Forchheim
Demonstration

"One billion rising" in Forchheim: Über 100 Menschen tanzen gegen Gewalt an Frauen

Über 100 Schülerinnen und Schüler des Herder-Gymnasiums tanzen am Valentinstag vor dem Forchheimer Rathaus. Die Aktion "One billion rising" will ein Zeichen setzen: Denn Gewalt an Frauen und Mädchen ist auch im Landkreis Forchheim präsent.
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Mit Freude und Bewegung machten die Forchheimer Frauen und Mädchen auf ein wichtiges Thema aufmerksam. Foto: Ronald Heck
Mit Freude und Bewegung machten die Forchheimer Frauen und Mädchen auf ein wichtiges Thema aufmerksam. Foto: Ronald Heck
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Die Musik startet Punkt 14 Uhr und über 100 Junge und Ältere fangen gemeinsam gleichzeitig an zu tanzen. Alle bewegen sich zur gleichen Choreographie. Ein Schritt links, ein Schritt rechts und dann fliegen plötzlich alle Arme in die Luft.

 

 

Der Flashmob "One billion rising" findet jedes Jahr am Valentinstag statt, in der Königsstadt tanzen die Teilnehmer bereits zum sechsten Mal. "So langsam können wir die Tanzschritte", scherzt die Forchheimer Mitinitiatorin Anja Drummer.

Die rund 100 Kinder und Jugendlichen vom Herder-Gymnasium sind heuer zum zweiten Mal dabei. 2018 fiel die Aktion in die Faschingsferien, deswegen waren vergangenes Jahr keine Schulen dabei. "Wir integrieren es immer in das Gesamtthema Menschenrechte", sagt die Sport- und Religions-Lehrerin Sonja Döbrich. "One billion rising" (englisch für "Eine Milliarde erhebt sich") möchte ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen setzen.

Am Herder-Gymnasium wurde Gewaltfreiheit deshalb in den vergangen Wochen auch im Unterricht behandelt. So besuchten zum Beispiel Vertreter der Menschenrechts-Organisation Amnesty International die Schüler. Der Vortrag für die achte, neunte und zehnte Jahrgangsstufe thematisierte Frauenrechte und zeigte, wie Frauen und Mädchen in Kriegsgebieten leiden.

Diskutieren und Tanzen

Die jungen Menschen hätten schon ein Gespür, wie wichtig das Thema ist, betont Döbrich und fügt hinzu: "Gewalt gegen Frauen passiert aber nicht nur weit entfernt auf einem anderen Kontinent, sondern ist leider auch im Alltag mancher Schülerinnen präsent." Die Lehrerin diskutierte das heikle Thema im Religionsunterricht mit den Gymnasiasten und den Tanz lernten sie im Sportunterricht.

Und wie reagieren die Schülerinnen und Schüler auf die Tanzaktion? "Sich vor das Rathaus hinzustellen und zu tanzen, kostet schon Überwindung und Mut", betont Döbrich. "Viele sind sofort angetan und manche sind eher zurückhaltend." Nach der Tanz-Demo, auf der sich über 100 Forchheimer gegen Gewalt "erhoben haben", geht es für die Gymnasiasten wieder zurück zum Unterricht. Lehrerin Döbrich betont: "Der Flashmob ist auf jeden Fall sinnvoll. Ich habe mich total gerne dafür engagiert."

"Ein Thema, das im Verborgenen schwelt"

Die Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt Forchheim Christine Galster begrüßt das Engagement bei "One billion rising". "Das Thema Gewalt gegen Frauen wird leider unterschätzt und schwelt häufig im Verborgenen", so Galster. Die Gewalt nehme unterschiedliche Formen an: Einerseits physisch, zum Beispiel durch den Ehemann oder Ex-Partner, der handgreiflich wird. Andererseits psychisch, wenn Frauen und Mädchen beispielsweise Opfer von Stalkern werden. Dass Männer Frauen nachstellen und sie verfolgen, sei ein zunehmendes Problem - auch im Kreis Forchheim, so die Gleichstellungsbeauftragte.

In Deutschland sind 2017 statistisch insgesamt 138 893 Menschen Opfer von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner geworden. 147 Frauen wurden dabei sogar getötet, das ergab die im November in Berlin vorgestellte "Kriminalstatistische Auswertung zu Partnerschaftsgewalt" des Bundeskriminalamtes.

Dass auch in der Region vielen Frauen Gewalt angetan wird, kann Monika Vieth, die Leiterin des Weißen Rings in Forchheim bestätigen. Der Opferhilfeverein betreute im vergangenen Jahr 34 aktuelle Fälle, darunter waren 30 Fälle von Gewalt gegen Frauen. Das häufigste Problem war Stalking. Glücklicherweise werde die Straftat heutzutage stärker wahrgenommen und verfolgt. Vieth betont, dass Gewalt gegen Frauen in allen sozialen Schichten stattfinde, nicht wie fälschlicherweise angenommen nur in sozial schwachen Familien. Die betroffenen Frauen und Mädchen hätten zudem enorm damit zu kämpfen, dass ihnen keiner glaubt oder ihnen niemand zuhört.

Der Leiterin des Weißen Rings Forchheim ist es deshalb wichtig, dass Außenstehende Zivilcourage zeigen, wenn sie mitbekommen, dass andere Frauen unter Gewalt leiden. Sie rät: Sofort Hilfe anbieten und nicht nicht wegschauen! Die Polizei informieren! Den betroffenen Frauen Mut machen und darauf hinweisen, dass es Hilfe gibt!

Kontakte für Hilfesuchende

Frauen, die Hilfe suchen, können sich an den Weißen Ring Forchheim unter 09545 509099 wenden. Weitere Infos auch hier https://forchheim-kreis-bayern-nord.weisser-ring.de/ Außerdem gibt es das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: Unter 08000 116 016 bietet es vertraulich, kostenfrei und rund um die Uhr Unterstützung und online auf www.hilfetelefon.de.



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