Forchheim
Altwaren

Osteuropäische Familie sammelt illegal Altwaren ein

Organisationen wie das Kolpingwerk fürchten um ihr Geschäft mit Haussammlungen. Schuld sollen die illegalen Machenschaften einer ominösen ungarischen Familie sein.
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Mit Dingen, die wir nicht mehr brauchen, lassen sich noch gute Geschäfte machen. Grafik: Friedrich
Mit Dingen, die wir nicht mehr brauchen, lassen sich noch gute Geschäfte machen. Grafik: Friedrich
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Weiße, völlig unscheinbar wirkende Zettel informieren in diesen Tagen die Menschen im Landkreis über eine ganz besondere Altwarensammlung. Organisiert wird sie von von einer ungarischen Familie. Grammatikalisch bisweilen nicht ganz korrekt und auch mit ein paar Rechtschreibfehlern machen sie auf den Zetteln klar, was sie alles gern mitnehmen würden. Im Grunde nehmen sie alles, auch defekte Gegenstände und Kleider.

Für gemeldete und genehmigte Altkleidersammler sozialer Einrichtungen wie dem Kolpingwerk ist das inzwischen ein Problem. Das Werk holt am selben Tag Gegenstände ab. Allerdings sind die Ungarn eine Stunde früher dran. Hinzu kommt: Die Sammlung der ungarischen Familie ist schlicht illegal.

In ganz Bayern bekannt

"Ich kann den Zettel auswendig. Sie fallen ein wie Heuschrecken und sind ebenso schnell wieder weg", erklärt Manfred Görl. Die drastische Wortwahl verdeutlicht, wie wütend Görl ist. Er vermutet, dass es sich bei den Ungarn um Menschen handelt, "die von der Hand in den Mund leben".

Er ist Sachbearbeiter im Referat Umweltschutz und Abfallrecht im Landratsamt Forchheim. Von einer Familie könne zudem keine Rede sein. "Es ist ein Imperium. Sie sind auch schon erwischt worden, aber das hält sie nicht auf", sagt er.

Hart umkämpfter Markt

Das Recht will, dass jede Sammlung im Landratsamt angemeldet werden muss. Zudem entspricht der Flyer nicht den rechtlichen Bedingungen: der Ansprechpartner fehlt, ebenso eine Telefonnummer. Darauf macht Martin Kunwald, Leiter des Kolping-Schnäppchen-Treffs in Bamberg aufmerksam.

Er ärgert sich maßlos über diese Zettel, die seiner Ansicht nach dem Kolpingwerk bereits finanziell geschadet haben. "Schützen Sie ihre Kleidung vor Diebstahl und Plünderungen", steht deshalb als erster Hinweis auf den Flyern der Kolpingfamilie, die für diesen Mittwoch und Donnerstag Sammlungen angemeldet haben.

Von 15 verschiedenen Personen ist die Rede, die durch die Gegend ziehen und die für Kolping oder auch andere soziale Träger bestimmte Altkleider einfach vorher einpacken.

Kolping oder andere tragen die Kosten für den Flyer, die Lkw und die Sortierung - während andere die Ernte einfahren. So sieht das jedenfalls Kunwald. "Die Branche ist im Moment völlig irre umkämpft", sagt er. Ein Export in andere Länder sei schwierig geworden. Elektroware dürfe beispielsweise nicht exportiert werden. Im Fall der Ungarn finde ein illegaler Abfallexport über die Grenze statt.

"Sie machen einfach weiter"

"Nach dem Abfallrecht muss eine Sammlung angezeigt werden und wird von uns auf Zuverlässigkeit und die Verwertungswege, wohin geht das Ganze, geprüft", erklärt Görl vom Abfallrecht die gängige Praxis. Das alles liege bei den Ungarn völlig im Dunkeln. Nach Paragraph 18 der Kreislaufwirtschaft müssten diese Sammlungen angemeldet sein, informiert auch Hannah Reuter, Pressesprecherin des Landratsamts Erlangen-Höchstadt.

Auch im Nachbarlandkreis ist die "ungarische Familie" keine Unbekannter. "Als eine Familie von vier Erwachsenen sind sie in ganz Bayern bekannt", sagt Reuter.
Irgendwo höre man immer von ihnen, sie tauchten immer wieder auf. Aber Reuter weiß auch, dass die Familie einmal bereits von der Polizei aufgegriffen wurde. "Wenn die einen in Bamberg erwischt werden, machen sie in Würzburg weiter", sagt dazu Kunwald.

Er kennt auch Fälle, wo nicht nur säckeweise die alten Klamotten eingepackt worden sind, sondern die Säcke einfach aufgerissen und nach den besten Stücken durchwühlt wurden. Auch bei Regen, sodass für die angemeldeten Sammler nasse Kleidungsstücke auf dem Gehweg zurückblieben. Doch mit nassen Sachen können auch diese Sammler nichts mehr anfangen.
Die ungarische Familie nimmt aber auch andere Dinge mit: Schrott, kaputte Fahrräder oder Kühlschränke. Diese Einnahmen aus den Recyclingprodukten sind dann für heimische Betriebe verloren. Pech nur, wenn bei den defekten Geräten nur das Kabel mitgenommen wird und der Rest auf der Straße liegen bleibt.
"Am 25. Februar hatten wir in Pettstadt eine Sammlung. Keiner hat etwas raus gestellt", sagt Kunwald. Sicher könne man das als Zufall deklarieren, es könnte aber auch sein, dass die Pettstadter das Vorgehen der Ungarn schon selbst beobachtet haben. Mit dieser Vermutung könnte er richtig liegen, denn auch Görl kennt die Aussagen, dass die gesammelten Sachen vom einen rausgestellt und von einem anderen mitgenommen werden.

Schwierig für die Polizei

"Von staatlicher und kommunaler Seite ist es schwierig, dagegen vorzugehen", räumt er aber ein und rät den Bürgern Anzeige zu erstatten, wenn sie etwas bemerken.
Auch Kriminaloberkommissar Daniel Müller von der Polizeiinspektion Forchheim kennt das Problem mit den Sammlern: "Wir bekommen über die Sammlungen nicht Bescheid und können deshalb auch keine Stichproben machen", erklärt er.
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