Rettung

Das Ziel der Wanderung war weniger das Sammeln, sondern vielmehr das Erkennen essbarer und giftiger Pilze im Wald nahe des Ebermannstadter Landratsamts. Denn wer sich nicht auskennt und versehentlich einen giftigen Pilz in seinen Korb legt, für den kommt im Ernstfall jede Hilfe zu spät.


"Bei manchen Pilzen bemerkt man das Gift sofort und es besteht im Krankenhaus noch eine kleine Chance auf Rettung", erläuterte Härpfer in diesem Zusammenhang. Das Gift des orangefuchsigen Hautkopfs jedoch ist erst nach zwei Wochen zu spüren. Bis dahin hat es bereits die Nieren in der Regel zerstört. "Das Verhältnis zwischen Giftpilz und Speisepilz ist sehr ungerecht", klagt die Expertin. Von den etwa 6000 Pilzarten, die es hier in der Region gibt, seien lediglich 120 essbar.

Zu den essbaren Pilzen gehören zum Beispiel Maronen, Pfifferlinge, Täublinge oder Butterpilze. Auf der anderen Seite besitzen selbst die für Menschen giftigen Pilze wie der Eichenwälder oder der Grüne Knollenblätterpilz zum Teil wichtige Funktionen im Ökosystem des Waldes.

Eine Faustregel gibt es nicht

Sie sind zum Beispiel für die Zersetzung von Abfall zuständig. "Es gibt keine Faustregel, um einen giftigen von einem ungiftigen Pilz zu unterscheiden. Man muss Pilze kennen", sagt Diana Härpfer.

Pilzneulingen rät sie, mit dem Sammeln von Röhrenpilzen anzufangen. Bei dieser Sorte sei darauf zu achten, dass der Schwamm olivgrün, gelblich oder bräunlich und die Huthaut braun bis ockerfarben ist. "Da kann man nix falsch machen", sagt Härpfer. Bei Röhrlingen könne man sich nicht tödlich vergiften.

Wer bei der Optik des Pilzes nicht weiterkommt, hält ihn sich an die Nase. Der Geruchstest entlarvt oft die Übeltäter, die zum Beispiel anhand ihres schwefeligen Geruchs zu erkennen sind. Auch der "Kitzeltest" verrät viel über den wahren Kern eines Pilzes: Reibt man über die Lamellen unter dem Schirm, sondern manche Exemplare Milch ab. Ist diese Milch weiß, bedeutet das: Achtung, eventuell giftig oder scharf!

Dagegen kann man Milchlinge mit orangefarbener Milch problemlos essen. Dass so eine Pilzwanderung eine unter Umständen lebenswichtige Entscheidung ist, bewiesen die Fragen der Teilnehmer. Viele Fragen und Halbwahrheiten spuken offensichtlich noch immer in den Köpfen herum. Diana Härpfer beantwortete jede einzelne Frage mit einer Engelsgeduld. Unterstützt wurde sie von ihrer Tochter Stella, die im Wald dabei ist, seit sie laufen kann.

Eine App kann auch täuschen

Manch einer hat ein Pilzbuch zu Hause - an sich ein guter Anfang, doch aktuell sollte es sein. Denn die Bücher aus Großmutters Zeiten deklarieren noch jene Pilze als essbar, die heute längst vom Speisezettel gestrichen sind. Doch selbst mit einer modernen App auf dem Smartphone ist man beim Pilzesuchen nicht vor Fehlgriffen gewahrt: "Das kann sehr gefährlich werden. Das Foto braucht nur falsch belichtet zu sein und schon landet ein giftiger Pilz im Korb", warnt Expertin Härpfer.

Als die wichtigsten Fragen geklärt waren, begaben sich die Teilnehmer abseits des Weges auf die Suche. Jeder hoffte, sein Körbchen wenigstens mit ein paar Pilzen fürs Abendessen füllen zu können.

Waldtraud Pretzsel weiß ihrerseits schon einiges über die heimische Pilzwelt. Doch mehrere Berichte in den Medien haben sie mehr und mehr verunsichert: "Ich will heute einfach mehr über Pilze lernen. Das Thema interessiert mich sehr und man kann so viel falsch machen, wenn man keine Ahnung hat", sagt die Niedermirsbergerin.

Normalerweise ist die beste Zeit zum Pilzesammeln im September und Oktober. Doch der nasse August hat dafür gesorgt, dass die Pilze schon jetzt in großer Zahl sprießen. Steinpilze findet man vorzugsweise unter Eichen, Fichten oder Kiefern und Trompetenpfifferlinge an moosigen Stellen.

Sauber abschneiden

Auch Maronen und Schwefelköpfchen warten nur darauf, gepflückt zu werden. Dabei ist es jedoch wichtig, nicht wie wild an dem Pilz zu reißen, sondern ihn sauber mit einem Messer abzuschneiden oder ihn vorsichtig aus dem Boden zu drehen.

Die Ausbeute kann später in der Sonne oder im Backofen bei 50 Grad in mehreren Durchgängen getrocknet werden. Pilze sind sehr kaliumreich, haben wenige Kalorien und enthalten wichtige Aminosäuren und Mineralspuren, was sie zu einem hochwertigen Lebensmittel macht. Doch allzu häufig sollten sie trotzdem nicht auf dem Teller landen. "Da Pilze ihre Nahrung aus dem Boden beziehen, sind sie mit allem möglichen angereichert."
Wer Speisepilze findet, will sie natürlich auch essen. Deshalb gibt die Pilzexpertin Härpfer den Teilnehmern auch noch ein paar Tipps zur Zubereitung mit auf den Weg. So soll man Pilze ihrer Meinung nach am besten nicht waschen und nicht zu stark durchbraten, da sonst das Eiweiß gerinnt und sie dann nach dem Essen schwer im Magen liegen.

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