Forchheim
Bauvorhaben

Parkhaus neben Forchheimer Moschee - Muslime kritisieren: Profitdenken vor Geistlichkeit?

Im Streit um das geplante Parkhaus neben der Forchheimer Moschee fühlen sich die Gläubigen ungerecht behandelt. Der Vereinsvorstand stellt unbequeme Fragen: Kommt Profitdenken vor Geistlichkeit? Die Sparkasse beschwichtigt.
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Ekrem Akyol (Vorstandsvorsitzender des Moschee-Vereins) kritisiert das plötzliche Bauvorhaben  von der Stadt und der Sparkasse Forchheim. Foto: Ronald Heck
Ekrem Akyol (Vorstandsvorsitzender des Moschee-Vereins) kritisiert das plötzliche Bauvorhaben von der Stadt und der Sparkasse Forchheim. Foto: Ronald Heck
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"Unser Wunsch ist natürlich nach wie vor, dass hier kein Parkhaus hinkommt", bekräftigt Ekrem Akyol. Der 41-Jährige ist in Forchheim geboren und aufgewachsen. Erst im Februar wurde er zum Vorstandsvorsitzenden des Moschee-Vereins gewählt. Jetzt steht er vor einer großen Herausforderung: Die Muslime in der Region kritisieren die Pläne für das angedachte fünfstöckige Parkhaus neben der Yunus-Emre-Moschee. Akyol hofft, das Bauvorhaben noch stoppen zu können. "Wir werden uns natürlich einen Rechtsbeistand holen, um zu prüfen, welche Rechte wir haben, bevor es weiter geht", erklärt Akyol.

Der Stein des Anstoßes: Die Stadt will gemeinsam mit der Sparkasse Forchheim einen Neubau in der Haidfeldstraße errichten. Aktuell sind neben der Moschee noch Parkplätze. Nach den bisherigen Plänen würde das Parkhaus das Gebetshaus überragen. In den Stadtratsgremien wurde mehrmals über die umstrittene Höhe (12 Meter), die Anzahl der Stellplätze (320 bis 350) und die architektonische Ausgestaltung diskutiert. In der Juli-Sitzung feilschten die Stadträte und - rätinnen um jedes Detail des Beschlusses, den nur die FGL-Fraktion ablehnte. Nach der Kritik von Seiten des Moschee-Vereins, soll der Neubau nun im "Benehmen" mit den Gläubigen realisiert werden. Akyol war bei den ersten Treffen mit Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) dabei, eine Einigung kam bislang nicht zustande.

Versprechen gebrochen

"Ursprünglich wollten wir früher in das ehemalige Tengelmann-Gebäude in der Wallstraße einziehen, da war aber der Stadtrat dagegen", erinnert Akyol an die Anfänge der Forchheimer Moschee. Die Stadt bot stattdessen das ehemalige Seltsam-Areal an. Die muslimische Gemeinde hätte ihr Gotteshaus zudem gerne höher gebaut und sich ein Minarett gewünscht. Die Gläubigen waren damals sowohl bei der Höhe (heute 9,15 Meter) als auch bei der Ausgestaltung der Moschee zu Kompromissen bereit. Akyol zeigt, welche Folgen das für die Forchheimer Muslime heute hat: Im oberen Gebetsraum stoßen die Betenden teilweise mit den Köpfen an die Decke. Zudem habe es eine Absprache mit der Stadt gegeben: "Es wurde uns versprochen, dass im Gegenzug nichts Höheres nebenan gebaut wird." Dieses Versprechen werde nun gebrochen. "Wir fühlen uns ungerecht behandelt", fasst Akyol seinen Frust zusammen.

Nicht über den Kopf hinweg

Was denken christliche Geistliche zu der Diskussion um den Parkhaus-Bau neben der Moschee? "Für mich als Pfarrer wäre es wichtig, dass die Nachbarn sich untereinander einigen. Wenn gebaut wird, dann sollte es doch ganz normal sein, dass man vorher Bescheid sagt", meint der katholische Pfarrer Martin Emge der St. Martin-Gemeinde. Die Verantwortlichen sollten dafür sorgen, dass das Vertrauen zwischen der Stadt und den Forchheimer Muslimen nicht darunter leidet. "Wenn es meine Kirche wäre, hätte ich mir auch gewünscht, dass nicht über meinen Kopf hinweg entschieden wird", zeigt Emge Verständnis.

Ekrem Akyol stört aber zudem: Das plötzliche Bauvorhaben kam vor allem auf Initiative der Forchheimer Sparkasse auf die Tagesordnung. "Hier werden auch städtische Gelder ausgegeben. Und es scheint so, als ob hier der Profitgedanke der Sparkasse überwiegt - ohne Rücksicht auf das Geistliche." Für ihn stellen sich auch als Forchheimer Bürger viele kritische Fragen: Braucht die Sparkasse das Parkhaus oder Forchheim?

Viele Fragen noch offen

Die Stadt arbeitet gerade an einem innerstädtischen Verkehrskonzept. Akyol fragt sich: Wieso wartet man nicht erst auf das Ergebnis des Verkehrsgutachtens? Werden in der Stadt wirklich so viele Parkplätze gebraucht? Und verträgt die Haidfeldstraße überhaupt so viel Verkehr, wenn mehr als 300 Parkplätze zusätzlich entstehen? "Aus meiner Sicht ist es auch eine Verschwendung von Steuergeldern, die letztendlich nur der Sparkasse zu Gute kommt." Am Dienstag war der Leiter der Sparkasse Forchheim für keine direkte Stellungnahme zu erreichen. Der Pressesprecher der Sparkasse Michael Gößwein erklärt auf Nachfrage des FT schriftlich: "Mit der Stadt Forchheim haben wir den Wunsch nach Parkplätzen für unsere Mitarbeiter besprochen und in diesem Zuge das Angebot erhalten, einen Teil der geplanten ,Park & Ride'-Plätze am Seltsam-Gelände käuflich zu erwerben. Grundvoraussetzung für uns ist immer, eine einvernehmliche Lösung mit allen Betroffenen zu finden."

Akyol betont die Bedeutung der Moschee für rund 3500 Gläubige aus der Region: Das Gotteshaus bilde eine wichtige "Klammer für alle Türken und Muslime, die in Forchheim und Umgebung leben". Die Interessen der muslimischen Gemeinde würden bei den Entscheidungsträgern bislang zu wenig Gehör finden, die Gläubigen hätten nicht "dasselbe Netzwerk wie zum Beispiel die Sparkasse".

Die Muslime fürchten, durch das geplante Parkhaus eingeengt zu werden. "Wenn ich mich eingeengt fühle, kann ich mich als Gläubiger natürlich auch nicht so besinnen. Wir werden dann nicht mehr so frei sein."

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