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Forchheim: Neuer Buchhändler sorgt für Konkurrenz

Osiander hat die Buchhandlung Streit übernommen und will in Forchheim deutlich wachsen. Kleinere Buchläden fürchten nun, verdrängt zu werden.
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Zum 1. September hat Osiander den Buchladen übernommen. Foto: Barbara Herbst
Zum 1. September hat Osiander den Buchladen übernommen. Foto: Barbara Herbst
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Die Buchhändler-Szene in Forchheim wandelt sich: Am Samstag vor einer Woche hat das Tübinger Buchhandelsunternehmen Osiander die traditionsreiche Buchhandlung Streit in Forchheim übernommen. "In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Auf der einen Seite bin ich glücklich, dass wir einen Nachfolger gefunden haben. Auf der anderen Seite habe ich die Buchhandlung wirklich mit Herzblut geführt", sagt Josephine "Pepi" Streit.

50 Jahre Buchhandlung geleitet

Die 69-Jährige hat den Buchladen am Rathausplatz 50 Jahre lang geleitet. Wegen langjähriger gesundheitlicher Probleme konnte die Inhaberin ihn seit 2017 nicht mehr weiterführen.

Situationsbedingt sprangen ihre Bruder Franz und Schwägerin Karin ein. Die Buchhandlung Streit befindet sich seit 1864 am Rathausplatz in Forchheim. Auf den 150 Quadratmetern Fläche verkaufte die Familie Streit mit vier Teilzeitmitarbeiterinnen Bücher, Schreibwaren, Büro- und Schulbedarf. Die Bücherauswahl reichte von Kinder- und Jugendbüchern bis zu Erwachsenen-Romanen, Biografien und Klassikern.

"Das wirklich Traurige ist, dass wir viele Stammkunden hatten. Wenn ich nicht krank geworden wäre, hätte ich die Buchhandlung noch ein paar Jahre weiter gemacht", bekräftigt Pepi Streit. "Ganz wichtig ist mir, dass mit Osiander ein familiengeführtes Unternehmen übernimmt. Ich würde mich freuen, wenn unsere Kunden dem Hause Osiander die Treue halten." Auch die vier Teilzeitkräfte sollen weiter beschäftigt werden. Das Gebäude am Rathausplatz ist von der Stadt Forchheim gemietet.

Der Geschäftsführer der Tübinger Buchhandlung Christian Riethmüller teilt mit, dass Osiander im Sommer 2019 vom Rathausplatz auf eine doppelt so große Verkaufsfläche (300 Quadratmeter) in eine "Bestlage in der Fußgängerzone in Forchheim" ziehen und eine neue große Buchhandlung eröffnen will. Derzeit ist Riethmüller auf der Suche nach einem Standort in der Hauptstraße.

In Forchheim gibt es noch drei weitere kleinere Buchhandlungen und eine Weltbild-Filiale. "Für eine Stadt mit 32 000 Einwohnern, vielen und hochwertigen Arbeitsplätzen und den vielen Touristen ist Forchheim buchhandelstechnisch sicherlich nicht ausreichend bestückt, weil eine größere Fläche fehlt", so Riethmüller. Mit dem Umzug und der Erweiterung wolle Osiander "diese Lücke" füllen.

Kleinere Läden sind auch besorgt

Die Expansionspläne bereiten Michael Holz, dem Inhaber der Buchhandlung Faust, Sorgen: "Wenn Osiander in die Fußgängerzone geht, wird mir das sicherlich weh tun." Seit zwei Jahren betreibt Holz die Buchhandlung in der Nürnberger Straße (vorher leitete er drei Jahre die Buchhandlung Dacapo in der Apothekenstraße). "Ein 300-Quadratmeter-Laden wird ein Publikumsmagnet sein. Die Laufkundschaft wird mir dann weggezogen", glaubt der 56-Jährige. "Aber deswegen war die Entscheidung, auch nach Ebermannstadt zu gehen, hoffentlich eine gute." Denn der Buchhändler eröffnet am kommenden Donnerstag, 13. September, eine Filiale in der Hauptstraße 21. Im Mai hatte die einzige Ebermannstadter Buchhandlung "Fränkische Schweiz" geschlossen.

Ähnlich kritisch beäugt das Inhaber-Paar Schmidt von der Bücherstube an der Martinskirche den geplanten Umzug von Osiander in die Fußgängerzone. "Der Buchmarkt schrumpft generell, nicht nur in Forchheim, und wenn so ein großer Platzhirsch kommt, dann befürchten wir schon einen Verdrängungswettbewerb", sagt Hilmar Schmidt. Die Bücherstube wurde 1980 gegründet, 1985 hat das Ehepaar die Buchhandlung (62 Quadratmeter Fläche) übernommen. "In unseren 33 Jahren, die wir hier sind, da pflegt man seine Stammkundschaft, von der wir leben", betont Marion Schmidt.

Aber jüngere Käufer kämen nicht mehr so viele nach, weil die jüngere Generation Bücher vermehrt im Internet kaufe. "Osiander wird kaum zusätzlichen Umsatz generieren können, der bisher nicht da war. Da nimmt er uns kleinen Buchhändlern sicherlich etwas weg", findet Hilmar Schmidt.

Stammkunden besonders wichtig

Gelassener blickt Manfred Schade von der Buchhandlung "s' Blaue Stäffala" auf die Osiander-Pläne. "In einer kleinen Stadt leben wir Händler vom Stammpublikum. Laufkundschaft haben wir in Forchheim sowieso immer weniger", findet der 58-Jährige.

Seit 21 Jahren betreibt er den Laden in der Wiesentstraße und setzt auf die Stärken kleinerer Buchhändler: Die könnten eine individuellere Bücherauswahl, mehr Literaturkompetenz und persönlichere Beratung anbieten. Mit der Forchheimer Leserschaft sei er zufrieden, sonst wäre er nicht derart lange am gleichen Standort. "Wenn wir Qualität liefern, müssen wir keine Angst haben. Wer in einen Bücher-Supermarkt wolle, der könne dort hin gehen oder seine Lektüre im Internet kaufen."



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