Oberehrenbach
Obstbau

Obstanbau in der Fränkischen Schweiz: So halten Landwirte die Kulturlandschaft am Leben

Wer den Streit um Streuobstwiesen in der Fränkischen Schweiz einordnen will, sollte die Arbeit der Landwirte mit ihren hoch- und niedrigstämmigen Bäumen verstehen. Die Familie Schmitt gewährt einen Einblick in ihre Obstwiese.
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Andrea und Roland Schmitt aus Oberehrenbach hegen und pflegen 2,5 Hektar an hohen, alten Baumbeständen. Foto: Ronald Heck
Andrea und Roland Schmitt aus Oberehrenbach hegen und pflegen 2,5 Hektar an hohen, alten Baumbeständen. Foto: Ronald Heck
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Kirschen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Mirabellen und viele Sorten mehr - die fünf Hektar großen Anlagen von Andrea und Roland Schmitt sind eine Obstoase. Wildbienen, Insekten und Schmetterlinge flattern durch die Felder, Bäume und Wiesen. Etwa die Hälfte ihrer Flächen sind intensiv bewirtschaftete Anlagen, die andere Hälfte Streuobstwiesen.

Roland Schmitts Familie blickt auf eine lange Obstbau-Tradition zurück. Der 57-Jährige kennt die Arbeit des Anbaus von Früchten in der Fränkischen Schweiz seit seiner Kindheit. Er kennt die Kulturlandschaft, aber auch die Probleme und Sorgen der regionalen Obstbauern.

Verstreute Bäume in Franken

Streuobst mit den hohen, jahrzehntealten Bäumen prägen die fränkische Landschaft. Bauern pflanzten bereits Ende des 19. Jahrhunderts Obstbäume "verstreut" auf ihren Äckern und Wiesen. In der Fränkischen Schweiz liegen sie noch heute meist am Hang, wo weniger Frost droht. Roland Schmitts Großvater hat auf dem jetzigen Grundstück die ersten Obstbäume gepflanzt. "Wir haben die Hochstämme gehabt und darunter Landwirtschaft betrieben. Noch in den 1960er und 70er Jahren wurden bei uns dazwischen Kartoffeln angebaut", erinnert sich Schmitt.

Wichtig zu wissen: Im Gegensatz zu intensivem Obstanbau, bei dem die Früchte von niedrigen Baumreihen geerntet werden, ist Streuobst für den Bauern sehr viel aufwendiger. Die Obstlese der hohen Bäumen ist schwieriger. "Wir hatten früher in der Fränkischen fast jährlich einen Unglücksfall, der tatsächlich zum Tod geführt hat. Und viele schwere Rückenverletzungen, weil die Leute, beim Pflücken der Kirschen von den meterhohen Leitern gefallen sind", verdeutlicht Schmitt.

Deswegen werden heute die Früchte meist herunter geschüttelt und aufgelesen. Noch heute zahlen die Landwirte bei der Berufsgenossenschaft für Streuobstflächen deutlich höhere Beiträge, wegen des Risikos sich zu verletzen.

Aus Streuobst wird in der Region Forchheim meist Saft gemacht oder Schnaps gebrannt. "Der geldwerte Ertrag ist deutlich weniger, weil es in der Regel nur als Verwertungsobst verwendet wird", erklärt Schmitt, der Obstbau im Nebenerwerb betreibt.

Streuobst lohnt sich kaum

Wenn der Landwirt die Saftkelterei in Pretzfeld beliefert, bekommt er zum Beispiel für seine Streuobst-Äpfel je nach Saison acht bis 15 Cent pro Kilogramm. Andrea Schmitt verkauft zudem im eigenen Hofladen in Oberehrenbach eine Vielzahl an Obstbränden, die Familie besitzt seit über 100 Jahren selbst Brennrecht. Unterm Strich lohne sich der Aufwand für viele Streuobst-Besitzer in der Region nicht.

Auch deshalb sieht der Obstbauer das bayerische Volksbegehren Artenschutz, bei dem nun Streuobstwiesen-Besitzer eingeschränkt werden sollen, sehr kritisch. "Wenn ich diese Landschaft erhalten will, müssen das nach wie vor die Obstbauern leisten. Aber dazu müssen sie eine Anerkennung bekommen, momentan fühlen sie sich aber eher bevormundet. Deswegen sind viele schockiert und verängstigt", sagt Roland Schmitt. Er vermisst den Dialog mit den Landwirten. "Wenn wir das gemeinsam schrittweise gemacht hätten, wäre kein einziger Baum gefallen."

Gesellschaft ist gefordert

Schmitt hält wenig davon, Streuobst mit staatlichen Mitteln schützen zu wollen. Dem Obstbauer ist es lieber, seine hochstämmigen Baumbestände mit hochwertige Produkten am Leben zu halten. "Hier möchte ich auch die Gesellschaft fordern", betont Schmitt. Wenn das Kulturgut Streuobst in der Fränkischen Schweiz erhalten werden soll, müssten die Kunden bereit sein, zu sagen: "Okay, mit dem Kauf des etwas teureren Produktes stärke ich die Region."

Denn nicht nur Rodungen bedrohen die Kulturlandschaft Streuobst in der Fränkischen Schweiz. Die überalterten Baumwiesen in der Region müssen gepflegt werden. Unweit der Obstwiese Schmitt stehen Streuobst-Flächen, die vernachlässigt wurden. Sie sind innerhalb einiger Jahre verbuscht und verwaldet. Dabei bieten gerade die extensiv genutzten Streuobstwiesen für Flora und Fauna einen wertvollen Lebensraum.

Flächen erhalten für die Zukunft

Bei der Familie Schmitt wird die Obstwiese weiterblühen, der 29-jährige Sohn Benedikt wird die Tradition fortführen. "In der Landwirtschaft versucht jeder seine Flächen zu erhalten. Komme was da wolle, das müssen wir erhalten. Das Gefühl hat auch meine Kinder geprägt", betont Roland Schmitt.

Die Obstbauern aus Oberehrenbach haben erst kürzlich 40 neue Bäume gepflanzt, die als Hochstamm-Form kultiviert werden. Fünf verschiedene Apfelsorten aus Frankreich. "Ich werde zwar die Bäume und die Äpfel noch sehen. Aber eigentlich ist dies wieder für die nächsten Generationen gedacht."

Fränkische Schweiz als größtes Kirschenanbaugebiet in Deutschland

Fläche Rund 484 000 Obstbäume stehen in der Region Forchheim auf circa 3485 Hektar Anbaufläche. Mit mehr als 200 000 Kirschbäumen ist das Obstanbaugebiet "Forchheim - Fränkische Schweiz" damit eines der größten geschlossenen Süßkirschenanbaugebiete in der Bundesrepublik und darüber hinaus.

Lage Der Obstanbau findet vor allem an den frostfreien Hängen der Täler und den meist ebenen Hochflächen des Jura statt.

Baumzahl Die letzte Obstbaumerhebung fand 2003 im Landkreis Forchheim statt. Dabei wurden folgende Daten vom Kreisfachberater für Gartenkultur Ernst Deutsch ermittelt: Süßkirsche 200 000 Bäume, Pflaume etc. 122 000 Bäume, Apfelbäume 109 000, dazu 49 000 Birnbäume und 7000 Walnussbäume.

Erzeugung Wie viel in der Region produziert wird, schwankt, da Steinobst sehr witterungsanfällig ist. Die Obstbauern produzieren bei Süßkirschen zwischen 1000 und 8000 Tonnen, bei Zwetschge zwischen 500 und 8000 Tonnen. 94 Prozent der bayerischen Süßkirschenernte stammen aus der Fränkische Schweiz.

Quelle: Landratsamt Forchheim

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