Forchheim
Wahlanalyse

Philipp Blümlein macht einen Riesensatz in den Kreistag

Der Enduro-Fahrer Philipp Blümlein ergattert ein Mandat. Und das als Nr. 43 bei den Jungen Bürgern.
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Philipp Blümlein macht nicht nur beim Motocross große Sprünge. Ihm gelang auch der Sprung von Platz 43 der Liste in den Kreistag.  Foto: privat
Philipp Blümlein macht nicht nur beim Motocross große Sprünge. Ihm gelang auch der Sprung von Platz 43 der Liste in den Kreistag. Foto: privat
Philipp Blümlein (35) nahm die Kreistagswahl sportlich. Zwar gab es für den Kickboxer und Hindernisläufer diesmal keine Wassergräben zu durchwaten und Strohwände zu erklimmen wie bei seiner Teilnahme am Fisherman's-Friend-Strongman-Run, dennoch landete der Handwerksmeister einen sensationellen Erfolg. Die Wähler katapultierten den Enduro-Fahrer von Platz 43 der Jungen Bürger auf Anhieb in den Kreistag - ein Riesensatz.
"Ich weiß nicht, wie das ging, aber ich freue mich über diesen Erfolg", bekennt Blümlein. "Möglich, dass der Bekanntheitsgrad auf Grund meiner sportlichen Aktivitäten eine Rolle gespielt hat", mutmaßt der frisch gebackene Kreisrat, der auch in den Forchheimer Stadtrat gewählt wurde. Vielleicht spielten auch die vielen Baustellen, auf denen der Zimmerer im Landkreis unterwegs ist, eine Rolle.
"Ich will einfach nur frischen Wind in den Kreistag bringen", nennt Blümlein den Grund für seine Kandidatur. Über die Aufgaben mache er sich noch keine Gedanken.

Persönlichkeit zählt

"Ich freue mich außerordentlich über unser Wahlergebnis", erklärt der neue JB-Kreisrat Ulrich Schürr. "Vor allem, weil wir unser Ergebnis von fünf Kreisräten halten konnten." Es zeige auch, dass Kommunalwahlen Persönlichkeitswahlen sind. "Hier kommt es nicht auf den Listenplatz an", findet Schürr. Er sieht vor allem im Wahlerfolg von Blümlein die Bestätigung, dass sich Engagement lohnt.
Richtig glücklich macht das Wahlergebnis auch Karl Waldmann von den Grünen. Der Spitzenkandidat, der im Vergleich zu 2008 über 5000 Stimmen mehr erhalten hat, sieht seine Erwartungen mehr als erfüllt. Vor allem, weil die Grünen einen Sitz im Kreistag Forchheim gewonnen haben.
Mit Matthias Striebich (Gräfenberg) und Barbara Poneleit (Igensdorf) kommen zwei der sechs Mandatsträger aus Orten, in denen erst in jüngster Zeit ein eigener Ortsverband gegründet wurde, informiert Waldmann. Besonders freut er sich darüber, dass die Grünen in Igensdorf mittlerweile die zweitstärkste politische Kraft sind. "Wir sind gut aufgestellt", findet Waldmann. Einen Grund für den Erfolg vermutet er darin, dass die Grünen "eine konsequente Linie verfolgt haben".
SPD-Fraktionschef Reinhold Otzelberger freut sich über weibliche Verstärkung im Kreistag. Die quotierte Liste sei dabei hilfreich gewesen. Die Tatsache, dass die ehemalige Forchheimer OB-Kandidatin Christa Gerdes nicht mehr im Kreistag vertreten ist, sei dem Wettbewerb der Kandidaten geschuldet. Dafür ziehen mit Anja Gebhardt (Kirchehrenbach), Sigrid Meier (Gräfenberg) und Gerlinde Kraus (Hausen) drei andere Frauen in den Kreistag ein.
Endlich sei auch das Engagement des SPD-Kreisvorsitzenden Reiner Büttner belohnt worden. Die Tatsache, dass die SPD diesmal nur acht statt neun Kreisräten stellt, sei dem neuen Verteilungsmodus geschuldet. "Nach diesem Verfahren hätten wir 2008 auch nur acht Kreisräte gehabt", erklärt Otzelberger.
Franz Schmidtlein (Freie Wähler) bedauert den Verlust von zwei Mandaten. Die Ursache dafür: "Arrivierte Kräfte, die in der Vergangenheit viele Stimmen gebracht haben, sind diesmal nicht mehr angetreten." Dies gelte vor allem für die Kandidaten aus dem Forchheimer Oberland wie Johann Deuerlein aus Hiltpoltstein, ein Urgestein der Freien Wähler. Auch das Ausscheiden von Landrat Reinhardt Glauber habe die Freien Wähler Stimmen gekostet. "Unsere Nachwuchskräfte haben sich reingehängt, konnten die Stimmenverluste aber nicht kompensieren."

Geringe Wahlbeteiligung

Ein besonderes Lob zollt Schmidtlein Elisabeth Simmerlein, die das viertbeste Ergebnis bei den FW einfuhr. "Dabei kam ihr sicher der gestiegene Bekanntheitsgrad zugute, denn sie kandidierte auch bei den Land- und Bezirkstagswahlen", ist Schmidtlein überzeugt. Erfreut ist FW-Fraktionschef, dass Gößweinstein nach dem Tod von Hans Backer mit Rainer Polster weiterhin im Kreistag vertreten ist. Bei etwas höherer Wahlbeteiligung wäre vielleicht noch mehr für die Freien Wähler drin gewesen, glaubt Schmidtlein.
Für die CSU hat Peter Eismann errechnet, dass zum Wahlergebnis von 2002 nur noch 60 000 Stimmen gefehlt haben. "Wir haben im Vergleich zu 2008 rund 100 000 Stimmen gut gemacht. Das ist eine fantastische Leistung", freut sich Eismann, der das Ausscheiden von Edmund Mauser, Mathilde Hartmann und Robert Glenk bedauert. Andererseits würden die sechs Neuen - Stefan Förtsch aus Egloffstein, Kerstin Nestrojil aus Kirchehrenbach, Martin Mehl aus Neunkirchen, Rainer Schmeußer aus Ebermannstadt, Konrad Rosenzweig aus Wiesent tal und Gerhard Amon aus Weilersbach - für frischen Wind im Kreistag sorgen.
Mit Genugtuung erfüllt den CSU-Fraktionschef vor allem das Abschneiden der Jungen Bürger, die er 1990 gegründet hatte. "Die sind mittlerweile zu einer Erfolgsstory im Landkreis geworden", sagt Eismann. Das zeigen die zweistelligen Ergebnisse in fast einem Drittel der Landkreisgemeinden.
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