Forchheim
Kommunalwahl

OB-Wahl: Annette Prechtel von den Grünen einstimmig nominiert

Der Ortsverband Forchheim von Bündnis 90/Die Grünen hat die 45-jährige Stadträtin Annette Prechtel für die Oberbürgermeisterkandidatur nominiert.
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Annette Prechtel in der Nominierungsversammlung Foto: Pauline Lindner
Annette Prechtel in der Nominierungsversammlung Foto: Pauline Lindner
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Angetragen hatte man Annette Prechtel die Oberbürgermeisterkandidatur schon bei den vergangenen Wahlen. Damals lehnte es die 45-jährige Geoökologin ab, mit dem Hinweis, sie müsste dann für jede Entscheidung eine Mehrheit im Stadtrat suchen. Nun ist sie bereit, anzutreten.

Der Grünen-Stadrat Gerhard Meixner soll sich "wie eine Sau gefreut" haben. Ohne Gegenstimme und Enthaltungen votierten 42 stimmberechtigte Mitglieder des Ortsverbands Forchheim von Bündnis 90/Die Grünen für Prechtels Kandidatur.

Ausschlaggebend mag für sie gewesen sein, dass im Verhältnis Oberbürgermeister/Stadtrat seit einiger Zeit nicht alles rundläuft. Prechtel übte in ihrer Vorstellungsrede deutliche Kritik. Insbesondere wandte sie sich gegen eine von OB Uwe Kirschstein (SPD) geäußerte Auffassung, der Stadtrat sei kein politisches Gremium, sondern Teil der Verwaltung. Nicht nur aus der Individualität der Stadtratsmitglieder heraus billigt sie dem Gremium Verankerung in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu, sondern leitet gerade daraus die Entscheidungskompetenz ab.

Dem teilweise negativen Bild in der Öffentlichkeit von der Arbeit im Stadtrat stellte sie die persönliche Erfahrung gegenüber, dass in den letzten Jahren verstärkt der Dialog über Fraktionsgrenzen gesucht werde, um gemeinsam Lösungen zu finden. "Ernsthaft daran gearbeitet wurde, ohne falsche Hintergedanken, sondern mit dem Ziel, das Beste für die Stadt rauszuholen." Eine Vorgehensweise, die - so Prechtel - einigen wenigen suspekt, dem "OB aber ein Dorn im Auge" war. In diesem Kontext wehrte sich die langjährige Fraktionssprecherin der Forchheimer Grünen Liste (FGL) auch dagegen, sie arbeite zu oft mit den anderen Fraktionen zusammen.

Mit dem Gedankenspiel, eine Bergtour vorbereiten zu wollen, nahm sie die rund 60 bis 70 Zuhörer auf einen Streifzug durch Kernfelder der Stadtpolitik. "Natürlich geht es darum, Forchheims hohe Lebensqualität zu erhalten und weiter auszubauen, logisch." Das dürfe aber nicht auf Kosten anderer, insbesondere nicht auf Kosten zukünftiger Generationen geschehen. Klimaschutz nannte die Mutter von drei Kindern an erster Stelle der Handlungsfelder. Konkret heißt das für sie: Die Stadt ist dafür verantwortlich, wie viel Energie ihre eigenen Gebäude zum Heizen verbrauchen. Das sei eine alte, bislang nicht ausreichend beachtete Forderung ihrer Fraktion. Weiter folgerte Prechtel daraus eine Verkehrswende. Dabei sah sie durchaus Notwendigkeiten, das Auto zu benützen, um Alltägliches zu erledigen. Wende heißt für sie: "Dass es nicht mehr ganz normal sein muss, dafür ins Auto zu steigen."

Voraussetzung für einen Haltungswandel sei aber die Verbesserung der Strukturen für Radfahrer, um Gefahren für sie zu mindern, sie aber auch Abstellplätze finden zu lassen. Zeitlich dringlich erscheint ihr, schon jetzt das Thema bessere Bustaktung anzugehen. Denn 2021 steht die Neuausschreibung an.

Nicht ausweichen konnte und wollte Prechtel dem Thema "Neuer Standort Baywa". Für die Geschäftsführerin des Familienunternehmens Prechtel ist die bisherige Herangehensweise kein Beispiel für verantwortliche Planung. "Ökologisch wertvolle Flächen gilt es zu schützen", betonte sie ausdrücklich, forderte aber gleichzeitig, das Gebiet im Stadtnorden für kleine und mittelständische Gewerbebetriebe voranzutreiben. Hingegen beurteilt sie die Absichten, Bolzplätze und Grünflächen als Standorte für die dringend benötigten Kitas in Betracht zu ziehen als "Übersehen von Wesentlichem", nämlich deren Erholungswert.

Emmerich Huber, der Sprecher des Grünen-Ortsverbands, wittert in Prechtels Kandidatur eine "historische Chance". Für die Forchheimer Bundestagsabgeordnete Lisa Badum ist die "nächste Wegmarke" für mehr Frauen in der Politik eben die Kandidatur einer Frau als Oberbürgermeisterin. Ihr politischer Werdegang, so Badum, habe den entscheidenden Impuls durch Annette Prechtel erhalten, als sie als Zeitungspraktikantin zum Thema Frauen in der Kommunalpolitik recherchiert habe.

Infostand

Die Forchheimer Grüne Liste lädt alle Bürger zu einem Informationsstand mit der nominierten Oberbürgermeisterkandidatin Annette Prechtel ein. Sie steht am Samstag, 21. September, von 10 bis 13 Uhr in der Fußgängerzone (Nähe Drogeriemarkt Müller) zum Gespräch bereit.

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