Obertrubach
Persönlichkeit

Pfarrer, Regisseur und Schauspieler in Obertrubach

Werner Wolf prägt das kulturelle Leben in Obertrubach. Heuer wird der Kirchenmann 70. Wenn er aufhört, wird es keinen neuen Pfarrer in Obertrubach mehr geben.
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Wie Alfred Hitchcock tritt auch Pfarrer Wolf in seinen Stücken in Minirollen auf. Diesmal war er als Postbote zu sehen. Foto: Franz Galster
Wie Alfred Hitchcock tritt auch Pfarrer Wolf in seinen Stücken in Minirollen auf. Diesmal war er als Postbote zu sehen. Foto: Franz Galster
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Wenn sich heute, Samstag, am Abend der Theatervorhang nach der neunten und letzten Vorstellung in der Begegnungsstätte von Obertrubach senkt, dann endet die 29. Theatersaison mit großem Zuspruch. Der Erfolg hat einen Namen: Pfarrer Werner Wolf.

Wenn er zur Begrüßung auf die Bühne steigt, scheint von ihm alle Bürde des Alltags abzufallen. Heiter und leger stimmt er auf das Theaterstück "Die Dorfplatzrose" ein. Schon mit 15 Jahren spielte Wolf in seinem Heimatort Uffenheim Theater, die neue Pfarrkirche musste finanziert werden. In seiner Kaplanzeit in Scheßlitz übernahm er erstmals die Regie einer Theatergruppe. 1984 kam er nach Obertrubach. Die Begegnungsstätte und eine Bühne wurden errichtet, der Weg war ab 1986 frei für das Theaterspiel.

Zwei Jahre beobachtete er, wer wohl geeignet sei. "Man braucht dazu eine gute Mannschaft", weiß er.
Längst hat man das Umfeld perfektioniert, bietet nummerierte Sitzplätze an, was das Handling auch für die Besucher deutlich erleichtert. Technik, Bühne Scheinwerfer, Kostüme, vieles geht schnell ins Geld, sagt Wolf.

Er sucht seit 29 Jahren die Stücke aus. Das Niveau, aber auch der Spannungsbogen soll stimmen. Lustspiele, Komödien, Bauernstücke kommen in Frage. Auch zwei Kriminalstücke waren schon dabei. Wolf besetzt die Rollen und führt Regie.

"Es gab bis heute keine einzige Absage", freut er sich. Es gebe keine Stars in der Truppe. Jeder Aktive freue sich hinter der Bühne, wenn dem einen oder anderen eine besonders gute Darstellung gelingt und das Publikum begeistert ist.

Das Alter der Spieler bewegt sich zwischen 22 und 49 Jahren. Die Laienspieler nehmen die Übungen, sonstigen Vorbereitungen und Aufführungen von November bis Anfang Januar auf sich, aus Idealismus und Freude. "Den Dorflehrer als Kulturträger gibt es nicht mehr, also muss man etwas tun." sagt Wolf. Er gründete neben der Theatergruppe eine Jugendblaskapelle. Beide Vereine sind geschätzte und feste Bestandteile des Dorflebens in Obertrubach.

Freilich wird er in seiner Gemeinde einen deutlichen Schritt zurücktreten. "Es wird sich 2015 einiges ändern", sagt er. Für Obertrubach ist kein neuer Pfarrherr mehr seitens der Erzdiözese Bamberg geplant. Im Gespräch lässt der passionierte Theaterliebhaber erkennen, dass ihn seine zweite Heimat Obertrubach so leicht nicht loslässt.

Wolf freut sich bei der Beobachtung, wie viele junge Menschen sich vom Theater angesprochen fühlen, trotz moderner Medien. Für ihn bedeutet es auch eine gute Möglichkeit, den Kontakt mit der Jugend zu pflegen. Zudem kommen die Besucher weiträumig von Nürnberg bis Bamberg angereist und mancher Feriengast findet den Weg in die Begegnungsstätte. Dem Tourismus, ein wichtiger Faktor im Trubachtal, kommt das nebenbei auch entgegen.

Bei keiner Gelegenheit versäumt Wolf, die evangelischen Christen willkommen zu heißen. Auch hier bleibt er seiner Linie treu und praktiziert bewusst Ökumene.

"Wir unterstützten mit den Einnahmen Bauprojekte wie den Kindergarten oder die Begegnungsstätte. Dazu kommen zahlreiche Sozialprojekte wie das Kinderkrankenhaus in Betlehem, die Syrienhilfe, die Kinderkrebsstation oder einfach anonym auch sozial schwache Familien. Rechnen wir die sonstigen Sammlungen für soziale Zwecke zusammen, so kommen wir in der Pfarrgemeinde Obertrubach auf geschätzte 20 000 Euro an Hilfen. Allein die Sternsingeraktion, an der sich 65 Ministranten in 16 Gruppen beteiligten, erbrachte allein 13 300 Euro. Es gibt hier Menschen mit großem Herzen."

Im Sommer dieses Jahr vollendet Werner Wolf sein 70. Lebensjahr. Er wirkt jünger und fühlt sich offensichtlich auch so. Zwischen Weihnachten und dem 11. Januar absolviert er zwölf Predigten und 24 Gottesdienste. Ein Mammutprogramm in der Pfarrkirche und den Filialkirchen Bärnfels, Geschwand und Untertrubach.

Seine Spieler schätzen ihn mit seinem Humor. Auch dieses Jahr wirkte er als Handlanger oder musste auf Drängen seiner Spieler kleinere Rollen wie die des Postboten annehmen, sehr zur Erheiterung des Publikums.

Das darf Pfarrer Wolf nochmals am Sa mstag machen, wenn die letzte Vorstellung um 20 Uhr in der Begegnungsstätte läuft. Das Theater wird ihn auch nächstes Jahr nicht loslassen. Diese Prognose darf man wagen.




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