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Landwirtschaft

Oberfranken: Ackerbauern bangen um ihre Ernte und wünschen sich Regen

Die Rekord-Dürre 2018 stellt die oberfränkischen Landwirte vor Probleme. Zwar entwickelten sich die Pflanzen heuer gut, doch es ist wieder viel zu trocken.
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Für Reinhard Friedrich aus Wohlmuthshüll beginnt die Getreideernte heuer früher als gedacht. Foto: Ronald Heck
Für Reinhard Friedrich aus Wohlmuthshüll beginnt die Getreideernte heuer früher als gedacht. Foto: Ronald Heck
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Wenn Reinhard Friedrich derzeit regelmäßig durch seine Getreidefelder läuft, eine Ähre pflückt und testweise auf die ersten Körner beißt, stellt der Ackerbauer aus Wohlmuthshüll fest: Die Ernte steht kurz bevor. Für ihn kein Grund zur Freude. "Das Getreide wird aufgrund der Trockenheit frühreif und wird wohl unterdurchschnittliche Erträge liefern", befürchtet er.

Der Vollerwerb-Landwirt hat rund 150 Hektar Acker- und Grünland. Damit ist sein konventionell betriebener Hof einer der größten landwirtschaftlichen Betriebe in der Region. Zudem bewirtschaftet Friedrich 40 Hektar Wald und betreibt ein sogenanntes Lohnunternehmen - sprich er bietet seine Arbeit und seine Maschinen anderen regionalen Bauern an. "Heute sind bereits drei Mähdrescher unterwegs", verrät Friedrich.

Bauern wünschen sich Regen

Die anhaltende Trockenheit bereitet den Landwirten der Region Sorgen. Sie sehnen sich nach Regen. "Für Freitag ist Regen angesagt, 15 Liter. Ich hoffe, das trifft zu. Für das Getreide wird es teilweise schon zu spät sein." Der Ackerbauer aus Wohlmuthshüll baut Sommergerste, Winterraps, Dinkel, Silomais und Emmer an. Etwas weniger als ein Fünftel seiner Flächen sind Grünland. Der stellvertretende Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Forchheim blickt mit gemischten Gefühlen auf die zu erwartende Ernte: "Der Mais schaut noch ganz gut aus, braucht aber eindeutig Wasser." Der erste Schnitt des Grünlands war zwar gut, aber der zweite werde unterdurchschnittlich.

Die extreme Dürre des vergangenen Jahres hinterlässt auch an der neuen Ernte ihre Spuren. "Das ist ein Riesen-Einschnitt für die Landwirtschaft gewesen. Für uns Bauern war es eine Katastrophe und wir in Oberfranken waren der Hitzepol", betont der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif. Die Rekord-Trockenheit 2018 erschwerte die Aussaat, die Bauern mussten ihre Saat in extrem trockene Böden pflanzen. Friedrich verdeutlicht: In Wohlmuthshüll zum Beispiel fielen 610 Millimeter Niederschläge - in einem Durchschnittsjahr seien es rund 830 Millimeter. Und es war viel heißer als üblich: 2018 war es im Durchschnitt 9,9 grad Celsius warm, im mehrjährigen Durchschnitt läge das Mittel bei 8,5 Grad Celsius.

Bis Anfang Juni lief es noch gut

Immerhin: Die Ackerbau-Kulturen seien in Oberfranken wegen der Niederschläge am Jahresende gut in den Winter gekommen, so Greif. Auch Frostschäden habe es glücklicherweise keine gegeben. Die Bauern waren mit den Bedingungen während und nach dem Winter zufrieden und konnten die Sommerfrüchte problemlos ausbringen. Die Kälteperiode ab Ende April sorgte allerdings beim Mais-Anbau für eine "Depression", merkt der BBV-Bezirkspräsident an. Der für die Region Forchheim so wichtige Obstbau habe den Frost glücklicherweise ohne größere Schäden überstanden. Unterm Strich hätten die Pflanzen bis Anfang Juni mit den Niederschlägen gut leben und sich entwickeln können.

Doch seitdem fiel kein Regen mehr und die Ackerbauern bangen um ihr Getreide. "Neue Hitzerekorde sorgen für einen beschleunigten Reifeprozess. Insgesamt ist es auch 2019 deutlich zu warm und zu trocken", bekräftigt Greif. Wegen der kürzeren Vegetationszeit fallen die Erträge geringer aus. "Die genauen Auswirkungen werden sich erst während der Ernte zeigen. Nach unseren Einschätzungen wird sie insgesamt etwas unterdurchschnittlich ausfallen." Derzeit holen die Ackerbauern die erste Wintergerste vom Feld. Die Trockenheit habe immerhin den Vorteil, dass sich manche Pilzkrankheiten nicht gut vermehren könnten. Der "Krankheitsdruck" auf das Getreide sei deshalb gering, so Greif.

Raps droht zu verschwinden

Sorgen bereitet die Entwicklung des Raps-Anbaus. Hier machen sich die schlechten Aussaat-Bedingungen besonders bemerkbar. Heuer stehen in Oberfranken rund 9800 Hektar Raps (fünf Prozent der Ackerflächen), im vergangenen Jahr waren es noch 16 000. "Wir haben über ein Drittel an Rapsflächen verloren", betont Greif. In ganz Bayern sind es 25 Prozent Rückgang. Neben dem Jahrhundert-Sommer 2018 seien auch der Konkurrenzdruck durch Palmöl und die gesetzlichen Einschränkungen beim Insektizid- und Düngemitteleinsatz dafür verantwortlich.

"Der Raps wird sich bei uns total verabschieden", meint Friedrich, der die Blütenpflanze selbst anbaut. "Raps wird eigentlich nirgends mehr gebraucht und ist zu kompliziert im Anbau." Auch Imker hätten bei ihm bereits Alarm geschlagen: "Wenn kein Raps mehr da ist, werden sich die Imker umschauen müssen. Rapshonig wird es vielleicht aus unserer Region nicht mehr geben."

Die wichtigsten Ackerfrüchte in Oberfranken - und ihre Ernteprognosen

Flächen Im Regierungsbezirk Oberfranken werden rund 296 000 Hektar landwirtschaftliche Flächen bewirtschaftet - 201 000 sind Ackerland, der Rest sind Grünland (95 000).

Höfe 8500 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in ganz Oberfranken. Die meisten sind Nebenerwerb-Bauern, nur ein Bruchteil wird wirtschaftet im Vollerwerb. Im Kreis Forchheim ist nur jeder siebte ein Vollerwerb-Betrieb.

Winterweizen Mit rund 33 000 Hektar ist der Winterweizen eine der wichtigsten Ackerfrüchte in Oberfranken. Der Bauernverband erwartet - ähnlich wie die Wintergerste - eine durchschnittliche bis leicht unterdurchschnittliche Ernte. Die Bestände seien zufriedenstellend.

Sommergerste Die Braugerste (30 000) wird vor allem zur Bierherstellung genutzt. Oberfranken ist das größte Braugerste-Anbaugebiet in Bayern. Die Bauern sind zufrieden, insgesamt werde die Ernte aber eher unter den Erträgen aus dem Vorjahr liegen.

Mais Derzeit leidet der Mais (rund 33000 Hektar) stark unter der anhaltenden Trockenheit, was sich an den rollenden Blättern zeigt. Besonders hinsichtlich der Futterversorgung wünschen sich die Landwirte deshalb Regen. Sie erwarten eine deutlich unterdurchschnittliche Ernte.

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