Gößweinstein
Humboldt-Kulturforum

Otfried Preußler lässt die heilige Familie durch Böhmen flüchten

Der Kinderbuchautor Otfried Preußler erzählt die Flucht der heiligen Familie anders - sie führt bei ihm durchs winterliche Böhmen.
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Wolfram Ster las aus Otfried Preußlers "Flucht nach Ägypten". Foto: Stephan Herbert Fuchs
Wolfram Ster las aus Otfried Preußlers "Flucht nach Ägypten". Foto: Stephan Herbert Fuchs
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Mit einem geografischen Abenteuer beginnt für den Hörer die Geschichte von Maria, Josef und dem Jesuskind auf der Flucht nach Ägypten. Zumindest bei Otfried Preußler, dem Vater von "Räuber Hotzenplotz" und "kleiner Hexe". Weil der 2013 verstorbene Kinderbuchautor 1920 im nordböhmischen Reichenberg, dem heutigen Liberec, geboren wurde, führt bei ihm die Flucht nach Ägypten ganz zwangsläufig durch Böhmen.

Literarischer Nachmittag in der Basilika

Zu hören war dies bei einem literarisch-musikalischen Nachmittag in der Wallfahrtsbasilika Gößweinstein. Der Schauspieler und Rezitator Wolfram Ster aus Bayreuth hat dort Auszüge aus Otfried Preußlers Weihnachtsroman "Die Flucht nach Ägypten" gelesen.

Veranstalter war das Alexander-von-Humbolt-Kulturforum Schloss Goldkronach.

Die Krippe im Stall von Bethlehem gilt heute als das Bild des weihnachtlichen Friedens. Maria, Josef und das Jesuskind konnten sich daran freilich nur kurz erfreuen, denn König Herodes trachtete dem Kind nach dem Leben. Der Rest ist bekannt: Es erschien ein Engel des Herrn und trug Josef auf, nach Ägypten zu fliehen. So steht es jedenfalls in der Bibel.

Bei Otfried Preußler steht, dass der Weg der heiligen Familie mitten durch das tief verschneite Königreich Böhmen geführt hat. Und zwar quer durch den nördlichen Teil des Landes, ins Vorland des Iser- und Riesengebirges und zuletzt auf der alten Zollstraße hinaus ins Schlesische, "von wo es dann nach Ägypten nicht mehr weit gewesen ist", so Preußler.

Grenzenlose Fantasie

Preußler hat seine eigene Sicht der Dinge dazu erfunden. Das biblische Motiv bleibt erhalten, doch bei ihm bekommt König Herodes mit, dass die heilige Familie entkommen ist. Er schreibt eine Depesche an Kaiser Franz Josef in Wien, weil Böhmen zum österreichisch-ungarischen Imperium gehörte. Von da an entfernt sich der Roman schnell und weit von der biblischen Geschichte hinein in die schier grenzenlose Fantasie Preußlers.

"Die Flucht nach Ägypten" ist weit mehr als eine Alternative zu Ludwig Thomas "Heilige Nacht", die wohl an der Spitze der Lesungen in der Vorweihnachtszeit steht. Preußlers Story ist eine ziemlich pfiffige Geschichte, mit viel Witz, aber auch mit ernsten Einwürfen. Auf ihrer Flucht zieht die heilige Familie zugleich durch jenes kleine "große Welttheater" mit einer prächtigen barocken Fülle, der Freude am Detail der nordböhmischen Alltagswelt und zuweilen auch mit skurrilem Humor.

Wolfram Ster, bekannt von der Studiobühne Bayreuth, lässt dies alles, der widrigen Akustik zum Trotz, mit sonorer, sympathischer Stimme textsicher immer wieder aufblitzen. Er baut immer wieder neue Spannungsbögen auf, nimmt seine Zuhörer mit auf die Reise und lässt sie Anteil haben an den witzigen Geschichten.

Böhmische Musik

Ster wurde begleitet vom Duo "Bojaz". Gerhard und Andrea Ehrlich, ein Musikerehepaar aus Stuttgart, hat sich seit Jahren in eindrucksvoller Weise der Kultur seiner Vorfahren verschrieben. Mit zum Teil selbst gebauten Instrumenten wie einem böhmischen Dudelsack musizieren beide Egerländer Volksmusik und weihnachtliche Klänge.

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