Forchheim
Straßenverkehr

Oberfranken: Ablenkung führt immer häufiger zu Unfällen

Es gibt mehr Verkehrsunfälle mit ungeklärter Ursache, die dann unter das Thema Ablenkung fallen. Vor allem die Handynutzung beschwört Gefahren herauf.
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Finger weg vom Handy am Steuer! Foto: Petra Malbrich
Finger weg vom Handy am Steuer! Foto: Petra Malbrich

Von einem dramatischen Anstieg der Verkehrsunfälle spricht die Polizei Oberfranken, in Zahlen insgesamt 33.000 für das Jahr 2017. Eine aktuelle Statistik liegt noch nicht vor. Aber es gibt ein Thema, das unmittelbar mit vielen Unfällen zusammenhängt: die Ablenkung. "Es gibt 49 Ursachen. Die Ablenkung gibt es nicht als Unfallursache", stellt Hartmut Demele klar, Sachbearbeiter Verkehr der Polizeiinspektion Forchheim. Jedoch ist die Ablenkung das Thema, das zu immer mehr Fehlverhalten und somit zu Unfällen führt. Die Handynutzung ist auch die einzige Ablenkung, die im Bußgeldkatalog aufgeführt ist. "100 Euro, ein Punkt sowie Gebühren und Auslagen", nennt Johannes Götz, Mitarbeiter der Abteilung Verkehr bei der Polizeiinspektion Ebermannstadt, die Höhe der Strafe, wenn man dabei erwischt wird, während des Fahrens das Handy zu benutzen. "Man hat trotzdem den Eindruck, dass es nicht abschreckt", sagt Götz.

Das Handy am Ohr

Wer mit dem Auto unterwegs ist, sehe immer irgendwo einen Fahrer, der das Handy am Ohr hat. Manche Autofahrer schauen konzentriert nach unten, wenn sie eine WhatsApp-Nachricht schreiben wollen und dabei das Handy auf dem Schoß liegen haben. Wenn die Ablenkung auch nicht unmittelbar eine Unfallursache ist, so ist es doch oft der Grund für Fehlverhalten, die zu Unfällen führen "Wir hatten dazu den bundesweiten Aktionstag gegen Ablenkung im Straßenverkehr", blickt Alexander Czech, Pressesprecher der Polizei Oberfranken, zurück. Ziel des Aktionstags war es, über die enormen Gefahren durch Ablenkung, vor allem durch Smartphones, Tablets oder Multimediaeinrichtungen, zu sensibilisieren. Denn aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge wird durch diese Nutzung während der Fahrt das Unfallrisiko mindestens um das Vierfache erhöht.

Tausende erwischt

Schon im ersten Halbjahr 2018 hat die bayerische Polizei mehr als 38.000 Kraftfahrzeugführer und rund 2700 Radfahrer erwischt, die trotz Verbots während der Fahrt per Handy kommunizierten. Allerdings betrifft das Thema Ablenkung nicht nur Autofahrer und Radfahrer. Auch Fußgänger sind angesprochen. "Die Kollegen achten auch bei den allgemeinen Streifenfahrten darauf, ob das Handy benutzt wird", beteuert Czech. Und die Polizei sensibilisiert ebenfalls durch Plakate zum Thema Ablenkung. Diese Plakate ähnlich dem Schild "Achtung Kinder" an vielen Ecken anzubringen, könnte hingegen kontraproduktiv sein, denn das könnte wieder Ablenkung bedeuten. Das breite Spektrum hinter den beiden großen Themen Ablenkung und Handynutzung zeigt Hartmut Demele auf. Angenommen, das Handy liegt auf dem Beifahrersitz und bimmelt: Schon alleine die daraus entstehende Frage, ob man das Gespräch annehme oder ignoriere, lenke ab. Oder das Gespräch ist bereits beendet, der Autofahrer fährt weiter und es kommt zu einem Unfall. Zum Unfallzeitpunkt wäre somit keine mittelbare Handynutzung nachweisbar. "Aber vielleicht ist der Autofahrer gedanklich noch mit dem Gespräch beschäftigt", sagt Demele. Ablenkung hat viele Gesichter. Auch Mitfahrer im Auto sorgen für Ablenkung. Schon eine Unterhaltung im Auto reicht, um nicht konzentriert zu sein. Oder man verstellt den Radiosender oder tippt am Navi herum. Am Radiosender zu drehen, ist aber kein Vergehen, erklärt Czech. Die Handynutzung hingegen schon und zieht ein Bußgeld nach sich. On eine Straftat vorliege, hänge von der Schwere des Unfalls ab. Ist jemand verletzt worden, zählt es als fahrlässige Körperverletzung, bei einem tödlichen Unfall als fahrlässige Tötung. Eine Überprüfung der Handynutzung ist möglich.

Handynutzung überprüfen

Unter Ablenkung werden Unfälle eingestuft, die anderes nicht erklärbar sind. Die beste Prävention: "Jeder Autofahrer sollte über mögliche Folgen nachdenken, dass er jemanden töten könnte, anstatt zu denken, es werde schon nichts passieren", sagt Götz.

Unfallzahlen

Insgesamt 33.001 Verkehrsunfälle hatten sich 2017 in Oberfranken ereignet, was einer Steigerung von 2,1 Prozent zum Vorjahr ausmachte. Davon endeten 47 Unfälle tödlich, 68 Personen starben an den Folgen des Unfalls. Die Zahl der Verkehrsunfälle mit verletzten Personen stieg auf 4267 (2016: 4227). Insgesamt wurden 5648 Verkehrsteilnehmer verletzt (2016: 5585).

Überhöhte und nicht angepasste Geschwindigkeit war bei 2260 Verkehrsunfällen ursächlich (2016: 2076). Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Alkoholeinfluss erhöhte sich um 3,4 Prozent auf 424 (2016: 410). Mehr als die Hälfte der betrunkenen Autofahrer (235 von 424) hatte über 1,5 Promille Alkohol im Blut (2016: 231 von 409). An 274 Verkehrsunfällen waren Kinder beteiligt (2016: 251), wobei 309 Kinder Verletzungen erlitten (2016: 275). Einen Rückgang um sechs Prozent auf 47 Verkehrsunfälle (2016: 50) registrierte die oberfränkische Polizei bei den Schulwegunfällen. Kein Schulwegunfall in Oberfranken endete tödlich.

Eine Steigerung um 5,6 Prozent auf 395 Verkehrsunfälle registrierte die Polizei bei den Unfällen, an denen Fußgänger beteiligt waren (2016: 374). Für fünf Fußgänger in Oberfranken endete im Jahr 2017 ein Verkehrsunfall tödlich (2016: 6), und 337 Passanten erlitten bei Verkehrsunfällen Verletzungen (2016: 309). Insgesamt waren im vergangenen Jahr oberfrankenweit 423 Fußgänger an Verkehrsunfällen beteiligt (2016: 388). Quelle: Polizei Oberfranken

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