Kirchehrenbach
Spurensuche

Pilgerreise aus USA führt auch in die Fränkische Schweiz

Die Vorfahren hatten ein Einzelfahrkarte nach Übersee, nun besuchten US-Amerikaner aus Ohio die Heimat der Ahnen in Kirchehrenbach und Wiesenthau.
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David Branston begrüßt und führt die Gäste in Kirchehrenbach. Foto: Franz Galster
David Branston begrüßt und führt die Gäste in Kirchehrenbach. Foto: Franz Galster
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Eine ungewohnte Messe in englischer Sprache in der Pfarreikirche St. Bartholomäus in Kirchehrenbach beeindruckte auch viele einheimische Besucher. Sie wurde gefeiert von Besuchern aus der Pfarrei Saint Rose in Perrysburg, Ohio, mit ihrem Monsignore Marvin Borger und dem heimischen Pfarrer Oliver Schütz. Das "Praise to the Lord the Almighty" war auch deutschen Ohren nicht unbekannt, das Halleluja kennt eh jeder. Die mächtige Orgel und ihr Klang beeindruckten. Auf ihrer katholischen Pilgerreise, auf der auch das Sightseeing nicht zu kurz kam, besuchten die Gäste aus USA für einen Tag Kirchehrenbach und Wiesenthau. Die Ziele kamen nicht von ungefähr. Für so manchen von ihnen war es eine Reise in die Vergangenheit. Sie hatten Namen in ihren Unterlagen wie Munger, Drummer, Amon, Hoffmann oder Schütz. Das waren Einwohner der beiden Orte, die um die Zeit zwischen 1840 und 1860 ausgewandert sind, vorwiegend auch nach Ohio.

Wunsch aus Übersee

Als der Besuchswunsch aus Übersee an die Pfarrei von Wiesenthau herangetragen wurde, erklärten sich Maria Hübner-Roppelt und ihr Mann Otto Roppelt bereit, das Programm in Detailarbeit vorzubereiten und mit abzustimmen. Maria fungierte auch als Organisatorin und Übersetzerin.

Gebürtiger Engländer aus Effeltrich

David Branston aus Effeltrich als gebürtiger Engländer übernahm bei der Ankunft die Begrüßung in Kirchehrenbach mit einem kurzen Rundgang durch das Dorf. Sie lernten, dass der damalige Besitzer Pankratz Götz 1848 das heutige Anwesen Lochner verkauft hatte und ausgewandert ist. An einem Hausgiebel der Hauptstraße steht die Jahreszahl 1848. Vorliegende Briefe zeugen von Auswanderung aus dem Haus Nr. 57, Johann Amon. Man spürte förmlich den Blick über den Ozean. Die Besucher kannten teilweise die Namen, hörten fast andächtig zu. Es war für sie ein "back to the roots", gefühlter Ausgangspunkt für das damals neue Leben in Übersee. Die Gottesdienstvorbereitung unterstützte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Josef Gebhardt maßgeblich.

Hans Schaub aus Pautzfeld nutzte die Gelegenheit in der Kirche, kurz über die Auswanderung im 19. Jahrhundert zu referieren, als Not und Elend um 1840 viele zur Auswanderung veranlassten. Manchmal gab es auch den "Pullfaktor Kalifornien", verlockende Nachrichten von der Neuen Welt, die nicht immer so richtig sein mussten. Es war schwierig, daheim die nötigen Dokumente bei den Behörden zu erhalten. Für den Weg nach Hamburg oder Bremen gab es keinen Zug. Letztlich bedeutete so ein Unterfangen ein absolutes One-Way-Ticket. Schaub zeigte beispielhaft den Stammbaum seiner Familie, die davon auch betroffen war. Um 2000 gab es eine große Familienfeier, wo 150 Schaubs in USA sich zusammenfanden. In Büchern hielt Schaub seine Recherchen fest.

Monsignore Martin Borger erinnerte an die Auswanderer und an den Mut vor vielen Generationen, aber auch an die, die daheim geblieben sind.

Lockerer ging es dann beim Testen geistiger Produkte in der Nachbarschaft bei Lochners Probierstuben zu. Anschließend war so mancher beim deftigen und mächtigen fränkischen Schäuferla fast überfordert. Bürgermeisterin Anja Gebhardt (SPD) machte ihre Aufwartung und grüßte die Gäste seitens der Gemeinde Kirchehrenbach. Weiterhin stand noch Wiesenthau auf dem Reiseplan. Der sorgfältig gepflegte Friedhof beeindruckte. Immer wieder deutete man auf auch in Ohio bekannte deutsche Namen auf den Grabsteinen. Für Harold und Melissa Munger, die die Reise von amerikanischer Seite organisierten, durfte auch ein Weg gegenüber der Pfarrkirche St. Matthäus nicht fehlen: Dort findet sich eine Tafel "Munker 2009" über der Tür. Sie vermuten hier ihren möglichen Ursprung. Wie so oft, sind die Spuren verwischt, die letzte Antwort fehlt. Pfarrer Michael Gehret nahm sich die Zeit zu einer prägnanten Kirchenführung in Wiesenthau, die alle beeindruckte. Die Gäste dankten schließlich Maria Hübner-Roppelt und ihrem Mann Otto Roppelt für ihre monatelange gelungene Vorbereitung und setzten ihre Pilgerreise Richtung Bamberg fort.

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